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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Der Unterordnungstrieb. 
65 
Unterordnungstriebes, die er für das Seelenleben, vor allem 
für die Erscheinungen der Kultur besitt, richtige Vorstellungen zu 
machen. Der Unterordnungstrieb verlangt zunächst fortgesegte Be- 
friedigung. Nichts wurzelt vielleicht so tief im Menschen als das 
Bedürfnis nach Führerschaft. Es gibt kaum einen Men- 
schen, der frei ist von dem Bedürfnis, sich an Autoritäten anzulehnen. 
Man hat es oft ausgesprochen, wie überwältigend das Verlangen der 
Masse ist, zu Heroen emporzublicken. Die Masse strebt geradezu nach 
einer Art Vergötterung, und wenn sie keine Götter findet, nimmt sie 
auch mit Gögen fürlieb. Hierin wurzelt vor allem die Überschät- 
zung der Macht der einzelnen Persönlichkeit, die in 
der Auffassung des geschichtlichen Lebens so lange als schrankenloser 
Individualismus ihr Spiel getrieben hat. Die abgöttische Verehrung der 
Fürsten wie der Glaube an die Macht aller Art von Geistern hat hierin 
eine ihrer stärksten Wurzeln. In der schrankenlosen Verehrung, die 
irdischen Kreaturen wie Phantasiegebilden erwiesen wird, schwelgt der 
Mensch gleichsam in seiner eigenen Nichtigkeit. Gewiß spielt hier, wie 
überall, das Verlangen nach äußerem Schug, Hoffnung auf äußere För- 
derung ebenfalls eine Rolle. Aber man würde die religiösen wie die ein- 
schlägigen profanen Erscheinungen mißverstehen, wollte man sie allein 
auf Rechnung solcher selbstsüchtigen Interessen segen und das Ver- 
ehrungsbedürfnis unbeachtet lassen. Tausendmal mag die Erfahrung den 
Glauben an solche schrankenlose Allmacht Lügen strafen; sie nimmt 
immer wieder neue Formen an. Fürsten und Obrigkeiten, Gesege, Ver- 
fügungen und Gerichtsbeschlüsse und alles überhaupt, was mit der staat- 
lichen Macht in Zusammenhang steht, fällt in wechselnden Formen die- 
sem Triebe zum Opfer: immer betätigt sich an ihm ein „stillschweigender 
Glaube an eine Fähigkeit, die jedes nur wünschenswerte Ziel zu erreichen 
vermöge, und an eine Autorität, der keine Grenzen geseßt werden 
können“ (Herbert Spencer). 
Die Überschägung steigert sich vielfach bis zum Aberglauben von der Allmacht 
einzelner Personen, und bildet geradezu eine wesentliche Grundlage für die Entwick- 
lung des ganzen Zauberglaubens. Daß bevorzugte Personen Menschen durch 
Verbrennen ihrer Haare oder Zerstörung eines rohen Bildnisses von ihnen töten kön- 
nen, würde niemals allgemeinen Glauben gefunden und Anlaß zum Aufkommen einer 
besonderen Berufstätigkeit gegeben haben, wenn nicht am Anfang der Glaube an die 
unbegrenzte Macht einzelner bevorzugter Personen stände. Wir wissen in der Tat, 
daß bei den Naturvölkern der Zauberer in der Regel von einem besonderen Nimbus 
umgeben ist; anderseits gelangen zu diesem Amte in der Regel nur Personen, die 
wirklich durch besondere Begabung, Unerschrockenheit, Scharfsinn und Initiative aus- 
gezeichnet sind, so daß in dieser Auffassung nur tatsächlich bestehende Zustände ge- 
steigert sind. Es geht mit dem Zauberer ähnlich, wie in der populären Auffassung 
mit dem Arzte: sein überlegenes Können wird nicht auf seine besondere berufliche 
Vorbildung zurückgeführt und demgemäß in den richtizen Grenzen hewertet. sondern 
Vierkandt. Gesellschaftsiehre
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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