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Nationalökonomie (Teil 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886436398
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-235143
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
Teil 1
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 389 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (Teil 1)
  • Title page
  • Contents
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie

Full text

— 209 — 
einbüßen würde, sobald man ihm den Terminhandel nähme, dadurch 
den großen Umsatz erschwerte und gefahrvoller machte. 
Man weist nun vielfach auf die Größe des Papierumsatzes hin, 
der allerdings den realen Umsatz bedeutend zu übersteigen pflegt. Man 
hat berechnet, daß im Termingeschäfte in einem Jahre wohl das dreißig- 
fache an Santoskaffee umgesetzt ist, als überhaupt auf der Erde ge- 
erntet wurde, und Aehnliches ist für das Getreidegeschäft konstatiert. 
Es liegt dann der Gedanke nahe, daß infolgedessen die thatsächliche 
Ernte für die Preisbestimmung bedeutungslos sein müßte. Das ist 
aber durchaus falsch; bleiben wir bei unserem letzten Beispiel. Der 
Kaufmann, welcher die halbe Schiffsladung Kaffee an der Hamburger 
Börse im Termingeschäfte verkaufte, setzte diese an einen Börsen- 
spekulanten ab, der selbst gar keinen Speicher hat und die Ware gar 
nicht kaufen kann. Er will vielmehr allein an Preisschwankungen pro- 
fitieren. Sobald er daher Jemanden findet, der ihm schon am nächsten 
Börsentage zu einem etwas höheren Preise den Kaffee abnimmt, so 
schlägt er ihn auch los und begnügt sich mit dem Gewinn der Preis- 
differenz. Ebenso macht es der Abnehmer, und so geht dieselbe 
Schiffsladung an einem Börsentage häufig durch mehrere Hände und 
wechselt während. der 6-—8 Wochen bis zur Ultimoregulierung vielleicht 
10, 20, 30 Mal den Besitzer. Die Grundlage aber hierfür bleibt die- 
selbe Schiffsladung, die in den Ziffern des Terminhandels drei, vielleicht 
dreißig Mal vorkommt, daher diese Zahlen das dreißigfache Quantum 
aufweisen. Der Terminhandel stützt sich mithin durchaus auf den realen 
Handel, er hat keinen anderen Ausgangspunkt, 
Aus dem zuletzt Gesagten geht bereits hervor, daß der Termin- 
handel auf einer weiteren Ausbildung der Arbeitsteilung beruht. Dem 
Kaufmann, der mit reeller Ware handelt, treten wiederum als Ab- 
nehmer der Ware Kaufleute gegenüber, und sie finden sich an der 
Börse zusammen, Sie machen Zeit- und Lieferungsgeschäfte für be- 
stimmte Fälle des Warenbedarfes, aber auch zugleich reine Spekulations- 
geschäfte unter Benutzung des Terminhandels. Außerdem aber kommen 
noch reine Börsenspekulanten hinzu, die von der Ware selbst voll- 
ständig absehen und nur aus den Preis- und Kursschwankungen Ge- 
winn zu erzielen suchen, also dem eigentlichen Kaufmann entgegen- 
zustellen sind. Auch diese Klasse der Händler erfüllt eine wesentliche 
wirtschaftliche Aufgabe. Sie tritt da ein, wo ein realer Abnehmer der 
Ware nicht zufinden ist. Sie macht ein Geschäft daraus, den Kauf- 
leuten einen Teil des Risikos abzunehmen, und muß dafür natürlich 
auch entsprechend entschädigt werden; sie bildet die Kraft, die das 
Böse will und das Gute schafft. 
Ganz besonders hat man gemeint, daß der Terminhandel in Ge- 
treide schädlich wirke, und einseitig zu gunsten der Spekulanten bald 
die Preise zum Schaden der Landwirte zu sehr erniedrige, bald zum 
Schaden der Konsumenten zu sehr erhöhe. Die Statistik giebt hierfür 
durchaus keinen Anhalt, bezeugt vielmehr das Gegenteil, wie die schon 
erwähnten Untersuchungen Cohns, wie dann unsere eigenen über die 
Monatspreise des Brotgetreides und den engen Zusammenhang der 
Preise der verschiedenen Börsen ergeben. 
Es ist bei den Landwirten eine sehr allgemein verbreitete Ansicht, 
daß die Preise in der ersten Zeit nach der Ernte künstlich von den Kauf- 
jeuten gedrückt werden, um das Getreide billig in die Hand zu be- 
kommen, und sie gegen Ende des Erntejahres übermäßig zu erhöhen. 
MNonrad. Grundrifs der volit. Oekanomie. IL Teil 4 Aufl. '4 
etreide- 
termin- 
handel.
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1902.
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