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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1823001769
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-220908
Document type:
Monograph
Title:
Wirtschaftssymptome
Place of publication:
Köln
Publisher:
Dumont Schauberg
Year of publication:
1930
Scope:
96 S.
graph. Darst.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Deutschland
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

564 
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
2. Mit ihr gleichlaufend vollzieht sich im Sozialismus eine tiefein 
greifende Veränderung. Schon im vorhergehenden Buche haben wir die 
Umwandlung beschrieben, die die Ideen Marx’ bei den Marxisten selbst 
erlitten haben. Ihr Verfall ist auch sonst nicht weniger augenfällig. Der 
Sozialismus verzichtet auf den Anspruch, der „bürgerlichen“ Ökonomik 
eine „Arbeiter“-Ökonomik gegenüber zu stellen. „Man muß jeder Anwand 
lung widerstehen“, schreibt Sorel, „den Sozialismus zur Wissenschaft 
umformen zu wollen.“ In Wirklichkeit sammeln sieh französische Syndi 
kalisten, fabische Sozialisten in England, Bevisionisten in Deutschland 
mehr oder weniger freiwillig um die wissenschaftlichen Gedanken eines 
Marshall, eines Pareto oder eines Böhm-Bawerk. Doch tun sie dies 
nur, um sich mit um so größerem Nachdruck den sozialistischen und poli 
tischen Forderungen des Sozialismus zu widmen. Der Generalstreik, die 
Schaffung von Gewerkschaften und Genossenschaften, der Sozialismus m 
den städtischen Verwaltungen, nehmen sie immer mehr in Anspruch, j e 
gleichgültiger sie der Theorie des Mehrwertes gegenüber werden. Noch 
besser, wir sehen, wie einige unter ihnen, die Anhänger einer Nationali 
sierung des Bodens, eine Art Aussöhnung zwischen dem Liberalismus und 
dem Sozialismus versuchen, indem sie sich auf die vor allen anderen 
klassische Theorie: die Theorie der Bodenrente stützen. 
3. Dies ist nicht die einzige Umwandlung, die man im Sozialismus 
bemerken kann. Als der Kollektivismus herrschte, war das Ideal der 
Arbeiterklasse eine autoritäre und straff zentralisierte Ordnung. Die 
Organisation der Kollektivsten in einer großen politischen Partei, die 
in manchen Ländern an der Gesetzgebung und sogar an der Regierung 
teilnimmt, hat diesen Zug noch stärker ausgeprägt. Aber der alte revo 
lutionäre und individualistische Geist, der stets und besonders in den 
lateinischen Ländern lebendig ist, beginnt sich über diese Folgen zu b e ' 
unruhigen. Wir wohnen daher einer eigentümlichen Renaissance des 
Liberalismus in der Arbeiterklasse bei, — eines. Liberalismus, der ganz 
sicherlich von dem der Gründer verschieden ist, der sich viel schärfer und 
heftiger ausdrückt, eines Liberalismus, den Smith und Bastiat ohne 
jeden Zweifel abgelehnt haben würden, und der, um mit dieser alten Lehre 
nicht verwechselt zu werden, den Beinamen „libertaire“ (befreiend) 
angenommen hat —, der aber deshalb nicht weniger authentisch ist- 
es ist dies der Anarchismus. Die libertaire oder anarchistische Tendenz 
die schon in der Internationale zu spüren ist, beginnt immer sichtbarer 
ihre Herrschaft über die Arbeiterklassen auszuüben — und hat den letzten 
gewerkschaftlichen Bewegungen in Frankreich und Italien ihren Stempf 
aufgedrückt. Zur gleichen Zeit tritt bei vielen Schriftstellern der Bourgeoisie 
eine Art philosophischer und moralischer Anarchismus zutage, der eben 
falls die Erneuerung des Individualismus anzukündigen scheint. 
4. Gegenüber diesen Wandlungen des Individualismus und des So
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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