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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
1821348664
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-217403
Document type:
Monograph
Title:
Die deutsche Kaliindustrie
Place of publication:
Berlin
Publisher:
E. S. Mittler & Sohn
Year of publication:
1929
Scope:
XII, 175 Seiten
Tab
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
    Y
  • Z
  • Index

Full text

Fleisch 
126 
Fliegenpapier 
zurücktretendem Natron. Zahlen für die mittlere 
Zusammensetzung des F. lassen sich im Hin 
blick auf den schwankenden Fettgehalt nicht 
geben. Die folgenden Werte mögen daher nur 
als ungefährer Anhalt dienen: Rindfleisch, 
mittelfett: 730/0 Wasser, 21 0/0 Stickstoffsub 
stanz, 50/0 Fett, 1 0/0 Mineralstoffe. — Das F.: 
bildet im frischen Zustande eins der wert 
vollsten Nahrungsmittel, und der Handel mit 
ihm unterliegt daher einer besonders sorgfälti 
gen Überwachung. Durch das Gesetz betr. die 
Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 3. Juni 
1900 ist der Verkehr mit F. bis ins kleinste ge 
regelt und besonders zum Schutze der Bevölke 
rung gegen das F. krepierter, vergifteter, kran 
ker Tiere, Parasiten wie Trichinen und Finnen 
eine amtliche Untersuchung vorgeschrieben. Die 
Einfuhr von frischem F. ist nur in ganzen Tier 
körpern oder bei Rindvieh und Schweinen in Hälf 
ten gestattet, wenn Brust- und Bauchfell, Lunge, 
Herz, Nieren und gegebenenfalls Euter noch 
in natürlichem Zusammenhänge vorhanden sind. 
Die Verwendung von Borsäure, Formaldehyd, 
Alkali- und Erdalkalihydroxyden und -karbo- 
naten, schwefliger Säure, Fluorwasserstoffsäure, 
Salizylsäure und chlorsauren Salzen sowie von 
Farbstoffen ist verboten. Von Verfälschungen 
des frischen Fleisches ist nur die bisweilen ge 
übte künstliche Färbung des gehackten Rind 
fleisches zu erwähnen, durch welche diesem 
längere Zeit der täuschende Anschein einer 
frischen Beschaffenheit verliehen werden soll. 
Tatsächlich läßt sich das F. wirklich frisch nur 
auf eine Weise erhalten, indem man es in Eis 
kellern stark abkühlt und hierdurch eine Ent 
wicklung der Mikroorganismen und somit Fäul 
nis verhindert. — Im übrigen muß man, um das 
Verderben des F. zu verhindern, Konservierungs 
verfahren anwenden. Die ältesten und verbreitet 
sten sind das Pökeln und das Räuchern. Zu 
dem ersteren wird das F. mit Kochsalz unter 
Zusatz von etwas Salpeter eingerieben oder 
dicht bestreut. Das Salz dringt tief in das Innere 
ein, während Fleischsaft austritt. Mit dem Pökeln 
ist alsö ein Gewichtsverlust und eine Abnahme 
des Nährstoffgehaltes verbunden, noch mehr 
mit dem Einlegen in Salzlake. Das Pökelfleisch 
zeigt eine sehr gute Haltbarkeit, besitzt aber 
einen eigenartigen, für längere Zeit unerträg 
lichen Geschmack und ruft bei ausschließlichem 
Genüsse den Skorbut hervor. Das Räuchern 
des F. beruht darauf, daß durch die erhöhte 
Wärme einte Austrocknung stattfindet und daß 
mehrere Bestandteile des Holzrauches, wie Holz 
essig, Phenole und Kreosot direkte Bakterien 
gifte sind. Ein ungenügender Ersatz dieses Kon 
servierungsverfahrens ist die sog. Schnellräuche 
rung, bei welcher man das mit Holzessig be 
strichene F. an der Luft trocknen läßt. Durch 
einfaches Trocknen des in Streifen geschnit 
tenen F. an der Sonne oder am Feuer wird be 
sonders in Südamerika das sog, Charque und 
ein Fleischpulver P e in m i k a n hergestellt. Schließ 
lich ist noch das Überziehen von F. mit Fett, 
Zucker, Gummi und anderen, die Luft ab 
schließenden Substanzen sowie das Sterilisieren 
in Blechbüchsen nach dem Verfahren von Ap- 
pert zu erwähnen. Derartiges Büchsenfleisch, 
welches für die Armeeversorgung eine große 
tBedeutung hat, wird in vorzüglicher Beschaffen 
heit von Naumann in Dresden dargestellt. Die 
zu den Flcischkonserven gehörende Wurst ist 
in einem besonderen Artikel besprochen. — Die 
für die Einfuhr frischen F. geltenden gesetz 
lichen Bestimmungen sind bereits angeführt 
worden. Die Einfuhr von F. in luftdicht ver 
schlossenen Büchsen, von Würsten und sonstigen 
Gemengen aus zerkleinertem F. ist verboten. 
Fhischextrakt ist im Grunde nichts anderes, 
als eine eingedickte Fleischbrühe. Es wurde 
nach dem von Justus v. Liebig vorgeschrie 
benen Verfahren zuerst in Fray Bentos in Uru 
guay hergestellt, um hier den ungeheuren Reich 
tum der südamerikanischen Ebenen an Rindern, 
die bis dahin nur wegen ihrer Häute geschlachtet 
worden waren, besser auszunutzen. Die Her 
stellung besteht, von Einzelheiten abgesehen, 
darin, daß man das reine, von Fett, Sehnen und 
Häuten befreite Fleisch fein hackt, darauf mit 
der gleichen Menge kaltem Wasser ansetzt und 
schließlich bis auf 75—8o° erhitzt. Hierbeigehen 
hauptsächlich die Fleischbasen, die Salze und 
das Albumin in Lösung, das letztere gerinnt 
aber beim Kochen und wird abfiltriert. Die 
durch Eindampfen im Vakuum bis zur Extrakt 
konsistenz erhaltene Substanz ist also im •we 
sentlichen als ein Gemenge der Fleischbasen, 
Kreatin, Kreatinin, Sarkin, Xanthin, Karnin und 
Karnosin mit Jnosinsäure, Fleischm.lchsäure und 
Mineralstoffen anzusprechen. Der Gehalt an 
Wasser beträgt ungefähr 18 0/0, der Aschengehalt 
21 0/0, der Rest besteht aus Stickstoffverbindun- 
gen. Bei dem völligen Fehlen von Fett und Ei 
weiß ist der Nährwert des F. nahezu gleich Null 
zu setzen. Es übt aber eine außerordentlich an 
regende Wirkung auf den Organismus aus und 
ist daher als ein Genußmittel von hervorragen 
der Bedeutung anzusprechen. Die übrigen in 
den Handel gebrachten F. von Kemmerich 
und Buschenthal zeigen keine wesentlichen 
Verschiedenheiten. Der sog. flüssige Fleisch 
extrakt von Cibil enthält 65—660/0 Wasser 
und erhebliche Mengen Kochsalz. Verfälschun 
gen von F. sind nicht beobachtet worden. F. 
dient zur Herstellung von Fleischbrühe (Bouil 
lontafeln) und als Zusatz zu Speisen sowie als 
Anregungs- und Kräftigungsmittel. Die zahl 
reichen während des Krieges aufgetauchten Er 
satzmittel sind zum größten Teile durch Be 
handlung (Hydrolyse) von eiweißhaltigen Roh 
stoffen mit Salzsäure und folgende Neutralisa 
tionen mit Natriumkarbonat hergestellt worden 
und enthalten daher neben erheblichen Mengen 
Kochsalz als charakteristische Bestandteile Ab 
bauprodukte des Eiweißes, besonders Amino 
säuren, die ihnen einen fleischextraktähnlichen 
Geschmack verleihen. Als Ausgangsmaterialieh 
kommen besonders Hefe, Knochen, Mager 
milch oder Molken in Betracht. 
FIDgenpapier (lat. Charta muscarum, frz. Pa 
pier 1 ue-mouches, engl. Fly-Paper), Unter die 
ser Bezeichnung kommen Löschpapiere in den 
Handel, die mit verschiedenen Stoffen getränkt 
sind und nach erfolgter Anfeuchtung den Fliegen 
tödlich werden. Das mit Kalium arsenicicum 
unter Zusatz von Quassienhoizabkochung ge 
tränkte giftige F. darf nur von Apothekern und 
denjenigen Drogisten. verkauft werden, welche
	        

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Merck’s Warenlexikon Für Handel, Industrie Und Gewerbe. G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft, 1919.
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