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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

369 
die größte Erregung versegen, wenn er für die Auffassung der Volks- 
massen einen symptomatischen Charakter besigt. 
Der Lebensdrang der Gruppe. 
Die angeführten Beispiele zeigen, welche Rolle die Anschaulichkeit bei 
diesen Erregungen spielt. Der Say, daß anschauliche Reize viel stärker als bloße Vor- 
stellungen auf das Gefühl und den Trieb wirken, gilt nicht nur für Individuen, son- 
dern auch und in noch höherem Maße wegen der stattfindenden Wechselwirkung für 
Gruppen. Die Reaktion zeigt in solchen Fällen typischerweise einen irrationalen Cha- 
rakter: sie geht weit über das Ziel hinaus und wendet Mittel an, die bei nüchterner 
Prüfung als zwecklos erscheinen. Die ursprüngliche Haltung ist jedem bedrohenden 
Symptom gegenüber radikal auf dessen Vernichtung gerichtet. Wie höhere Kulturen 
zu einer Mäßigung in diesem Verfahren führen können, werden wir später sehen. 
($ 32, „.) 
11. Der Lebensdrang der Gruppe steht in engen Beziehungen zu 
dem Instinkt des Selbstgefühles, sofern als dessen Objekt 
die Gruppe auftritt. Denn dieser Instinkt bedeutet den Willen zur Gel- 
tung und zum Werte und gegebenenfalls auch zur Macht. Alle diese 
Tendenzen aber sind im Lebensdrang der Gruppe enthalten. Sofern die 
Gruppe also nicht in ihrem Lebensdrange gehemmt ist, wird sie auch 
von einem entsprechenden Selbstgefühl erfüllt sein. Zu diesem gehört 
auch die (zunächst nur emotional-praktisch sich betätigende) Über- 
zeugung von ihrem Wert, die sich bei der Berührung und im 
Vergleich mit andern Gruppen typischerweise als Überzeugung von 
ihrem Mehrwert äußert. Sie gilt zunächst der Gruppe im ganzen. Sie 
kann sich insbesondere aber auch (namentlich in vorstellungsmäßiger 
Form) auf eine wertvolle Eigenschaft beziehen, so beim Stolz auf die 
preußische Art oder die preußische Beamtentreue; sie kann ferner den 
Ruhmestaten der Gruppe gelten, wie den Schlachten eines Regiments 
oder den Leistungen eines Institutes. Sie kann sich endlich auch auf 
diejenigen Leistungen beziehen, die sich als sogenannte Projektionen 
von der Gruppe loslösen, wie bestimmte Institutionen, Gesege usw. Wir 
beschränken uns hier darauf, einige typische Beispiele zu geben. 
Gute Beispiele werden wir nur bei stark ausgeprägten Gruppen suchen. Für die 
Familie kommen demgemäß ältere Zustände in Frage, bei denen die Kraft des Fa- 
milien- oder Sippengeistes noch nicht im Sinne des modernen Individualismus ge- 
brochen ist. Einen ausgesprochenen Sippengeist schildert uns z. B. George Elliot in 
ihrer „Mühle am Floß“ (deutsche Übersetzung bei Reclam 1, 48), wobei auch der 
Zusammenhang zwischen Gruppenselbstbewußtsein und Abhebung von anderen Grup- 
pen berührt ist: „Überhaupt nämlich hatte die Familie für alles und jedes ihre be- 
sondere Weise — eine besondere Weise, das Leinen zu bleichen, den Obstwein zu 
machen, die Schinken zu behandeln und die eingemachten Stachelbeeren aufzubewah- 
ren. ... Kurz es gab in dieser Familie ganz bestimmte eigene Überlieferungen, was 
in Haushaltsangelegenheiten und gesellschaftlichen Beziehungen Recht sei und was 
nicht, und bei dieser Überlegenheit war nur eins schmerzlich — die traurige Unmög- 
lichkeit, die Lebensart und das Benehmen von irgend jemandem zu loben oder gut- 
Vierkandt. Gesellschaftstehre
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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