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Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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Bibliographic data

fullscreen: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

Monograph

Identifikator:
1885646178
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-253324
Document type:
Monograph
Title:
Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Dürr
Year of publication:
1908
Scope:
VI, 154 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Abschnitt. Die deutschen Städte im Mittelalter: Ihre Blütezeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erster Abschnitt. Die deutschen Städte im Mittelalter: Ihre Blütezeit
  • Zweiter Abschnitt. Die deutschen Städte im 16. und 17. Jahrhundert: Die Korruption der städtischen Verwaltung
  • Dritter Abschnitt. Die preußischen Städte im 17. und 18. Jahrhundert: Vernichtung städtischer Freiheit
  • Vierter Abschnitt. Die preußische Städteordnung vom 19. November 1808

Full text

15 — 
Und wenn sich auf religiösem Gebiete jene gewaltige reformatorische 
Bewegung in Luthers Tagen mit überraschender Schnelle durchsetzte, so 
haben wir auch das vor allem den deutschen Städten zu danken. 
brigens stand es auch vuther fest, daß nur vom Bürgertum die 
feste Grundlage moderner deutscher Bildung geschaffen werden könne. — 
Schließen wir diese Gedankenreihe mit einer Schilderung Luthers, die uns 
die Regsamkeit jener Zeiten äuf allen Gebieten aufs anschaulichste zeigt. 
Er schrieb 1521: 
„So jemand lieset alle Chroniken, so findet er von Christus Geburt an dieser 
Welt in diesen hundert Jahren gleichen nicht, in allen Stücken. Solch Bauen und 
Pflanzen ist nicht gewesen so gemein in aller Welt; solch köstlich und mancherlei 
Essen und Trinken auch nicht gewesen so gemein wie es itzt ist. So ist das Kleiden 
so köstlich geworden, daß es nicht höher mag kommen. Wer hat auch je solch 
Kaufmannschaft gelesen, die itzt umb die Welt fähret und alle Welt verschlinget? 
So steigen auf und sind aufgestiegen allerlei Künste: Malen, Sticken, Graben, daß 
es sint Christus Geburt nicht gleichen hat. Dazu sint itzt solch scharf, verständige 
Leut, die nichts verborgen lassen, also auch, daß itzt ein Knabe von zwenzig Jahren 
mehr kann, denn zuvor zwenzig Doctoren gekunnt haben.“ 
In der Tat, man versteht es, daß man in dieser Zeit jauchzend 
ausrief: „O Jahrhundert! O Wissenschaft! Es ist eine Freude zu leben; 
die Studien blühen, die Geister regen sich!“ 
Doch nun zur Verfassung dieser Städte und ihrer wirtschaftlichen 
Organisation. Gerade hier lag ihre eigentümliche Kraft. Handel und 
Gewerbe war das Lebenselement der Städte. In Innungen und Zünften 
waren Kaufleute und Handwerker zusammengeschlossen. Als Ziel galt 
allgemein, daß jeder einzelne in selbständiger Tätigkeit und durch eigene 
Arbeit ein dem Stande entsprechendes und ausreichendes Einkommen er⸗ 
reichen sollte; darauf zielte die öffentliche, städtische und zünftische Gesetz⸗ 
gebung hin. Jedem einzelnen sollte möglichst sein Lebensunterhalt 
garantiert sein. Zwar wurde durch diese Idee des gemeinen Besten 
die aufwärts strebende Tüchtigkeit der einzelnen Persönlichkeit zugunsten 
der Allgemeinheit gehemmt, aber es ergab sich doch der außerordentliche 
Vorteil, daß eine breite Schicht Wohlhabender entstand. Die großen 
Vermögen waren seltenste Ausnahmen. Infolge dieser günstigen Verteilung 
des Gesamteinkommens erreichte in der Tat der allgemeine Wohlstand 
des deutschen Bürgertums im Mittelalter eine solche Höhe, wie wir sie 
uns nur fuͤr die blühendsten Epochen irgend einer uns bekannten Kultur 
vorstellen können. Und aus dieser echt deutschen genossenschaftlichen Idee 
des gemeinen Besten erwuchs auch auf politischem Gebiete für den 
weiteren Kreis der Gesamtstadtgemeinde derselbe Gedanke: daß jeder 
einzelne mit Gut und Blut für die Stadt einzutreten habe und daß die 
Gesamtheit ihn schützen müsse. Es war eine allgemeine Solidarität des 
Bürgertums in Wehrpflicht und Steuerpflicht. Jeder schien entschlossen, 
„Lieb und Leid miteinander zu dulden bei der Stadt und wo 
es not wäre“.
	        

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Entstehung Und Bedeutung Der Preußischen Städteordnung. Dürr, 1908.
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