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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

Die Entstehung von Vermögen und Kapital. 175 
zuerst vom Kapital, nachher von der Arbeit, oder vielmehr von den Fragen, Institutionen 
und Werterscheinungen, die sich an sie knüpfen. 
In Bezug auf das Kapital muß uns zuerst seine Entstehung kurz beschäftigen; 
dann der Sprachgebrauch in Bezug auf die Begriffe Kapital und Vermögen; drittens 
die Versuche einer Größenmessung des Kapitals; ehe wir weiter gehen, besprechen wir 
die einzelnen Formen der Kreditgeschäfte, welche die Kapitalbewegung und -verwertung 
beherrschen; dann erst können wir das Wesen des Kredits erörtern, die rechtsgeschichtliche 
Entwickelung des zinsbaren Darlehens (die Geschichte des Wuchers) und die philosophisch— 
aationaldkonomische Begründung der Kapitalrente und zuletzt die thatfächliche Höhe 
derselben, den Zinsfuß, ihre Bewegungen und Ursachen darstellen. 
Wir fragen also zuerst. wie entstand das Kapital, der Vermögensbesitz. Müssen 
wir dabei an manches früher Gesagte anknüpfen, einiges wiederholen, so ist ein ein— 
leitendes Wort über diesen Punkt hier doch nicht zu vermeiden, da durch die eigen— 
tümliche Verschlingung individuellen Handelns und gesellschaftlicher Prozesse bei dem 
Vorgang der Kapitalbildung so viele Irrtümer und Zweifel entstanden sind. 
Die Menschen mußten einerseits denken, sich selbst beherrschen, die Zukunft in 
Rechnung ziehen lernen, um Vorräte aller Art für den folgenden Tag, den Winter, 
die folgende Generation anzusammeln; fie mußten andererseits technische Fortschritte 
machen, um mit derselben Arbeit mehr zu schaffen, um die Vorräte zu konservieren, 
um mit besseren Werkzeugen und Maschinen, auf melioriertem Boden mehr zu erzeugen, 
als sie für den Augenblick brauchten. Sobald die ersten großen wirtschaftlichen Fort— 
schritte gemacht waren, handelte es sich um die doppelte Aufgabe, die Vorräte für 
direkten Verbrauch und die Produktionsmittel für bessere Arbeit anzusammeln, zu ver—⸗ 
mehren. Und sobald aus der Eigenwirtschaft durch Arbeitsteilung und Markt die Ver— 
kehrswirtschaft mit Geldpreisen entstanden war, handelte es sich nicht bloß um die 
GBebrauchsvorräte und Produktionsmittel, sondern auch um ihren Geldpreis, zu dem sie 
berwertet, ge- und verkauft werden konnten, und um die Wertwechsel, die einzelne und 
zanze Klassen bald bereicherten, bald schädigten. 
Es handelte sich zunächst bei all' dem um die Ausbildung bestimmter Eigenschaften, 
um einen langsamen Erziehungsprozeß; einzelne Individuen, Familien und Stämme 
hatten die Eigenschaften mehr, entwickelten fie rascher. Die fähigsten, klügsten, kräftigsten 
sammelten größere Vorräte, schufen bessere Produktionsmittel. Sie kamen am raschesten 
voran, wenn sie zugleich kriegerisch und politisch organisiert, sich gegen Feinde aller Art 
besser als andere schützen konnten. Sie erzielten sehr viel mehr, wenn sie früher als 
andere das Zusammenarbeiten mehrerer in Stamm, Geschlecht, Familie, Gemeinde, Unter—⸗ 
nehmung und Staat erlernten und die Formen und Institutionen, in welchen das 
geschah, ausbildeten. Diese Organisation wurde mit steigender Kultur ein Hauptmittel, 
die Vorräte zu häufen, die Produktionsmittel ergiebiger zu machen. 
Die wirtschaftlichen und technischen wie die organisalorischen Vorzüge der Familien 
und der Stämme blieben meist jahrhunderte- und jahrtausendelang das Erbe der Nach— 
kommen; sie gingen erst sehr langsain, erst mit höherer Kultur, in gesitteten Ländern 
mit dem heutigen völkerrechtlichen Verkehr rascher und leichter auf andere niedrigere 
Raffen, auf zuͤrückgebliebene Stämme und Klassen über. Und so ist noch heute in 
ledem Lande, in jeder Völkergesellschaft eine weit auseinander liegende Stufenreihe von 
Menschen vorhanden, die in all' den Eigenschaften, welche zur Kapitalbildung führen, 
anendlich weit von einander abstehen: in der Sparsamkeit und Voraussicht, in der 
Produktionsfahigkeit, in den technischen und organisatorischen Fähigkeiten. Je höher 
nun aber die wirtschaftliche Kultur steigt, die Gejfellschafts- und Eigentumsverfassung 
ich kompliziert, desto mehr wird die Kapitalbildung der Individuen und Klassen nicht 
nehr bloß sich nach den perfönlichen Unterschieden differenzieren, sondern die Rechts— 
and Wirtschaftsinstitutionen, sowie die großen, ganze Epochen beherrschenden Wert— 
crãnderungen auf dem Markt werden darauf einwirken; die Gerechtigkeit und Un— 
rrdtigteit der gesellschaftlichen Einrichtungen, sowie die Gunst der wirtschaftlichen 
usammenhänge wird die Kapitalbildung dem'einen leichter, dem andern schwerer machen.
	        

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