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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

364 
Die Gruppe. 
wie Zauberei, Verrat und Feigheit im Kriege durch Tötung bestraft. 
Wird hier aus klarer Finsicht in die Größe der Gefahr gehandelt? In 
Wirklichkeit ist das Verhalten in erster Linie emotional begründet. Die 
Feigheit erweckt unmittelbaren Abscheu, auch ohne Bewußtsein ihrer 
gefährlichen Folgen. Ein lehrreiches Beispiel bildet auch das Verhalten 
der Männerbünde bei den Naturvölkern gegenüber den Frauen, die den 
Verboten zuwider in ihr Geheimnis, wenn auch nur zufällig, eingedrun- 
zen sind: sie werden auf der Stelle getötet. Die Stärke der Reaktion er- 
zibt sich hier aus der starken Erregung. Diese aber wird hervorgerufen 
Jurch den Ungehorsam, weil ein Machtwille überhaupt gegen jeden Un- 
zehorsam empfindlich ist. Diese Empfindlichkeit beruht aber nicht auf 
klarer Einsicht, sondern stellt einen ursprünglichen Zusammenhang 
zwischen Reiz und Reaktion dar: es gehört eben wesentlich zu den ur- 
sprünglichen Anlagen der Menschheit, daß auch auf schwache Symptome 
als wichtig empfundener Tatsachen stark reagiert wird. Auch die vielen 
Reformbewegungen unserer Zeit sind ähnlich zu verstehen. Man denke 
an die Reaktionen, die in den legten Jahrzehnten überall gegen die Ge- 
fahren des Materialismus und Kapitalismus, die Bedrohung des Familien- 
jinnes und des Naturverkehres und andre Gefahren erfolgt sind. Die 
Tegenbewegungen sind überall eingetreten, längst ehe eine klare Ein- 
sicht in die Größe der Gefahren entsprechend verbreitet war. Sie sind 
also nicht als Früchte vollendet klarer Wertüberzeugungen, sondern nur 
als Ausfluß eines instinktiven Verhaltens zu verstehen. Die allgemeine 
Sensibilität z. B. gegenüber dem Wachsen der Kriminalität erklärt sich 
;o aus der Empfindlichkeit gegen Bedrohungen des Eigentums und Le- 
bens, die Bereitwilligkeit. zur Bekämpfung der Verwahrlosung der Ju- 
zendlichen vielleicht zum Teil ähnlich aus der besonderen Stärke des 
Pflegetriebes gerade der Jugend gegenüber. 
Weniger klar liegen die Verhältnisse bei der Empfindlichkeit der modernen 
öffentlichen Meinung gegen den Geburtenrückgang. Ohne weiteres verständlich wäre 
sine solche Empfindlichkeit bei Menschen, die in den kleinen Dimensionen des Stam- 
mes, der Sippe oder der Lokalgruppe leben. Hier, wo die gesamte Bevölkerung nach 
Zehnern oder Hunderten zählt, bedeutet jede Geburt einen anschaulich einleuchtenden 
Zusag von Kraft kriegerischer oder wirtschaftlicher Art. Schwer zu erklären aber 
wäre, daß diese Empfindlichkeit in unseren verwickelten Verhältnissen bestehen geblie- 
ben ist, wo die Anschaulichkeit des Kausalzusammenhanges verloren gegangen ist, der 
‚egßtere sich vielmehr nur auf dem Wege der Statistik erfassen läßt. Freilich könnte 
man hiergegen einwenden: faktisch ist von abstrakter Natur nur der Geburtenrück- 
zang als Ganzes, als eine statistische Tatsache; anschaulich dagegen ist die geringe 
Kopfzahl der Familie; sie ist überall in der Anschauung gegeben. Die Erregung, die 
der Geburtenrückgang hervorruft, wäre danach ursprünglich begründet in einer Reihe 
einzelner konkreter Eindrücke, und das statistische Phänomen bezöge seine emotionale 
Kraft erst vermöge einer Übertragung aus diesen anschaulichen Quellen,
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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