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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

i3 
at 
34 Die sozialer Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. 
sinne. Das Machterlebnis verbindet sich also normalerweise mit einem 
Werterlebnis; und insoweit ist der Machtwille eine besondere Form des 
Geltungswillens. — Im ganzen können wirbeim Machtverhältnis drei Haupt- 
motive der Befriedigung unterscheiden: erstens die Freude am Können 
und Verursachen, und zwar sowohl im Sinne des äußeren wie des gesell- 
schaftlich gewürdigten Wirkens; zweitens die Freude an der Anerkennung 
der anderen, die sich normalerweise in deren ganzer Haltung und ins- 
besondere bei jeder Willfährigkeit dem Machthaber gegenüber bekundet; 
endlich die Befriedigung über die Steigerung des eigenen Wertes, die für 
unser Bewußtsein mit dem Machtbesig verbunden ist. 
Das Verlangen nach dem Besitz hat dem Machtverlangen gegen- 
über nur sekundäre Bedeutung. Die populäre Anschauung irrt, wenn sie 
den Besigwillen für eine ursprüngliche starke Triebkraft oder gar für 
die Triebkraft des menschlichen Geschehens insbesondere des geschicht- 
lichen Lebens hält. Schon in der Entwicklung des Kindes spielt von früh 
an der Machtwille eine große Rolle, hinter der der Besigwille weit zu- 
rückbleibt. Ebenso zeigt die tägliche Erfahrung, daß auch bei uns der Be- 
sig zum größten Teile wegen der damit verbundenen gesellschaftlichen 
Macht erstrebt, unter geeigneten Umständen dafür zum Teil wieder ge- 
opfert wird. Zum Teil ist das Verlangen nach Besig, mehr noch nach Er- 
werb, auf die Bedeutung zurückzuführen, die der Erfolg als Ausweis der 
Tüchtigkeit in den Augen des Handelnden wie der Gruppe besigt. Der Be- 
sig wille in seiner systematischen, raffinierten Form ist erst mit dem Kapi- 
talismus in die Menschheit eingezogen. Einfachere Formen sind freilich 
uralt: das Verlangen nach dem sinnlichen Genuß, nach dem Schmuck, nach 
dem Ungewöhnlichen, wobei sich auch vielfach ein Sammeltrieb bemerk- 
bar machen kann, der jedoch von dem modernen Verlangen nach wirt- 
schaftlicher Nugsbarmachung weit entfernt ist. Diese Interessen stehen 
aber an Kraft weit zurück hinter dem Dämon Machttrieb. Die Taten der 
Eroberer und Eroberervölker auf den Besigwillen zurückführen statt 
auf die Lust an Abenteuer, Kampf, Heldentum und Bewunderung, heißt 
die Nebensache zur Hauptsache machen. Daß daneben das Genußver- 
langen wirksam ist und die Richtung der Eroberertätigkeit häufig als 
ldifferentielle Kraft in eine bestimmte Richtung lenkt, soll damit nicht 
bestritten sein: ebensowenig, daß der Besigwille in unserer modernen 
Kultur, allgemeiner in allen „späten“ Stadien der Kulturen, gegenüber 
dem Machtwillen einen viel breiteren Raum einnimmt als in anderen 
Kulturen. 
In allen diesen Formen ist das Selbstgefühl wirksam nicht nur 'da, 
wo es klar bewußt ist und sich dem Zuschauer aufdrängt, sondern auch 
da, wo es wie eine leise Musik unser tägliches Tun und Treiben begleitet. 
Alles. was wir besigen, genießen, erstreben und vollbringen, erhält seinen
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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