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Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
  • Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
  • Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus

Full text

Immanenz und iransscendenz 
107 
dern er sucht sie in ihrem Wert und in ihrer Notwendigkeit zu 
begreifen. Verharrte der Geist in seiner eigenen unberührbaren 
Wesenheit, so wäre ihm damit die Anschauung und die Erkennt- 
nis des Einzelnen versagt. Der abstrakte Allgemeinbegriff allein 
würde ihn ausfüllen, während die Schönheit und Mannigfaltig- 
keit der besonderen Gestalten und Formen sich ihm für immer 
entzöge. Hier aber liegt für den Menschen der Sinn und die Be- 
deutung seines empirischen Daseins: „am farbigen Abglanz haben 
wir das Leben.“ Ein modernes Grundgefühl spricht sich hier in 
Begriffen und Formen der überlieferten astronomischen Weltan- 
sicht aus. Die Erde ist kein niederer und verächtlicher Wohn- 
sitz; sie ist der mittlere Chor des göttlichen Tempels und das feste 
Fundament, um das alle himmlischen Sphären wie um ihren 
Angelpunkt kreisen. Die Bewegtheit und Wandelbarkeit des irdi- 
schen Seins ist kein innerer Mangel, sondern wir besitzen in ihrdas 
notwendige Gegenbild, an dem wir die Ruhe und den Frieden in 
Gott erst empfinden und geniessen lernen. „Vielleicht hat Gott 
selbst bestimmt, dass die göttlichen Freuden den Geistern von 
höherem Range von selbst zufallen, während die niederen sie mit 
Mühe zu erringen haben; dass die einen von Geburt an der 
Seligkeit teilhaft werden, während die anderen sie erst im Leben 
erwerben müssen. So hat er verhütet, dass die höheren Geister 
sich überheben und dass die niederen sich verachten, da jene die 
Glückseligkeit von aussen empfangen, diese dagegen die Schöpfer 
ihrer Glückseligkeit sind‘“.®) Die Unvollkommenheit des In- 
dividuums selbst wird somit zum Zeugnis seines unvergleichlichen 
Wertes und seiner ewigen Bestimmung. Trotz allen diesen cha- 
rakteristischen und wichtigen Ansätzen aber ist es Ficin nicht 
gelungen, den Gedanken der Transscendenz völlig zu bewältigen 
und aufzulösen. Ja dieser Gedanke bleibt im Ganzen des Systems 
zuletzt dennoch das vorherrschende Ideal. Dionysius Areopa- 
gita wird der Verkünder und Gewährsmann der echten Platoni- 
schen Philosophie, weil er uns gelehrt hat, das göttliche Licht nicht 
durch verstandesmässige Tätigkeit, sondern kraft des Affekts und 
Willens, als über jegliches Sein und Wissen erhaben, zu suchen. 
„Ueberfliege nicht nur die Sınnendinge, sondern auch die intelli- 
giblen Objekte, verlasse das Gebiet des Verstandes und erhebe 
Dich — vermöge der Liebe zu dem einzigen und höchsten Gut
	        

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Das Erkenntnisproblem in Der Philosophie Und Wissenschaft Der Neueren Zeit. Cassirer, 1906.
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