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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

200 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [1658 
platzenden starken Interessengegenfätzen die volle Ausbildung der kirchlich-kanonistischen 
Wucherlehre, die in dem Verbot aller Zinfennahme gipfelte, und der Versuch, sie auch 
im weltlichen Recht zur vollen Herrschaft zu bringen. Die Juden hatten, als dem christ⸗ 
lichen Verbot nicht unterworfen und von Bischöfen und weltlichen Herren vielfach als 
Förderer des Geld- und Kreditverkehrs privilegiert, das Darlehens- und Pfandgeschäft 
am meisten betrieben, aber auch durch betrügerische Praktiken die unteren Klassen damit 
sehr ausgebeutet. UÜberhaupt hatten die verschiedenen Arten der Kreditgeschäfte zunächst 
in den breiten Schichten halbkultivierter, roher Menschen mehr Unheil angerichtet als 
genützt. Die Klagen über die Mißbräuche und Verschuldung ertönten so laut, 
revolutionäre Bewegungen gegen die Gläubiger, Judenverfolgungen und -verbrennungen 
(1096 — 1400), brutale Kassationen der Judenschulden, bald im Interesse der vornehmen 
Herren, bald in dem der kleinen Leute, waren so häufig, daß die regierenden Gewalten 
und das Recht gezwungen waren, dazu Stellung zu nehmen. Die katholische Kirche ging in 
den Konzilienbeschlüssen von 1179, 1275 und 1311 zur vollen Konsequenz ihres Stand— 
punktes voran; sie belegte alle Wucherer, d. h. Zinsennehmer, schlechtweg mit den höchsten 
Kirchenstrafen, erklürte alle entgegenstehende weltliche Gesetzgebung für nichtig, nötigte 
diese mehr oder weniger zur Nachfolge. 
Die revolutionären Bewegungen gegen die Gläubiger von 1200 - 1500 wie diese 
schroffe kirchliche Lehre sind die Parallele zu dem, was Solon, was das Zwölftafelgesetz, 
die lex genucia beabsichtigte. Aber die Kirchenlehre griff viel tiefer ein, die germanische 
Welt war eine andere, der Erwerbstrieb und das Kreditwesen war damals auch noch 
weniger entwickelt als im Altertum, die Kirche war eine unendlich größere Macht als 
die wenigen griechischen und römischen Gesetzgeber, welche in ähnlichem Sinne hatten 
eingreifen wollen. Freilich das Zinsennehmen konnte auch die Kirche nicht plötzlich 
wieder allgemein beseitigen; aber sie beschränkte die Kreditentwickelung auf dem platten 
Lande, sie gab allen Kreditformen Schranken und Gestalt, sie wirkte auf die Zinshöhe 
und die Darlehensbedingungen ein. Sie erzeugte in der kanonistischen Litteratur des 
183. — 16. Jahrhunderts die theoretisch-juristische Grundlage, auf der das ganze Kredit— 
wesen sich entwickelte. Es ist daher gründlich falsch, diese ganze Kirchenlehre darzustellen 
als einen groben Irrtum über das Wesen des Kapitals und des Kredites und als ein 
vergebliches Ankämpfen gegen die angeblichen Gesetze der Volkswirtschaft. So viel die 
Kirche dabei theoretisch und praktisch im einzelnen irrte, so wahr bleibt das Wort von 
Knies, die Aufnahme des Kampfes gegen den Wucher gehöre zum Rühmlichsten, was 
über die Sinnesrichtung und Absicht von der Kirche des Mittelalters zu rühmen sei. 
Auch praktisch verfuhr sie nicht so einseitig, wie ihre liberalen Gegner heute oft meinen. 
Wie schon Accursius (1220 -5 1260) und Thomas von Aquino das Zinsennehmen 
unter gewissen Bedingungen genehmigt, wie dann spätere Kanonisten den Zins gestattet, 
wenn der Gläubiger einen Gewinn hätte machen können, oder wenn der Schuldner in mora 
sei, so hatte Martin V. den Rentenkauf gebilligt (1425), da ein auf nutzbares Eigen— 
tum radiziertes Darlehen gleichsam einen Teil von deffen natürlicher Rente überträge; 
Paul de Castro (4 1441) hatte gelehrt, daß bei Darlehen zwischen Kaufleuten ein 
entgangener Gewinn stets anzunehmen sei, und er hat damit die geistlichen Gerichte Roms 
beherrscht. Die Zinsen für Gemeinde- und Staatsanleihen hatten die Billigung der 
Kanonisten nach und nach gefunden. Auch andere Kreditverträge wurden im Laufe des 
15. und 16. Jahrhunderts von der Kirche genehmigt; und wenn Luther und später 
die Gegenreformation vorübergehend wieder auf den extremen Standpunkt jeder Kredit— 
verurteilung zurückgriffen, so hatte das praktisch keine Bedeutung. Melanchthon und 
Calvin hatten sich den gemäßigten Kanonisten genähert. Die berechtigten Kreditgeschäfte 
wurden so ziemlich überall gegen 1300 —1600 anerkannt, aber sie hatten sich zugleich 
so gestaltet, wie es im einzeinen dem praktischen Bedürfnis, den konkreten Menschen 
und den socialen und politischen Anschauungen der christlichen Welt entsprach. Dazu 
wirkten die wachsende Kapitalbildung, die entstehenden Kreditorgane wesentlich mit; das 
Sinken des Zinsfußes ermöglichte oder erleichterte die Durchführung der gesetzlichen 
Zinsmaxima. Aber die Kapitalbildung und die natürliche Bewegung des Zinsfußes
	        

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