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Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886437130
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-233012
Document type:
Volume
Author:
Hesse, Albert http://d-nb.info/gnd/13348551X
Title:
Volkswirtschaftspolitik
Volume count:
2.1902
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 544 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt II. Die stoffveredelnden Gewerbe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Volkswirtschaftspolitik (2.1902)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Abschnitt I. Die Land- und Forstwirtschaft
  • Abschnitt II. Die stoffveredelnden Gewerbe
  • Abschnitt III. Der Handel, das Verkehrs- und Versicherungswesen
  • Abschnitt IV. Das Bevölkerungswesen
  • Abschnitt V. Armenwesen und Armenpflege

Full text

— 214 
Zesetzgebung Zum Jahre 1889 die Solidarhaft bei diesen Associationen in Deutsch- 
„betr. die land gesetzlich verlangt, in anderen Staaten dagegen nicht. Durch 
Solidarhaft. ein Gesetz über die eingetragenen Genossenschaften dieses Jahres ist 
auch die Form der beschränkten Haftung und der unbedingten Nach- 
schusspflicht gestattet. 
So lange die Verhältnisse der‘ Genossenschaften in Deutschland 
gesetzlich nicht geregelt waren, konnte bei einer auf Solidarhaft be- 
ruhenden Genossenschaft, sobald dieselbe sich zahlungsunfähig erwies, der 
Gläubiger sich beliebig ein Mitglied herausgreifen und von ihm die 
Zahlung der ganzen Schuldsumme beanspruchen. Nach dem Gesetz 
von 1868 dagegen war die Solidarhaft dahin geregelt, dass in einem 
solchen Falle erst eine Repartition auf sämtliche Glieder stattfinden 
nusste, so dass bei einer Schuld von 10,000 Mark bei 100 Mitgliedern 
jedes nur mit 100 Mark herangezogen werden konnte. KErwiesen sich 
aierbei nun etwa 5 Mitglieder als zahlungsunfähig, so konnte der Gläu- 
oiger wegen des bleibenden Restes von 500 Mark nun sich allerdings 
an ein Mitglied halten und von ihm die Deckung verlangen. Aber es 
war doch dadurch die Gefahr für den Einzelnen wesentlich abge- 
schwächt. Es konnte jetzt ein Gutsbesitzer ohne Bedenken zur Unter- 
stützung der Bauern sich ihrer Genossenschaftsbank anschliessen, wie 
sbenso ein grösserer Kapitalist zu gunsten der Vorschussbank von 
Handwerkern und kleinen Kaufleuten, obne sicher zu sein, bei einem 
Bankrott der Bank sofort gezwungen zu werden, mit bedeutenden 
Summen in die Bresche zu treten. Nach dem Gesetze von 1889 
kann die Haftung überhaupt auf die Höhe der Einlage beschränkt 
werden, oder bei der Form einer unbeschränkten Nachschusspflicht 
werden auch die Reste, welche nach der ersten Repartition ungedeckt 
verbleiben, von neuem repartiert, bis schliesslich die volle Befriedigung 
des Gläubigers erzielt ist. Hierdurch ist dann die Gleichmässigkeit 
der Haftung aller Mitglieder erreicht, aber auch für den Gläubiger die 
Gefahr gegeben, dass er Jahre hindurch prozessieren muss, bevor er 
zu dem Seinigen gelangt, während bei dem alten Verfahren, das noch 
gleichfalls beibehalten werden kann, der Gläubiger sehr schnell be- 
‘riedigt wird, aber das zur Deckung herangezogene Mitglied nun 
seinerseits eventuell Jahre lang gegen die anderen Mitglieder vorgehen 
nuss, um seine Auslagen zurück zu erhalten. Es unterliegt keinem 
Zweifel, dass die Solidarhaft auf das ‘deutsche Genossenschaftswesen 
m grossen Ganzen ausserordentlich günstig gewirkt hat, und dass der 
demeingeist in der Bevölkerung dadurch wesentlich gefördert ist. Es 
ist sicher ein äusserst günstiges Zeichen für die Solidität des Wirt- 
;chaftslebens und für die Geltung von Treu und Glauben auf deut- 
schem Boden, dass ohne Sträuben so allgemein die unbedingteste Bürg- 
schaft für andere übernommen wurde, wie es thatsächlich in Deutsch- 
land geschehen ist. In Italien, wo man sich viel darauf zu-gute that, 
schon Anfang der sechziger Jahre die Schulze-Delitzsch’sche . Genossen- 
schaftsbewegung eingeführt zu haben, ‚hat man es nie gewagt, die 
Solidarhaft zu acceptieren, und der sogenannte italienische Schulze- 
Delitzsch: Vigano sagte zu dem Schreiber dieses ausdrücklich bei einer 
Begegnung, dass es unmöglich sein würde, in Italien auch nur eine ein- 
zige Genossenschaft mit Solidarhaft zu errichten, weil niemand zu den 
Leitern derselben das nötige Vertrauen haben würde. Auch in Frank-
	        

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Volkswirtschaftspolitik. Fischer, 1902.
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