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Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886437130
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-233012
Document type:
Volume
Author:
Hesse, Albert http://d-nb.info/gnd/13348551X
Title:
Volkswirtschaftspolitik
Volume count:
2.1902
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 544 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt II. Die stoffveredelnden Gewerbe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Volkswirtschaftspolitik (2.1902)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Abschnitt I. Die Land- und Forstwirtschaft
  • Abschnitt II. Die stoffveredelnden Gewerbe
  • Abschnitt III. Der Handel, das Verkehrs- und Versicherungswesen
  • Abschnitt IV. Das Bevölkerungswesen
  • Abschnitt V. Armenwesen und Armenpflege

Full text

2351. 
höhen und dem Landwirte dadurch höhere Einnahmen zu verschaffen. 
In erster Linie ist zu beachten, dass nicht nur der Zoll, sondern die 
gesamte Erhöhung der Preise in der Hauptsache von der grossen Masse 
der Arbeiterbevölkerung getragen wird. Man rechnet den Bedarf an 
Brotgetreide pro Kopf der Bevölkerung durchschnittlich 2 Doppelzentner, 
für eine Durchschnittsfamilie mithin nahezu 10 Doppelzentner. Da wir 
nun zu dem Ergebnis kamen, dass im grossen Ganzen der Zoll von den 
Konsumenten gezahlt werden muss, so hat die Familie infolge eines Zolles 
von 3,5 Mk. pro Zentner 35 Mk., bei 5,5 Mk. 55 Mk. im Jahre zu 
zahlen, das sind bei einem Lohnbezuge von 800 Mk, 4,4 resp. 6,2 °/ 
des Einkommens. Da das freie Einkommen der Arbeiter aber, also nach 
Abzug des Existenzminimums, höchstens auf 300 Mk. zu veranschlagen 
ist, so beträgt davon diese Zahlung 10—16°%,. Die Last, welche auf 
der am wenigsten leistungsfähigen Bevölkerung ruht, erscheint deshalb 
als eine sehr beträchtliche, auch dann, wenn durch die wesentliche Lohn- 
erhöhung der neueren Zeit sie verhältnismässig leichter getragen werden 
kann, als es sonst der Fall wäre. 
Dieser starken Belastung des grössten Teils der Bevölkerung Wirkung der 
steht gegenüber, dass nur eine verhältnismässig kleine Zahl von Produ- Getreidezölle 
zenten davon Nutzen hat, nur etwa ein Fünftel der Bevölkerung, während 2 die Krand- 
ein zweites Fünftel kein besonderes Interesse daran hat, die übrigen br 
drei Fünftel dagegen die Zahlung übernehmen. In Deutschland sind es 
nur 1175 000 landwirtschaftliche Betriebe, welche mehr als 2 ha Kultur- 
land umfassen. Nur diese können günstigsten Falls einen Ueberschuss 
an Getreide produzieren und etwas verkaufen, wenn auch unter denen 
zwischen Z2—5 ha sich noch eine sehr grosse Zahl befindet, die kein 
Getreide zum Verkauf erübrigen. Wo irgend eine ausgedehntere Vieh- 
zucht vorhanden ist und Wiesen eine gewisse Rolle spielen, kann man 
in ganzen Gegenden sogar bis 10 ha umfassende Bauerngüter kon- 
statieren, die nicht Brotkurn verkaufen. Daraus ergiebt sich, dass sicher 
70 %, aller Jandwirtschaftlichen Betriebe kein Interesse an den Getreide- 
zöllen haben, dass aber darunter noch eine ganze Anzahl solcher sich 
befindet, welchen das Brotgetreide verteuert wird, das sie kaufen 
müssen, und noch mehr, welchen das Futtergetreide zu ihrem Schaden 
verteuert wird. 
Einen prinzipiell anderen Charakter als die Industriezölle ge- 
winnen die Agrarzölle dadurch, dass sie die Gefahr in sich schliessen, 
sobald sie mit dem Charakter der Dauer aufgelegt werden, den Wert 
des Grund und Bodens zu erhöhen, damit also kapitalisiert zu werden. 
Kann der Landwirt seine Produkte teurer verkaufen, steigt damit sein 
Reinertrag, so vermag er für den Grund und Boden eine höhere Pacht 
zu erlangen und ein höheres Kaufkapital. Für je 1000 Mk. Reingewinn 
mehr sind unter unseren Verhältnissen 25 000 Mk. mehr für das Grund- 
stück zu erwarten, weil die Kauflustigen die Taxe des bisherigen Rein- 
ertrages für die Summe, die sie dafür bieten können und wollen, zum 
Massstabe nehmen. Wird also durch einen neuen Zoll der Preis der 
landwirtschaftlichen Produkte gesteigert, so erreicht der momentane 
Besitzer dadurch einen Kapitalzuwachs in dem gesteigerten Gutswerte. 
Der neue Käufer aber, der so viel mehr für das Gut gegeben hat, ist 
darum nicht besser gestellt, er hat nur entsprechend mehr Zinsen auf- 
zubringen, und zugleich schwebt über seinem Haupte das Damokles-
	        

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Volkswirtschaftspolitik. Fischer, 1902.
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