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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

98 Drittes Buch. Der' gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [556 
dem Gelde oder vielmehr den gesellschaftlichen Einrichtungen, wie sie durch das Geld 
mit der Arbeitsteilung und dem Verkehr erwuchsen. Man wird so allerdings zugleich 
jagen müssen, daß häufig das einseitige Lob des Geldes ebenso oder mehr der Arbeits— 
teilung, dem Verkehr, dem Handel, dem Kredit, den heutigen Gemeinde- und Staats— 
einrichtungen, die auf Geld basieren, zu spenden sei. Man wird nie vergessen dürfen, 
daß es sich hierbei um lauter große gesellschaftliche Institutionen handelt, für die das 
Geld eine, vielleicht oft nicht mal die wichtigste, jedenfalls nur eine neben zahlreichen 
anderen Vorbedingungen sei. 
Das dritte, was in die Augen springt, ist die Thatsache, daß der Geldverkehr die 
wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen unter einander in eine losere Form bringt; 
die einzelnen, die in Geldform sich berühren, rücken auseinander, ihre gegenseitige 
Beeinflussung und Abhängigkeit nimmt ab, sie treten in eine Art abstrakter Ferne zu 
einander, wie ich es öfter schon im ersten Teile bezeichnete. Aber dafür verbindet die 
Geldwirtschaft viel zahlreichere Menschen, macht große Organisationen und Betriebe, 
Vereine und Heere, Gemeinden und Staaten erst recht möglich. Ohne Geldwirtschaft 
ist weder der moderne Individualismus und die persönliche Freiheit, noch der moderne 
Großstaat mit seinen Finanzen, seiner Wirtschaftspolitik möglich. Wer diese zwei 
Refultate für große Fortschritte der Menschheit hält, muß auch dem Gelde als einem 
Mittel dazu seinen Dank zollen. So bekannt dieser Zusammenhang längst war, so hat 
ihn doch niemand bisher so geistvoll ausgeführt wie Simmel, dem ich im folgenden 
einzelnes entlehne. 
Alle naturalwirtschaftlichen Verhältnisse bedingten eine Verkettung von Person zu 
Person, eine starke, persönliche, gegenseitige Beeinflussung; sie konnte eine sittliche Hebung 
und Stützung bedeuten wie persönliche Abhängigkeit, innere Bereicherung wie Unfreiheit. 
Ihr bestes Beispiel ist die Art, wie sie in der Familie stattfindet. Der Herr und der 
Sklave, der Fürst und der Lehnsmann, der Gutsherr und der Bauer, der Meister und 
der Geselle waren zusammengekoppelt, der eine abhängig vom anderen im Guten und 
Bösen. Die Geldzahlung löst diese Bande mehr oder weniger, giebt ganze oder teil— 
weise Freiheit, wie sie am meisten der Käufer und Verkäufer, aber auch der Beamte, 
der Geldlohnarbeiter, der freie Bauer haben. Mit seinem Geldverdienst kann der 
einzelne nun wenigstens in den freien Stunden thun, was er will; mit Geld in der 
Hand ist jeder gleich, fühlt er sich unabhängig, auf sich gestellt; alle Geldkontrakte sind 
kurz, leicht löslich. Die Geldwirtschaft giebt die persönliche Freiheit und Unabhängig— 
keit, die Unkontrolliertheit, das ganz individuelle Für-sich-sein. In naturalwirtschaftlichen 
Beziehungen berührten sich Dutzende, in Geldbeziehung kann man zu Taufsenden stehen. 
Maͤn ist dann wohl auch von ihnen abhängig, aber nicht persönlich. Der Großstadtmensch, 
sagt Simmel, wird immer abhängiger von Ganzheiten und Allheiten, aber unabhängiger 
von Einzelheiten. Im Großbetrieb ist jeder Mitarbeitende vom Mechanismus der Technik 
abhängig, aber nicht so von einzelnen Personen wie in der Familie. Man hat immer 
wenigstens die Auswahl, die Möglichkeit des Ausweichens, am deutlichsten auf dem Markt, 
im Kundenverhältnis. Aber die Kehrseite ist auch, daß man sich viel weniger beeinflußt, 
daß man keine Rücksicht mehr nimmt, daß perfönliche Werte und sittliche Wechsel— 
wirkungen verloren gehen. Der Mensch wird halb zur Nummer im großen Geldverkehr; 
der Geldverkehr macht leicht rücksichtslos, schamlos, hart und egoistisch, treulos und 
zleichgültig, weil der Mensch die sittliche Verpflichtung des versönlichen gegenseitigen 
Gebundenseins nicht mehr so fuhlt. 
Damit kommen wir zum letzten Punkt, zu den großen sittlichen Schäden, die die 
Geldwirtschaft immer wieder mit ihren Siegen herbeiführt, die vielfach auch als wirt⸗ 
schaftliche Mißstände, als Notstände besonders der unteren Klassen sich zeigen. Indem 
das Geld das begehrteste und allmächtigste wirtschaftliche Gut wird, dasjenige, was fast 
jeder heute, um leben zu können, sich verschaffen muß, wird es für viele aus einem 
dienenden Mittel zum Selbstzweck, ja zu dem alle anderen Lebenszwecke in den Hinter— 
grund drängenden, alle Bande der Moral, der Sitte, des Rechts sprengenden Ziele des 
Strebens; es ist unbegrenzt umlaufbar, giebt Genuß und Macht wie nichts sonst,
	        

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