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Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde

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Bibliographic data

fullscreen: Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde

Monograph

Identifikator:
1801165386
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-185344
Document type:
Monograph
Author:
Reinhard, Rudolf http://d-nb.info/gnd/14316645X
Title:
Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde
Edition:
6., stark erw. und umgearb. Aufl
Place of publication:
Breslau
Publisher:
Hirt
Year of publication:
1929
Scope:
279 S.
zahlr. graph. Darst. u. Kt.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Allgemeine Wirtschaftsgeographie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde
  • Title page
  • Contents
  • Allgemeine Wirtschaftsgeographie
  • Allgemeine politische Erdkunde
  • Index

Full text

152 ERSTER TEIL: GEOGRAPHISCHE GÜTERLEHRE 
und damit günstigere Bedingungen für die industrielle Entwicklung. 
Denn die Höhe der Arbeitslöhne spielt in der Frage der Rentabilität 
einer Industrie, ihrer Wettbewerbsfähigkeit mit gleichen Industrie- 
zweigen anderer Länder und damit hinsichtlich der Exportfähigkeit eine 
große Rolle, Aber nicht nur die Menge der Bevölkerung, sondern auch 
deren Art und Leistungsfähigkeit kommen für die Industrie in Be- 
tracht. Für die Eignung bestimmter Rassen und Stämme zu industrieller 
Arbeit wurden in dem einleitenden Kapitel Beispiele gegeben. Die 
Kompliziertheit zahlreicher neuzeitlicher Maschinen, die Sorgfalt und 
Genauigkeit, die viele Verarbeitungsvorgänge voraussetzen, stellen hohe 
Anforderungen an Pflichtbewußtsein, Schulung und Intelligenz der Ar- 
beiter. Daher wird sich die Industrie unter sonst gleichen Bedingungen 
zur höchsten Blüte entwickeln in Ländern, deren Bewohner auf 
einer hohen Kulturstufe stehen. Ein Vergleich zwischen Europa 
und dem noch dichter bevölkerten Ost- und Südasien zeigt das. Eine 
gewisse kulturelle Erstarrung der Bewohner jener Länder hat lange Zeit 
verhindert, daß die seit Jahrhunderten betriebenen handwerksmäßigen 
Gewerbe sich zur modernen Fabrikindustrie entwickelten. Die jetzigen 
Anfänge einer solchen sind auf den Einfluß europäischen Geistes zurück- 
zuführen, ja, in China und Indien stehen die industriellem Unter- 
nehmungen bis zum heutigen Tag nicht selten unter der unmittel- 
baren Leitung von Europäern. Andererseits vermögen Fleiß und In- 
telligenz der Bewohner eines Landes unter Umständen selbst da blühende 
Industrien hervorzurufen, wo die Natur alle Bedingungen dazu versagt 
hat, wie z. B. am Nordrande der Rauhen Alb, wo weder Wasserkräfte, 
noch Kohlen, noch Rohstoffe, noch günstige Bedingungen für deren 
Herbeischaffung gegeben sind, 
{m Zusammenhang mit der Kulturentwicklung der Bevölkerung eines Lan- 
des steht auch der Stand des politischen und sozialen Lebens, der 
ebenfalls für die Entwicklung der Industrie nicht gleichgültig ist. Geordnete 
staatliche Verhältnisse, eine Regierung, die durch günstige Handelsverträge die 
Wege für. die Zufuhr der Rohstoffe und den Absatz der Fabrikwaren offen- 
hält, eine Gesetzgebung, die Rechte und Pflichten der Arbeitnehmer und Ar- 
beitgeber gewissenhaft abwägt, alles das kommt der Industrie unmittelbar zugute, 
Deutschlands beispiellose industrielle Entwicklung wurde durch die politische 
Einigung und Machtentfaltung unseres Vaterlandes nach 1871 und durch ge- 
setzliche Maßnahmen, wie die Einführung der Gewerbefreiheit, den Schutz der 
Erfindungen und des geistigen Eigentums, die Arbeiterschutz- und Arbeiter- 
fürsorgegesetze, nicht unwesentlich unterstützt. 
Endlich kommt auch das Klima für die industrielle Tätigkeit 
fördernd oder hemmend in Betracht. Zu niedrige Temperaturen machen 
die Erzeugung von Rohstoffen unmöglich, erschweren die Benutzung 
von Wasserstraßen und Wasserkräften und die Anlage von Eisenbahnen. 
Das heißfeuchte tropische Klima versagt dem Menschen jene Spann- 
kraft, die gerade die anstrengende industrielle Tätigkeit fordert, weil 
sie größere Unterbrechungen oder zeitweise Arbeitsverminderung, wie 
sie z. B. die Landwirtschaft kennt, nicht zuläßt. Demgegenüber ist 
das gemäßigte Klima mit seinem erfrischenden Wechsel von Sommer 
und Winter bei Vermeidung extremer Temperaturen der industriellen 
Entwicklung besonders günstig.
	        

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Weltwirtschaftliche Und Politische Erdkunde. Hirt, 1929.
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