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Die obligatorische Krankenversicherung

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Bibliographic data

fullscreen: Die obligatorische Krankenversicherung

Monograph

Identifikator:
176840707X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-149526
Document type:
Monograph
Title:
Die obligatorische Krankenversicherung
Place of publication:
Genf
Publisher:
Internationales Arbeitsamt
Year of publication:
1927
Scope:
892 Seiten
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. Das Anwendungsgebiet
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Russlands Bankerott
  • Title page
  • Contents
  • I. Zur Warnung.
  • II. Beiträge zur Zeitgeschichte.
  • III. Polemilches.

Full text

111 
ausgräbt, zusammenstellt, ein Buch daraus macht, und die ganze Welt, 
insoweit sie russische Papiere besitzt, hallt von seinem Ruhme wider. 
Wie ist das möglich? Das Buch ist in seinem volkswirtschaftlichen 
Teil spottschlecht. Keine Disposition, keine Beweise für schwerwiegende 
Behauptungen, phantastische Zahlenschätzungen und in der Hauptsache 
ein Sammelsurium von Zitaten, das mit der Prätension eigener Geistes 
arbeit auftritt, ohne daß selbst nur der verbindende Text eine Spur 
von Originalität zeigte. Aber ein Regierungsrat hat's geschrieben, und 
der ist eben etwas anderes als gewöhnliche Sterbliche. Deswegen feiert's 
sicher mancher. Aber es wäre oberflächlich, nur aus solcher Fadheit heraus 
die neueste Sensation zu erklären. Man hat gar nicht so unrecht, 
wenn man die Autorschaft eines Regierungsrates in diesem Falle als 
etwas Ungewöhnliches schätzt. Nicht etwa, weil er im Gegensatz zu 
seinem Kollegen in Reichsdiensten, Herrn Helfferich, die russischen Fi 
nanzen schlecht findet. Aber das Buch enthält auch einen sehr inter 
essanten Teil, der nicht von Volkswirtschaft und Statistik, sondern von 
Politik und Geschichte handelt. Auch hier ist manches schief, aber vieles 
sehr geistreich in den Schlüssen und Vergleichen, und vor allem alles, 
aber auch alles ganz anders, als es sein müßte, wenn die augenblick 
liche deutsche Politik gegenüber Rußland gerechtfertigt sein sollte/ Und 
daß so etwas ein Reichsbeamter, ein Untergebener des Fürsten Bülow, 
schreibt, ist allerdings sehr bemerkenswert. 
Der Herr Regierungsrat liest der Börse gehörig den Text, daß 
sie nicht an die russische Revolution glauben will, wo man doch mitten 
darin sei, und daß sie meint, mit der Einberufung der Duma sei alles 
wieder in bester Ordnung, während dann erst die Hauptphase der Re 
volution einsetze. Er beweist seine These an der Hand der Vorgänge 
während der großen Revolution, in der Necker eine ähnliche Rolle wie 
heut Witte spielte. Behauptung und Vergleiche sind nicht neu. Ich habe, 
ohne mir auf das sich jedem Geschichtskundigen geradezu aufdrängende 
Gleichnis etwas zugute tun zu wollen, an dieser Stelle im Januar 
dieses Jahres geschrieben: „Die französische Revolution ward nicht am 
Tage des Bastillensturmes geboren, sondern durch die Unterzeichnung 
des Dekrets, das die Generalstände berief. Und die russische Revolution 
fängt nicht an mit den Petersburger Metzeleien, sondern hat schon lange 
begonnen mit dem von der Regierung selbst berufenen Semstwo- 
kongreß .i . . ."*) Damals war von der Duma noch keine Rede. Jetzt 
liegt der Vergleich zum Greifen nahe. Und doch gibt Herr Martin hier 
manches — na, sagen wir in den Schriften von Regierungsräten sonst 
nicht zu Findendes. Er entpuppt sich nämlich — ohne daß er das selbst 
gewahr wird — als Marxist und weist haarscharf nach, daß der Gang 
der Geschichte durch wirtschaftliche Gesetze beeinflußt wird, und daß die 
Mitglieder der zukünftigen russischen Duma, ob sie wollen oder nicht, 
durch den Zwang der wirtschaftlichen Gesetze den Staatsbankrott werden 
dekretieren müssen: In Frankreich erklärten die Mitglieder der National 
versammlung zunächst das Wort „Staatsbankrott" für infam, und Mira- 
i) Verg'eiche den Aufsatz „Mendelssohns" in dieser Sammlung. 
Die 
Schwächen des 
Buches. 
Revolutions 
prophe 
zeiung.
	        

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Russlands Bankerott. Plutus Verlag, 1906.
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