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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Die Tatsachen der Sympathie. 
103 
über das beigesellte Mitleid eine gewisse sittliche Selbstbefriedigung ein, 
und endlich mag eine leise Regung der Schadenfreude über den Verlust 
des anderen hinzukommen‘). 
Eine wesentliche soziale Bedeutung hat dagegen die Übertra- 
gung einer Gesinnung, die jemand gegen einen anderen hegt, 
auf seine Umgebung. Wir können es täglich beobachten, wie die 
Ab- und Zuneigung, die Verehrung oder das Herabsehen, das Vertrauen 
oder Mißtrauen gegenüber einer bestimmten Person sich gewissen Per- 
sonen in der Umgebung des so Gesinnten mitteilt. Namentlich für das 
Verhalten der Kinder gegen ihre Umgebung spielt der Mechanismus der 
Gefühlsübertragung eine wichtige Rolle. Belehrende Worte über Wert 
oder Unwert eines Menschen haben auf sie wenig Einfluß, um so stärkeren 
aher das Kundtun der Gesinnung durch Ausdruckssymptome, die die 
Worte, die Handlungen und den Verkehr mit der betreffenden Person 
begleiten. Wir sahen bereits oben, wie früh schon kleine Kinder, offen- 
har auf dieser Grundlage, die soziale Stellung der Hausgenossen einzu- 
schägen wissen. Was der Mechanismus der Gefühlsübertragung hier leistet, 
das ist die Ausbreitung eines bestimmten Verhaltens. Von sozialer Be- 
deutung ist sie in dem Maße, in dem dieses Verhalten angemessen und 
nachahmungswürdig ist. Die hier angedeutete Bedingung ist aber, weil 
die Erreger der Übertragung sich vorwiegend in überlegener Stellung be- 
finden, in der Tat häufig erfüllt. 
Von großer sozialer Bedeutung ist auch die Ausbreitung von Hal- 
tungen, in denen sich die Persönlichkeit eines Menschen kund tut. Die 
tägliche Erfahrung zeigt, wie stark ein frisches und lebendiges Wesen 
einerseits, ein müdes und schleppendes anderseits ansteckend wirken kann. 
Entsprechendes gilt von Dünkel und Bescheidenheit, von Friedlichkeit 
und Aggressivität usw. Freilich kommt es dabei auf das innere Verhält- 
nis der Personen zueinander an. Es sind namentlich führende, ange- 
sehene, autoritative Personen, von denen in erster Linie eine solche An- 
steckung ausgeht, offenbar in Zusammenhang mit dem früher ($ 5,3) 
erörterten Willen zum Einswerden mit ihnen. Auf diesem Mechanismus 
der Ansteckung beruht zu einem großen Teil die Bedeutung führender 
Personen — ihre Fähigkeit, ihren Geist um sich herum auszubreiten und 
zur Herrschaft zu bringen. Ein Lehrer z. B. verbreitet in dieser Weise 
durch die bloße Art seines Auftretens und den Eindruck seiner Persön- 
lichkeit einen Zustand des Eifers und Respektes, anderseits einen solchen 
der Schlaffheit und Gleichgültigkeit in der Klasse. In großen Dimen- 
sionen kann sich dasselbe geltend machen bei genialen politischen und 
1) Vgl. Karl Groos, Spiele der Menschen, 1. Aufl., S. 38 und Yrö Hirn. 
Die Anfänge der Kunst. S. 58.
	        

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Finanzwissenschaft. G. Fischer, 1927.
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