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Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886437130
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-233012
Document type:
Volume
Author:
Hesse, Albert http://d-nb.info/gnd/13348551X
Title:
Volkswirtschaftspolitik
Volume count:
2.1902
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 544 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt V. Armenwesen und Armenpflege
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Volkswirtschaftspolitik (2.1902)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Abschnitt I. Die Land- und Forstwirtschaft
  • Abschnitt II. Die stoffveredelnden Gewerbe
  • Abschnitt III. Der Handel, das Verkehrs- und Versicherungswesen
  • Abschnitt IV. Das Bevölkerungswesen
  • Abschnitt V. Armenwesen und Armenpflege

Full text

516 
F’reussen. 
anheim zu fallen, in einer Gemeinde gewohnt hat, kann die Aufnahme 
in den Heimatsverband von der Aufenthaltsgemeinde verlangen, wenn 
er österreichischer Staatsbürger ist. Als Grundsatz der Armenpflege 
gilt, dass nur das Allernotwendigste gegeben werden soll, wenn möglich 
nicht in barem Gelde. Vollständig Erwerbsunfähige sollen thunlichst 
in Armenhäusern untergebracht werden, deren Errichtung den Gemeinden 
zur Pflicht gemacht ist. Ausser den Bezügen aus eigenen Fonds, aus 
Spenden etc. treten gewisse Gebühren hinzu, namentlich verhängte 
Geldstrafen, 1%, des Bruttoerlöses freiwilliger, öffentlicher Versteige- 
rungen, Abgaben von Vergnügungen ete. Keichen dieselben nicht aus, 
so kann die Gemeindekasse ergänzend herangezogen werden. Die Or- 
ganisation der öffentlichen Gemeindearmenpflege ist in den verschiedenen 
Kronländern nicht gleichartig geregelt, doch ist jetzt im allgemeinen der 
Gemeindevorstand und ein Gemeindeausschuss hiermit betraut, welcher 
aus ehrenamtlich gewählten Armenvätern besteht. In einzelnen Ländern 
besteht noch ein bestimmter Armenrat, in dem der Pfarrer als solcher 
Sitz und Stimme hat. 
Bezeichnend ist in der österreichischen Armenpflege die über- 
wicgende Geltung des alten Heimatsrechtes in der ursprünglichen 
Heimatsgemeinde und die wesentliche Erschwerung, an einem anderen 
Orte das Heimatrecht zu erlangen, da die Gemeinden freiwillig das- 
selbe nur ausnahmsweise erteilen. Auch in Oesterreich haben die 
Wanderungen in ausserordentlicher Weise zugenommen, so dass sich 
daraus nicht unbedeutende Schwierigkeiten ergeben. Die Statistik er- 
gab, dass auf 100 anwesende Gemeindcangehörige 1869 25,5 9% Ge- 
meindefremde kamen, 1880 41,2 %> 1890 53,6%, woraus sich die 
ausserordentliche Steigerung der Wanderungen ersehen lässt, In 
Wien betrugen 1890 die Fremden 65,2 °%o> in Prag 74,7 % , in Mar- 
burg a. D. 85,7% (Freiherr von Call H. d. St.). Es steht deshalb 
zu erwarten, dass auch das letzte Gesetz noch bald eine Modernisierung 
erfahren wird, 
In Preussen bezeichnet die Verordnung des Grossen Kurfürsten 
vom 18, November 1684 den Ausgangspunkt einer gewissen staatlichen 
Fürsorge für die Armen, indem die Gemeinden angehalten wurden, die 
Bedürftigen zu unterstützen, allerdings mit dem Zusatze, soweit das 
ırgend möglich sci, also unter der Voraussetzung, dass oft genug die 
zanzen Gemeinden zu arm sind, um Hilfe leisten zu können. Friedrich 
Wilhelm 1. erliess 1715 für die ganze Monarchie scharfe Strafbestim- 
mungen gegen das Betteln. und bestimmte zugleich, dass jede Stadt 
und jedes Dorf ihre Armen notdürftig zu versorgen habe, Wo den 
Gemeinden die ausreichenden Mittel fehlen, stellt der König seine er- 
gänzende Hilfe in Aussicht. 1725 wurden die Steuerräte mit der 
Aufsicht darüber betraut, dass die Gemeinden ihren Verpflichtungen 
in der Armenpflege nachkommen. Genauer bestimmt wurden unter 
Friedrich dem Grossen die Aufgaben der Armenpflege durch Verfügung 
von 1748, Eine eingehende Jegislatorische Ordnung des ganzen Ar- 
menwesens wurde dann 1794 durch das preussische Landrecht 
(Teil II, Titel 19) geschaffen. Das ganze Gesetz bringt die hu- 
mansten Anschauungen zur Geltung und hat nachhaltige Bedeutung 
yewonnen.
	        

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Volkswirtschaftspolitik. Fischer, 1902.
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