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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

82 
Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. 
A 
Auch bei den geselligen Tieren kommen bereits kollektive Aktionen 
von vergleichbarem Charakter vor. Allerdings handelt es sich bei den 
Fällen, die wir hier im Auge haben, um ein Eingreifen von außen und 
deren Abwehr. Wolfgang Köhler erlebte bei seinen Schimpansen öfter, 
daß ein Angriff gegen ein einzelnes Tier eine Abwehrhandlung der gan- 
zen Gruppe zur Folge hatte. Wir geben seine Beobachtung wörtlich wie- 
der wegen der Übereinstimmung in der Auffassung, die um so beachtens- 
werter ist, als er von grundsätglichen soziologischen Erwägungen nicht 
beeinflußt ist: „Bisweilen genügt schon der unbedeutendste Zwischenfall 
zwischen dem Menschen und einem Schimpansen, welcher diesen zum 
empörten Schrei gegen den Feind und zum Anspringen veranlaßt — 
gleich geht es wie eine Welle von Wut durch die Gruppe und von allen 
Seiten eilen die anderen zum gemeinsamen Angriff. In dem momen- 
tanen Übergreifen des Empörungsschreis auf alle Tiere, wobei sie ein- 
ander zu immer wilderem Rasen zu steigern scheinen, liegt eine dämo- 
nische Kraft... Sonderbar, wie tief überzeugt, man möchte sagen, mora- 
lisch empört dieses Aufheulen der angreifenden Gruppe für Menschen- 
ohren klingt.“?!) 
Zwischen der Rache und der Strafe nimmt auch die Selbsthilfe 
eine mittlere Stellung ein. Zunächst sei ihre biologische Not- 
wendigkeit betont. Selbst da, wo der Staat die Bestrafung der 
gröberen Formen der Interessenverlegung in die eigene Hand genommen 
hat, bleibt die Selbsthilfe in vielen nicht nur kleineren Dingen ein un- 
erläßliches Gebot. Selbsthilfe ist vor allem unentbehrlich als Schuß 
gegen Mißbrauch der Macht. Der Schwache fordert im allgemeinen einen 
solchen Mißbrauch stets heraus. Kampfbereitschaft kann daher zu einem 
sei es wirklichen, sei es vermeintlichen Schugößmittel gerade für den 
Schwachen werden. Wir streiften schon oben den Typus der Reizbarkeit 
und aggressiven Haltung, der eben aus dem Zustand der Schwäche, der 
leichten Verlegbarkeit besonders bei Verdrängung hervorgehen kann. 
Auch bei uns noch ist die Selbsthilfe viel häufiger und unentbehrlicher, 
als man in der Regel annimmt. Von der Rache unterscheidet sie sich 
durch die Beschränkung auf das Angemessene in der Handlung und durch 
ein stärkeres Bewußtsein der Berechtigung. In primitiven Verhältnissen 
ist die Selbsthilfe eine verbreitete und sorgsam ausgebildete Institution, 
die nach ihrer Funktion in weitem Maße die Stellung unseres Rechtes 
einnimmt, das dort noch nicht oder in geringerem Maße entwickelt ist. 
Das bekannteste Beispiel dafür bildet die Blutrache. Diese institutio- 
nelle Selbsthilfe zeigt gewisse Verschiedenheiten gegenüber der 
eben erwähnten privaten und rein persönlichen Form der Selbsthilfe: 
1) Psychologische Forschung I, 14.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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