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Nationalökonomie (Teil 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886436398
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-235143
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
Teil 1
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 389 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (Teil 1)
  • Title page
  • Contents
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie

Full text

— 243 — 
dustrieller Produkte durchaus nicht als ein Unglück anzusehen; es 
kommt vielmehr darauf an, wer den Nutzen davon hat. Wird die 
Preiserhöhung nur durchgeführt, um die Löhne zu erhöhen, die Lage 
der arbeitenden Klasse zu verbessern, so wird die Preiserhöhung, wenn 
sie nicht die gewöhnlichen Lebensbedürfnisse betrifft, sogar als ein 
wesentlicher Fortschritt anzusehen sein. Dient die Preiserhöhung aber 
nur dazu, den Unternehmergewinn Weniger zu steigern, ohne daß 
damit ein anderer wirtschaftlicher Vorteil erzielt wird, so z, B. eine 
Erweiterung industrieller Unternehmungen, so wird sie ‘als nachteilig 
bezeichnet werden müssen. Es kann nun kaum einem Zweifel unter- 
liegen, daß die Kartelle in vielen Fällen diesem zweiten Zwecke dienen, 
nicht aber dem ersteren, wenn es auch sehr falsch wäre, dieses in allen 
Fällen oder überhaupt nur in der Regel anzunehmen. Es ist aber hier 
ausdrücklich im Auge zu behalten, daß, wie oben ausgeführt, die Kar- 
telle auch Organisationen ermöglichen, welche Ermäßigung der Pro- 
duktionskosten und sonstige wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. 
Es wird deshalb wünschenswert sein, daß von seiten der Staatsgewalt 
Maßregeln getroffen werden, welche einer einseitigen Verwertung der 
Kartelle entgegenwirken. 
Hierbei ist noch in das Auge zu fassen, daß die kartellierten 
Unternehmer ihr Uebergewicht leicht zur Bedrückung, wo nicht Unter- 
drückung ihrer Konkurrenten verwerten können, also nicht sich gegen 
die Konsumenten, sondern zunächst gegen die Produzenten selbst 
wenden. Noch vor nicht langer Zeit erregte es Aufsehen, wie die 
Standard - Oil- Company durch willkürliche, extreme Preisherabsetzung 
des Petroleums die beiden bisher noch selbständigen Petroleumunter- 
nehmungen in Deutschland schließlich zur Unterwerfung unter ihren 
Willen zwang. 
Ganz besonders sind solche Zwangsmaßregeln von seiten der 
Kartelle auch gegen die Zwischenhändler gerichtet, welche sie um ihre 
Selbständigkeit bringen und zu Agenten- herabsetzen, die ihre Pro- 
dukte zu den von ihnen vorgeschriebenen Preisen und nur, wo es ihnen 
gestattet ist, absetzen dürfen. Auch hierfür bietet die Oil-Company 
ein Beispiel, das 1897 im Reichstage zur Sprache kam. Daß dadurch 
der Mittelstand gefährdet werden kann, ist nicht zu bezweifeln, 
Von welcher Bedeutung die Kartelle gegenwärtig sind, ist außer- 
ordentlich schwer zu übersehen, da eine genaue Statistik derselben nicht 
existiert und namentlich über die Größe und Bedeutung derselben alle 
Zusammenstellungen fehlen. Für Deutschland schätzt man die Zahl der 
gegenwärtig bestehenden Kartelle auf 250—8300, von denen die meisten 
verhältnismäßig in der chemischen Industrie, einige 80, bestehen, etwa 
ebensoviel in der KEisenindustrie, in der Industrie der Steine und 
Erden 59, in der Textilindustrie 38. in der Kohlenindustrie 17 (Lief- 
mann für 1897). 
Diese Angaben lassen ersehen, daß wenigstens in Deutschland 
die Kartelle bisher nur, eine beschränkte Anwendung gewonnen haben, 
und zwar sind es in der Hauptsache Betriebszweige, welche Rohmate- 
rialien oder doch Produkte zur weiteren Verarbeitung in anderen In- 
dustriezweigen liefern, die also noch nicht individualisiert und daher in 
größeren Quantitäten gleicher Art auf dem Markte erscheinen. Damit 
ergiebt sich aber auch, daß die Kartelle eine besondere Gefahr für 
andere Industriezweige in sich schließen, denen ihr Material durch 
solches Vorgehen verteuert wird, und es ist schwer zu berechnen, wie 
10%
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1902.
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