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Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
  • Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
  • Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus

Full text

422 
Descartes. 
Falle eine sichere Erkenntnis, wenn nicht vom Gegenstande, 
so doch von der menschlichen Natur, von ihrer Bedingtheit 
und Begrenzung, erlangen.®%) Von solcher kritischen Vorsicht ist 
Descartes nunmehr weit entfernt. Dennoch ist der Weg, den er 
zurückgelegt, für die Fortentwicklung der Philosophie und Wissen- 
schaft nicht vergeblich gewesen. Das Ergebnis des methodischen 
Zweifels, dass alle unsere Erkenntnis, soweit sie sich innerhalb 
des Umkreises der Erfahrung und Wissenschaft hält, uns nur die 
Gesetzlichkeit der Phaenomene erschliesst: dieses Ergebnis ist 
nicht mehr rückgängig zu machen. Den Grund aber, dass Des- 
cartes selbst bei ihm nicht stehen zu bleiben vermochte, haben 
wir in seiner eigenen Wissenschaftstheorie gefunden. Weil die 
mathematischen Hypothesen und „Abstraktionen“ den vollen Ge- 
halt der Wirklichkeit nicht ausschöpfen, weil sie in ihrer An- 
wendung immer nur angenäherte Gewissheit ergeben, sieht er 
sich auf neue metaphysische Grundlagen hingewiesen. Der Ab- 
solutismus seines Wahrheitsbegriffs führt ihn zum Absolutis- 
mus des Seinsbegriffs: so ist auch hier, wo er die idealistische 
Konsequenz seines Gedankens verfehlte. das idealistische Motiv 
des Systems unverkennbar. — 
Seine Bestätigung und Ergänzung erhält indes der ontolo- 
logische Beweisgrund bei Descartes erst durch eine andere Er- 
wägung, die vom Begriff des Unendlichen ihren Ausgang 
nimmt. Indem ich in mir die Idee Gottes als einer unendlichen, 
allwissenden und unumschränkten Substanz vorfinde, erkenne 
ich zugleich, dass ich selbst, als ein endliches und unvoll- 
kommenes Wesen, nicht ihr Schöpfer und Urbild sein kann. Das 
wahrhafte „Original“, das alle Einzelzüge, die in der Vorstellung 
gegeben sind, in wirklichem Sein enthält und umfasst, kann 
nur jenseit des Bewusstseins zu suchen sein. Es ist zunächst der 
Begriff des Selbstbewusstseins, der uns hier in neuer Wen- 
dung und Bedeutung entgegentritt. Unter dem „Denken“ durften 
wir, nach den bisherigen Entwicklungen, einen Inbegriff reiner 
Verknüpfungsformen verstehen, ein System von Prinzipien 
and Operationen, durch die wir die Daten der Empfindung 
umformen, um sie dadurch zum wahrhaften „Sein“ zu bestimmen. 
Die Einheit des „Intellekts“, von der die Regeln ausgehen, war 
mit der Einheit der Wissenschaft gleichbedeutend. Jetzt erst
	        

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Das Erkenntnisproblem in Der Philosophie Und Wissenschaft Der Neueren Zeit. Cassirer, 1906.
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