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Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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Bibliographic data

fullscreen: Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

Monograph

Identifikator:
1782566376
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-169787
Document type:
Monograph
Author:
Rörig, Fritz http://d-nb.info/gnd/116593113
Title:
Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte
Place of publication:
Breslau
Publisher:
Hirt
Year of publication:
1928
Scope:
284 S.
Kt.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
III. Lübecker Familien und Persönlichkeiten aus der Frühzeit der Stadt
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes
  • Title page
  • Contents
  • Forschungs-Institute für den industriellen Mittelstand
  • Die Exportvereinigung im Fachgebiet
  • Gegenwarts- und Zukunftsarbeit im industriellen Grossbetrieb
  • Die Doppelstellung im Konsulatwesen
  • Die Dringlichkeitsfrage sozialer Aufgaben
  • Die Fabrikzeitung
  • Zur Jugendbewegung
  • Der Schutz der Arbeitswilligen
  • Die Unsittlichkeit im Erwerbsleben
  • Zeitgemässe Werkorganisation
  • Die konfessionelle Zerrissenheit im Mittelstand
  • Das Mittelstandsproblem
  • Schlusswort

Full text

26 
weil er glaubte, die Macht seiner Soldaten gäbe 
ihm ein Recht dazu. Die Regierung fürchtet 
die Macht des organisierten Proletariats und 
opfert den Mittelstand. Zur Bekämpfung 
des Proletariats stehen ihr gesetzlich finanzielle 
Mittel nicht zur Verfügung. Sie darf sie auch 
nicht fordern. Deshalb ist oder glaubte sie sich 
gezwungen, sich auf die finanzielle Hilfe des 
bereitwilligen Grosskapitals stützen zu können, 
damit dieses Mittel für Propaganda zur Verfügung 
stellt. Hierdurch ist die Freiheit der Regierung 
geopfert, sie muss so, wie das Grosskapital es 
will. Will die Regierung aber den lebensfähigen 
Mittelstand wirklich erhalten, dann muss sie 
gegen die Ueberspannung des Grosskapitals 
Front machen, gegen die Grossbanken, soweit sie 
sich mit der Schaffung von Organisationen be 
fassen, die dem Mittelstand den Garaus machen, 
mit aller Energie Stellung nehmen. Bei dem 
jetzigen Abhängigkeitsverhältnis kann die 
Regierung es aber nicht mehr, ebenso wie viele 
politische Parteien keine Mittelstandspolitik wirk 
lich ernsthaft treiben können, weil das Gross- 
kapital die finanzielle Wahlhilfe einfach entziehen 
würde. Verlangen wir vor allem von unserer 
Regierung eine feste wirtschaftspolitische Defini 
tion des Wortes „Staatserhaltend", damit der 
Mittelstand hier erst einmal klar sieht. Verlangen 
wir eine Beseitigung der Institutionen, Titel und 
Orden käuflich oder durch Gefälligkeiten 
erwerben zu können, und setzen wir an Stelle 
dieser Auszeichnungen die öffentliche Wert 
schätzung des Bürgerstolzes. Stellen wir 
die führenden Köpfe unseres Grosskapitals in 
Industrie, Handel und Bankwesen vor die Auf 
gaben, ihre Intelligenz statt nach der Richtung der 
Aufsaugung und Konzentration auf das Ziel ein 
zustellen, organisatorische Institutionen 
für den Mittelstand zu schaffen, Forschungs 
institute, Exportvereinigungen, Mittelstands 
banken etc., und versprechen wir diesen Männern 
hierfür die höchsten öffentlichen Ehrungen, 
bauen wir ihnen hierfür Denkmäler, denn 
Eitelkeit und Ehrgeiz, das Verlangen nach Ruhm, 
sind nun einmal Faktoren, die das Schaffen ge 
waltig anzuregen vermögen. Verlangen wir aber 
vor allem Depositenkassen auf genossenschaft 
licher oder kommunaler Basis mit der Ver 
pflichtung, die Depositengelder ausschliess 
lich für den Mittelstand nutzbar zu machen, 
oder wandeln wir diese oder jene Grossbank in 
Mittelstandsbanken um. Das Mittelstandsproblem 
ist ein Problem der finanziellen Organisation und 
die Lösung einer ethischen Aufgabe. 
Solange nicht die sittliche Treue, die ehrliche 
Arbeit ihre Anerkennung findet, sondern mit 
Geld, ohne Rücksicht auf Herkunft und die 
Leichen, die auf dem Wege des Erwerbes durch 
Rücksichtslosigkeit gefallen sind, sich jeder durch 
Auszeichnungen abstempeln lassen kann, die Re 
gierung sich nicht aus der Umklammerung durch 
das Grosskapital frei macht, solange gibt es in 
Wahrheit keine Mittelstandsarbeit. Ent 
weder legen wir mit Wahrhaftigkeit Hand an 
das Mittelstandsproblem und retten unsere Frei 
heit, retten uns den Boden für die Entwick 
lung von Persönlichkeiten, oder aber wir 
geben es auf und bekennen uns ehrlich zum 
Sozialismus, zur Einordnung der Menschheit 
in das Kunstwerk einer nationalen und inter 
nationalen Riesenmaschine. Hat der Mittel 
stand tatsächlich nicht die Kraft, den Weg zu 
finden, ist der Idealismus für unsere Aufgaben 
im Erlöschen, dann räumen wir nur ehrlich 
unseren Platz den jugendstarken Kräften des sich 
zum Aufstieg und zum Sieg mit beigeisterndem 
Idealismus organisierenden Proletariats. 
Der Grossbetrieb und Staatsbetrieb ist eine 
technische und wirtschaftiiche Notwendigkeit 
durch unsere Kulturentwicklung geworden, aber 
bei weitem nicht in dem Masse und in der Ge 
stalt, wie wir die Riesenbetriebe als Ergebnis des 
Erwerbswahnsinns entstehen sehen, zufolge 
der ungehinderten, einseitigen Wirksamkeit, die 
die zügellose Macht des Geldes und Kapitals 
heute mit Unterstützung der Regierung ausüben 
kann.
	        

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Das Jungdeutsche Manifest. Jungdeutscher Verl., 1928.
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