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Der Einfluß des Deutschen Zollvereins 1834 bis 1918 auf die deutsche Eisenwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Der Einfluß des Deutschen Zollvereins 1834 bis 1918 auf die deutsche Eisenwirtschaft

Monograph

Identifikator:
1859454801
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-263017
Document type:
Monograph
Author:
Reichert, Jakob W. http://d-nb.info/gnd/126384002
Title:
Der Einfluß des Deutschen Zollvereins 1834 bis 1918 auf die deutsche Eisenwirtschaft
Place of publication:
Düsseldorf
Publisher:
Verlag Stahleisen m. b. H.
Year of publication:
1931
Scope:
16 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Der Einfluß des Deutschen Zollvereins 1834 bis 1918 auf die deutsche Eisenwirtschaft
  • Title page

Full text

unternehmungsmäßig verbunden, wie es früher 
mit Erzgruben und Waldbesitz gewesen war. 
Es war zugleich die Zeit einer weitgehenden 
Selbstkostensenkung und Preisverbilligung, die 
dem wachsenden Eisenverbrauch, dem weitaus— 
greifenden Eisenbahnbau, der Ausbreitung der 
Dampfmaschinen usw. große Aufstiegsmöglich— 
keiten verlieh. Das neue ZSeitalter hätte für die 
Eisenwirtschaft glücklich verlaufen können, wenn 
nicht — neben dem mangelhaften Roheisenzoll — 
technische Erfindungen und politische Störungen 
von neuem revolutionierend gewirkt haben 
würden. 
Zweite Periode des Zollvereins. 
(1855— 1879. 
Die Erfindungen Bessemers, 
Friedrich Siemens“ und Martins 
in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts 
leiteten eine grundlegende Anderung der Staͤhl— 
gewinnung ein. Ungefähr zur selben ßSeit ließ 
man sich im Deutschen Zollverein zu gefährlicher 
Kursänderung in der Zoll- und 
Handelspolitik verleiten. Das allen 
anderen Eisenländern weit überlegene England 
hatte 1846 seine Eisenzölle abgeschafft und 
predigte seitdem den Freihandel als den einzig 
richtigen Weg wirtschaftlichen Fortschritts. Der 
Freihandel wurde jahrzehntelang auch den wirt— 
schaftlich zurückgebliebenen Ländern als das 
Allheilmittel für alle Wirtschaftsnöte gepriesen, 
mit einer Schlagkraft, wie es heutzutage etwa 
mit den sozialistischen und kommunistischen Re— 
zepten geschieht. 
In die gleiche Zeit fiel das Begehren Öster— 
reichs, in den Deutschen Zollverein aufgenommen 
zu werden. Preußen aber fürchtete dadurch 
seinen Einfluß und seinen Vorrang im Zollverein 
zu verlieren; es schloß deshalb 1854 nur einen 
Handelsvertrag mitösterreich ab. 
Preußen schlug lieber eine freihändlerische Rich- 
tung ein, als daß es das stark schutzzöllnerische 
österreich in den Zollverein hereingelassen hätte. 
Die durch die antiösterreichische Politik Preußens 
hervorgerufene Zollvereinskrise erreichte ihren 
Höhepunkt, als Preußen 1802 mit Frank— 
reich einen Handelsvertrag abschloß, 
mit der Einräumung der Meistbegünstigung 
weitgehende Zollermäßigungen verband und 
kurz danach die Kündigung aller Zoll— 
vereinsverträge aussprach. 
Indes ließen sich die Zollvereinsländer auch 
unter den veränderten handelspolitischen Ver— 
hältnissen zu eine Berlängerung des 
Zollvereinsvertrags herbei. Damit 
war nicht nur eine politische Wendung von 
—— 
zroßer Tragweite eingeleitet, sondern auch die — 
Lage der Eisenindustrie erschwert, und zwar 5 
im so mehr, als mit der Senkung der deutfcher 
Lisenzölle die französischen staatlichen Ausfuhr · 
ergütungen zusammenwirkten und neben den 
englischen und belgischen künftig auch noch 
zroße französische Einfuhrmengen ins deutsche 
Zollgebiet geworfen wurden. 
So tauchte in der Mitte des vorigen Jahr⸗ 
zunderts erneut die Schicksalsfrage der 
deutschen Eisenwirtschaft auf. 
Die Freihandelspropaganda zog 
Handel und Landwirtschaft, Presse, Parlament 
und Regierung, ja selbst Industrielle immer mehr 
in ihren Bann. Im Fahre 1869 kam es zu 
Parlamentsanträgen auf weitere Senkung der 
kisenzölle. Dies wiederholte sich 1870 und 
1873. Die Freihandelspsychose war inzwischen 
o weit fortgeschritten, daß damals der Abgeordnete 
pon Behr im Reichstag ausrufen konnte: „Es 
liegt mir nichts ferner, als die Notwendigkeit der 
Aufhebung der Eisenzölle zu beweisen. Axiome 
heweist man nicht. Unsere Gegner haben zu be— 
veisen, ob es noch länger notwendig sei, das 
kisen zu besteuern.“ 
Die Eisenindustriellen hatten es schwer, gegen 
die Berherrlichung des Freihandels anzukämpfen. 
vSeheimrat Stumm hat in einer Reichstags- 
rede von 1873 den internationalen Freihandel 
nicht gerade abgelehnt, sondern ausgesprochen, 
‚die deutsche Eisenindustrie würde sogar besser 
ahren, wenn die Bauptkontinentalstaaten sich 
zu einem für Eisen freien Zollgebiet vereinigen 
würden“. Stumm bekämpfte aber zielbewußt 
ein einseitiges freihändlerisches Vorgehen Deutsch- 
lands, namentlich im Hinblick auf Krisenzeiten, 
vo der Freihandel höchst verderblich wirken 
nüsse. 
Nichtsdestoweniger wurde das Gesetz betreffs 
Aufhebung der Eisenzölle, das im Jahre 1877 
zu einer vollständigen Zollfreiheit führen sollte, 
1873 innerhalb weniger Tage im Reichstag 
urchgepeischt. Professor Sering geißelt diese 
überhastete Gesetzesmacherei in seiner oben er— 
vähnten Schrift, indem er ausführt: „Es be— 
teht ein himmelweiter Unterschied zwischen der 
»ehäbigen Art der alten Generalkonferenz des 
Zollvereins, die die Geschäfte im Laufe von 
acht bis zehn Monaten abzuwickeln pflegte, und 
der fieberhaften Tätigkeit im Parlament, das 
nnerhalb von acht Tagen die Aufhebung der 
Lisenzölle entschieden hat.“ 
Kaum war die Zollaufhebung be— 
chlossen, als die Krise der siebziger Fahre 
hegann. Mit der Nachfrage stürzten die Preise 
auf die Hälfte des höchsten Standes von 1873 
und später noch tiefer. Die Baisse, von der
	        

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