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Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

Monograph

Identifikator:
1779855281
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-164105
Document type:
Monograph
Author:
Mahlberg, Walter http://d-nb.info/gnd/101605218
Title:
Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Gloeckner
Year of publication:
1928
Scope:
VI, 122 S.
graph. Darst
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
2. Die Sabotage der Reparationszahlungen durch den Mechanismus der Weltwirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft
  • Title page
  • Contents
  • 1. Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden und der Denkfehler der Ausgleichsnotwendigkeit
  • 2. Die Sabotage der Reparationszahlungen durch den Mechanismus der Weltwirtschaft
  • 3. Schlußfolgerungen für die Organisation des Geld- und Kapitalmarkts

Full text

6) Die weltwirtschaftliche Natur der Sachlieferungen, 
Die Erkenntnis, daß der Bartransfer eine Fiktion ist, hatte ich ‚schon 1924 1) 
gewonnen, als ich, in Schweden wohnend, mit dem Fühlen des Auslandsdeutschen 
„das große Vaterland‘, wie es die Schweden in einer Mischung von Bewunderung 
und Ironie nennen, von außen her beobachtete, Die Sachlieferungen betrachtete 
ich damals noch als wirkliche Tributleistungen und sah deshalb von einer Ver- 
öffentlichung der Erkenntnis ab, da zu befürchten stand, daß nach Bekanntwerden 
und Anerkennung dieser Ergebnisse die ehemals feindlichen Staaten nur noch Sach- 
lieferungen verlangen würden, Nachdem mir inzwischen die weitere Erkenntnis — 
die nachträglich fast wie das Ei des Kolumbus anmutet — gelungen ist, daß auch 
die Sachlieferungen volkswirtschaftlich nur die Fiktion einer Tributzahlung sind, 
wurde die Veröffentlichung zur Pflicht. 
Um die weltwirtschaftliche Natur der Sachlieferungen zu erkennen, sei 
angenommen, daß die gesamte jährliche Reparationsschuld von 21% Milliarden 
Mark, also der Betrag, wie er im „Normaljahr‘“ bezahlt werden soll, durch Sachliefe- 
rungen abgedeckt werde. Dann fällt der volkswirtschaftliche Zauberspuk des De- 
visen-Clearings fort, es erfolgt keine Investierung des durch Zwang gebildeten 
Kapitals in Deutschland, sondern wir haben es scheinbar mit einem eindeutigen, 
nicht weg zu leugnenden und wegen des Umfanges brutalen Naturaltribut za tun, 
wie er uns aus den Kriegen einer grauen Vorzeit bekannt ist. Es wäre dann so, als 
ob wir alle in Deutschland den 10. Tag für das Ausland arbeiten müßten. 
Auch hier trügt der privatwirtschaftliche Schein über den volkswirtschaftlichen 
Inhalt. Tatsächlich hätten wir auch dann und haben wir bereits eine Reparations- 
konjunktur größten Umfanges, wir hätten nicht nur unser Brot, sondern ein erheb- 
liches Stück Zusatzbrot an der Erzeugung des Zehnten. Zu unserem gewöhnlichen 
Wirtschaftsumsatz käme der gesteigerte Absatz ins Ausland aus Sachlieferungen, 
Der einzelne Unternehmer, der Sachlieferungen herstellt, etwa Transportanlagen 
auf Reparationskonto ins Ausland liefert, muß ja nicht den ausmachenden Faktaren- 
beirag der Lieferung als Reparationssteuer zahlen, sondern nur einen Teil davon, 
während ihm die Lieferung als solche aus der Reichskasse bezahlt wird und 
70on dieser wie die Barzahlungen auf alle Steuerpflichtigen umgelegt wird. 
Die Umsatzsteigerung hat zwei Folgen. Einerseits ist es Umsatzsteigerung 
schlechthin und damit Geschäftsausdehnung in allen Branchen. Andererseits wird 
eine solch große zusätzliche Umsatzsteigerung in ganz großem Umfange, wenn 
nicht auf der ganzen Linie aller Branchen, dahinführen;, daß allüberall die Pro- 
duktionskapazität bis zur letzten Möglichkeit ausgenützt wird, sodaß das Gros der 
Betriebe mit ihrem Beschäftigungsgrad beim sogenannten Selbstkosten-Degressions- 
endpunkt liegen würde, Bekanntlich sind die Selbstkosten pro Fabrikations- 
einheit — je nach Branche und Betrieb verschieden stark — bei nicht voller Be- 
schäftigung höher als bei hundertprozentiger Ausnützung der Betriebsapparatur; 
mit zunehmender Beschäftigung fallen die Selbstkosten pro Stück, pro Dutzend, 
Tonne usw., um beim Degressionsendpunkt den billigsten Kostenpreis zu erreichen. 
Durch die Sachlieferungskonjunktur hätten wir und haben wir bereits nicht nur 
größere Umsätze, sondern auch niedrigere Selbstkosten und aus beiden Gründen 
1) S. auch meine soeben genannte Arbeit „Wirtschaftsrelativität‘‘ 19201
	        

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Reparations-Sabotage Durch Die Weltwirtschaft. Gloeckner, 1928.
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