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Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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Bibliographic data

fullscreen: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

Monograph

Identifikator:
1885646178
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-253324
Document type:
Monograph
Title:
Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Dürr
Year of publication:
1908
Scope:
VI, 154 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Abschnitt. Die preußische Städteordnung vom 19. November 1808
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erster Abschnitt. Die deutschen Städte im Mittelalter: Ihre Blütezeit
  • Zweiter Abschnitt. Die deutschen Städte im 16. und 17. Jahrhundert: Die Korruption der städtischen Verwaltung
  • Dritter Abschnitt. Die preußischen Städte im 17. und 18. Jahrhundert: Vernichtung städtischer Freiheit
  • Vierter Abschnitt. Die preußische Städteordnung vom 19. November 1808

Full text

723 — 
findens gewesen, und nicht leicht ist es, viel hierüber zu erfahren. Nur 
eine Quelle fließt uns hier und die zum Glück hell und reich: Ernst 
Moritz Arndts, seines getreuen Mitstreiters und Gehilfen, Schilde— 
rungen. Arndt ist mit „seinem Minister“ im Jahre 1812 in Ruß⸗ 
land zusammengetroffen. Seitdem haben ihn Bande ehrfurchtsvoller 
Freundschaft mit Stein bis zu dessen Tode im Jahre 1831 verbunden. 
Für diese ganze Zeit gelten Arndts Aufzeichnungen; an sie wollen wir 
uns im folgenden halten. 
Für die Zeit vor 1812 wollen wir uns einen Überblick in der 
Weise zu verschaffen suchen, daß wir, zum Teil an der Hand der von 
Stein selbst entworfenen Skizze einer Lebensbeschreibung, kurz die wich— 
tigsten Daten seines äußeren Lebensganges aufzählen. 
Zunächst jedoch als Einleitung etwas aus der Darstellung 
Treitschkes über den Reichsfreiherrn: 
„Das Schloß seiner Ahnen lag zu Nassau, mitten im buntesten Ländergemenge 
der Kleinstaaterei; von der Lahnbruͤcke im nahen Ems konnte der Knabe in die 
Gebiete von acht deutschen Fürsten und Herren zugleich hineinschauen. Dort wuchs 
er auf, in der freien Luft, unter der strengen Zucht eines stolzen, frommen, ehren⸗ 
festen altritterlichen Hauses, das sich allen Fürsten des Reiches gleich dünkte. 
Standen doch die Stammburgen der Häuser Stein und Nassau dicht beieinander auf 
demselben Felsen; warum sollte das alte Wappenschild mit den Rosen und den 
Balken weniger gelten als der sächsische Rautenkranz oder die württembergischen 
Hirschgeweihe? Der Gedanke der deutschen Einheit, zu dem die geborenen Unter— 
tanen erst auf den weiten Umwegen der historischen Bildung gelangten, war diesem 
stolzen reichsfreien Herrn in die Wiege gebunden. Er wußte es gar nicht anders: 
„ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland, und da ich nach alter Ver— 
fassung nur ihm und keinem besonderen Teile desselben angehöre, so bin ich auch 
nur ihm und nicht einem Teile desselben von ganzem Herzen ergeben.“ Wenig 
berührt von der ästhetischen Begeisterung der Zeitgenossen versenkle sich sein tat⸗ 
kräftiger, auf das Wirkliche gerichtete Geist früh in die historischen Dinge. Alle die 
Wunder der vaterländischen Geschichte, von den Cohortenstürmern des Teutoburger 
Waldes bis herab zu Friedrichs Grenadieren, standen lebendig vor seinen Blicken. 
Dem ganzen großen Deutschland, so weit die deutsche Zunge klingt, galt seine feurige 
Liebe. Keinen, der nur jemals von der Kraft und Großheit deutschen Wesens 
Kunde gegeben, schloß er von seinem Herzen aus; als er im Alter in seinem Nassau 
einen Turm erbaute zur Erinnerung an Deutschlands ruhmvolle Taten, hing er die 
Bilder von Friedrich dem Großen und Maria Theresia, von Scharnhorst und 
Wallenstein friedlich nebeneinander. Sein Ideal war das gewaltige deutsche Königtum 
der Sachsenkaiser; die neuen Teilstaaten, die sich seitdem über den Trümmern der 
Monarchie erhoben hatten, erschienen ihm samt und sonders nur als Gebilde der 
Willkür, heimischen Verrates, ausländischer Ränke, reif zur Vernichtung sobald 
irgendwo und irgendwie die Majestät des alten rechtmäßigen Königtums wieder er— 
stünde. Sein schonungsloser Freimut gegen die gekrönten Häupter entsprang nicht 
bloß der angeborenen Tapferkeit eines heldenhaften Gemütes, sondern auch dem 
Stolze des Reichsritters, der in allen diesen fürstlichen Herren nur pflichtvergessene, 
auf Kosten des Kaisertums bereicherte Standesgenossen sah und nicht begreifen wollie 
warum man mit solchen Zaunkönigen soviel Unistände mache. 
Ein Charakter wie aus dem hochgemuten sechzehnten Jahrhundert, — so 
geistvoll und so einfach, so tapfer unter den Menschen und so demütig vor Gott —
	        

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Entstehung Und Bedeutung Der Preußischen Städteordnung. Dürr, 1908.
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