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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

114 Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. 
det sich auch das Kind dem Leben der Erwachsenen, schon ihrem 
Sprechen, ebenso ihrem Hantieren mit Geräten und ihren sonstigen ab- 
strakten Handlungen gegenüber. Es wird in der Regel nicht genug ge- 
würdigt, was es bedeutet, daß das Kind das meiste hiervon fast ohne 
Hilfe bewältigt. Erstaunlich ist schon allein die Art, wie es das Sprechen 
lernt, indem es im Gegensag zu dem mehr oder weniger zergliedernden 
Charakter des sprachlichen Unterrichtes lediglich mit dem Strom der 
Rede in Berührung kommt, wobei es ihm überlassen bleibt, selber die 
zusammengehörenden Teile herauszusuchen. „Und doch lernt der Mensch 
nie soviel in der gleichen Zeit wie als Kind, wo das Lernen eine beson- 
ders hochwertige Leistung ist. Man soll also nicht gedankenlos sagen: 
ein bloßes Kind, viel mehr sollte man vor der leistungsreichen Periode 
der Kindheit Hochachtung haben.“ — 
2. Die zweite Frage, die wir uns vorlegen wollen, bezieht sich auf 
die Motive der Nachahmung. Einerseits weist die Nach- 
ahmung gewiß, gleichviel wie es sich im einzelnen damit verhalten mag, 
auf eine angeborene Anlage zurück. Jedoch genügt sie allein 
in den meisten Fällen nicht. In verwickelteren Verhältnissen nach Art 
ler unseren ist das schon ausgeschlossen wegen der Interferenz der vie- 
len sich widerstreitenden Vorbilder, die sich von verschiedenen Seiten 
aufdrängen und gegenseitig stören. Überall in solchen Verhältnissen 
trifft der einzelne tatsächlich eine Auswahl aus den verschiedenen Vor- 
bildern. Es müssen also im allgemeinen noch weitere Motive zu 
der ursprünglichen Anlage hinzukommen. Die wichtigsten einschlägigen 
Typen seien im folgenden kurz geschildert. 
Erstens kann die Gleichheit der Bedingungen eine 
überwiegende Rolle spielen derart, daß von Nachahmung bei genauer 
Betrachtung nicht viel übrig bleibt. So wenn auf einem großen Plag bei 
Beginn eines leisen Regens allmählich das Aufspannen der Schirme von 
einer Reihe einzelner Ausgangspunkte in den ersten Minuten sich aus- 
hreitet; so wenn bei einer Gesellschaft nach längerem Beieinandersein 
das Abschiednehmen der ersten, die sich zum Aufbruch rüsten, vielfach 
Nachfolge findet. In solchen Fällen gibt das Vorbild nur den Anstoß; 
in der Hauptsache handelt es sich um einen Parallelismus des Verhal- 
tens. 
Zweitens kann die förderliche Wirkung, speziell der Nutzen einer 
Verhaltungsweise, indem sie einem andern einleuchtet, das Hauptmotiv 
für deren Nachahmung abgeben. Wenn ein rühriger Kaufmann seinem 
erfolgreichen Nachbarn eine anlockende Ladenaufmachung nachbildet, so 
1) Koffka, Die Grundlagen der psychischen Entwickelung S. 229
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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