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Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
  • Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
  • Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus

Full text

356 
Giordano Bruno. 
Tendenz und gleichsam die innere Spannung, die zur Umbildung 
hindrängt, will jetzt der Begriff der „Potenz“ bedeuten. (S. ob. 
8. 197 £.). 
Indem Bruno diesen dynamischen Begriff des Seins auf- 
nimmt, gewinnt er an ihm erst die Vorbedingung, unter der er 
das Grundproblem seiner Metaphysik, das Verhältnis des End- 
lichen zum Unendlichen, zu anschaulicher Klarheit zu ent- 
wickeln vermag. Solange er hierfür auf die räumlichen Ana- 
logien verwies, konnte die „Teilhabe“ des Individuums am AlI, die 
„Durchdringung‘“ des Besonderen und Allgemeinen nur in unbe- 
stimmten Metaphern ausgesprochen werden. Wie ein und die- 
selbe Stimme von unbeschränkt vielen empfindenden Subjekten 
vernommen und aufgefasst werden kann, ohne darum in ihrer 
Wesenheit zerteilt und geschwächt zu werden, so soll das Leben 
der Gesamtnatur völlig und ungeteilt in jedem ihrer Glieder gegen- 
wärtig sein; — wie das Licht, das von einem Punkte ausstrahlt, 
sich nach allen Richtungen hin gleichmässig verbreitet, so ver- 
mag die schöpferische Tätigkeit des Universums die Vielheit der 
Einzeldinge, ohne in sie verstrickt und aufgelöst zu werden, zu 
erleuchten.4°) Zu schäıuferer begrifflicher Bestimmung gelangt 
der Gedanke, der solchen symbolischen Wendungen zu Grunde 
liegt, erst dort, wo an Stelle des blossen Daseins das Werden, 
an Stelle des Raumes die Zeit in den Mittelpunkt der Be- 
trachtung tritt. Niemals kann im Ssinnlich-konkreten Dasein 
das Einzelne mit dem All wirklich zusammenfallen: nur in 
dem Streben des Endlichen nach dem Unendlichen, in dam 
Fortschritt und der Tendenz zu immer neuen Bildungeh, ent- 
hüllt sich der Zusammenhang beider Grundmomente. Ihre Ein- 
heit ist niemals in einem einzelnen, gegebenen Zeitpunkte vor- 
handen und aufzeigbar, sondern stellt sich innerhalb des Natur- 
prozesses beständig von neuem her, ohne jemals zu einem völligen 
Abschluss zu gelangen. Kein begrenztes Wesen ist jemals zu- 
gleich alles das, was es seiner Natur und seiner Wesenheit nach 
zu sein vermag: aber es enthält auf jeder Einzelstufe seines Seins 
die Kratt und den Keim zu allen künftigen Formen in sich und 
ist durch sie seiner Unendlichkeit versichert.4l) 
Es ist somit der Begriff der Entwicklung, der dem Begrift 
der Materie neuen Sinn und Inhalt verleiht. Anfangs zwar
	        

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Das Erkenntnisproblem in Der Philosophie Und Wissenschaft Der Neueren Zeit. Cassirer, 1906.
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