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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

456 Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe. 
Unterrichts, der Inhalt der Straf- und Zivilgesege und die Art des 
Rechtsbetriebes usw. 
Ihre stärkste Ausbildung und den höchsten Grad der Solidarität haben diese 
Organisationen in den Gewerkschaften gefunden. Für deren besondere Stellung auf 
diesem Gebiete lassen sich eine Reihe von Gründen anführen. Erstens hat die Ar- 
beiterklasse in dem Aufbau unserer Klassen die ungünstigste Stellung wirtschaftlich, 
gesellschaftlich und kulturell. Die alte bäuerliche Schicht besaß in ihrem Volkstum 
ihre besondere, ihren Bedürfnissen angepaßte, freilich durch die Verständnislosigkeit 
der höheren Schichten vielfach geschädigte Kultur. Die Arbeiterklasse muß sich eine 
solche Kultur erst schaffen: sie hat kulturell wie auch wirtschaftlich und gesellschaft- 
lich noch fast alles zu erobern. Aus der Größe dessen, was hier zu gewinnen ist, er- 
gibt sich eine besondere Schwungkraft für die Organisation. Ferner ist (oder war) bei 
den Gewerkschaften der Kampfcharakter und die Kampfstellung besonders stark aus- 
geprägt, wodurch die Solidarität in besonderem Maße begünstigt wird. Weiter ist die 
Übereinstimmung in der Denkweise und Weltanschauung und im ganzen Wesen bei dem 
Substrat der Gewerkschaften besonders groß: es handelt sich hier um eine im großen 
in sich einheitliche, gegen die übrigen scharf abgehobene Schicht mit ihren besonderen 
Nöten und Wünschen. Die Ausbildung eines starken Gruppenbewußtseins wird 
ebenso begünstigt durch das vielfache persönliche Zusammensein der einzelnen Mit- 
glieder in den Fabriken während der täglichen Arbeitszeit. Dazu kommt endlich die 
besondere Art der persönlichen Beziehungen im täglichen Leben überhaupt; die Nach- 
barschaft hat bei dieser Schicht auch in der Großstadt ihre alte Bedeutung nicht völlig 
eingebüßt, Die verhältnismäßige Bedürftigkeit und Schwäche der einzelnen Familien 
bringt vielfache gegenseitige Unterstügung und Aushilfe mit sich. An sich handelt es 
sich hierbei natürlich nicht um die Gewerkschaften, sondern um die gesamte Schicht 
der Arbeiter überhaupt; aber selbstverständlich werden durch diese Verhältnisse auch 
die Mitglieder der männlichen Organisationen selbst enger miteinander verknüpft. 
Als eine lehrreiche Parallele sei hier der vielfache Zusammenschluß der Bettler in 
China angeführt, von dem ein Beobachter sagt: „Die Solidarität des Lasters und der 
Verzweiflung gab dem sich selbst überlassenen Bettlervolk Pekings die geniale Idee 
ein, sich zu einer großen und. furchtbaren Macht zu organisieren“ (Obrutschew, Aus 
China I, 88). 
Literatur: Heinrich Schurtz, Altersklassen und Männerbünde, Ber- 
lin 1902. Webster, Primitive secret societies. Neu-York 1908. 
42. Stände, Klassen und politische Parteien. 
L. Bis etwa 1800 hat in Westeuropa eine ständische Gesellschaft be- 
standen, die um diese Zeit durch eine Gliederung in Klassen ersegßt wurde. 
Die ständische Gesellschaft besteht von Haus aus überall da, wo die ur- 
sprüngliche genossenschaftliche Organisation durch die herrschaftliche, d. 
h. durch den eigentlichen Staat mit seinem Klassenwesen ersegt wird. 
Stände, können wir sagen, sind Gruppen eines Stammes oder einer Na- 
tion, die durch Sitte, Recht und Denkweise einschneidend voneinander 
getrennt sind. Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen einem Stand 
und einem Stamm, wofern man sich den letgteren ebenfalls von einem
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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