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Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
  • Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
  • Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus

Full text

128 Die Auflösung der scholastischen Logik, — Lodovico Vives, 
Ein zweiter fundamentaler Einwand betrifft die Begründung, 
die Aristoteles von den „letzten Prinzipien“, die aller Beweis- 
führung zu Grunde liegen sollen, gegeben hatte. Die Behauptung 
solcher unbedingten und unmittelbaren Begriffe und Urteile wird 
bei ihm rein dogmatisch und ohne den Versuch einer näheren 
Rechtfertigung. eingeführt: weil es ein Ende des Beweises geben 
muss, darum müssen bestimmte axiomatische Grundlagen 
(dpesa) angenommen und geglaubt werden. Was aber versichert 
uns, dass der psychologische Schein der „Evidenz“ uns 
auch über die sachlich letzten und ursprünglichsten Bezie- 
hungen aufklärt; was verschafft diesem individuellen Kenn- 
zeichen der Gewissheit allgemeine und notwendige Geltung für 
alle Subjekte? Will man sich hier auf die Uebereinstimmung 
aller Denkenden, auf den „gesunden Menschenverstand“ als Richt- 
schnur berufen, so kann die tägliche Erfahrung uns über die 
Veränderlichkeit und Relativität dieses Maasses belehren: denn 
jedes Individuum und jedes Zeitalter besitzt andere Grundsätze, 
die ihm die ersten und unableitbaren heissen. So wird alle Be- 
weisführung, wenn sie sich auf diesem Boden erheben soll, zur 
variablen Norm, die sich dem Gebäude, das mit ihrer Hilfe er- 
richtet werden soll, anbequemen muss, statt dass sie dieses der 
eigenen Regel unterwürfe und anpasste.*®) Wenn Aristoteles 
ferner, um die Art zu erklären, in der wir zu den letzten Prin- 
zipien gelangen, auf die Induktion verwiesen hat, so liegt auch 
hier der Zirkelschluss deutlich zu Tage: denn welche Induktion 
vermöchte uns der Allheit der Fälle und damit der Notwen- 
digkeit des Schlusssatzes zu vergewissern? In der empirischen 
Betrachtung des Einzelnen, das als eine unendliche Mannig- 
faltigkeit vor uns ausgebreitet ist, gibt es nirgends einen festen 
endgültigen Abschluss, gibt es somit keine unaufhebliche Ge- 
wissheit, wie die wahrhaft unbedingten Grundsätze sie fordern. 
Scheinbare und relative Allgemeinheiten aber vermögen hier 
nicht zu genügen: hat doch die Entwickelung der neueren 
Wissenschaft unsere Anschauung des Kosmos, die durch die Er- 
fahrung der Jahrhunderte bestätigt und gesichert schien, als irrig 
erwiesen und dadurch miltelbar gezeigt, dass eine Ansammlung 
besonderer räumlicher und zeitlicher Wahrnehmungen uns nie- 
mals zu wahrhaft universellen Urteilen führen kann.)
	        

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Das Erkenntnisproblem in Der Philosophie Und Wissenschaft Der Neueren Zeit. Cassirer, 1906.
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