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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

669) Die Nachfrage nach Kapital. Das Sinken des Zinsfußes. 211 
bildung ermäßigt den Zinsfuß, jeder neue Aufschwung der Volkswirtschaft hebt ihn 
wieder. Aber im ganzen bleibt er, je höher die Kullur steigt, ein finkender. Vor 
allem mit der Vervollkommnung der Kreditorganisation, die wir im nächsten Abschnitt 
betrachten, macht fich diese Tendenz geltend und kommt allen Kreisen zu gute. 
Das dauernde Sinken des Zinsfußes ist einer der größten socialen Fortschritte. 
Gewiß erschwert er daneben etwas das Leben von der Rente allein; das ist aber für 
alle Gesunden und Kräftigen nur ein Glück; für die Alten und Kranken kann und 
wird immer mehr durch Versicherung gesorgt werden. Die Hauptsache aber ist, daß 
finkender Zinsfuß abnehmende Macht des Kapitals, steigende Macht der Arbeit bedeutet; 
diese Folge kann stets wieder dadurch gehemmt werden, daß die Reichen noch größere 
Kapitalmassen als früher erwerben. Aber auch das hebt eine andere günstige Folge 
nicht auf, nämlich daß mit sinkendem Zinsfuß der Kredit allen tüchtigen Leuten die 
eichtere Möglichkeit bietet, sich selbständig zu versuchen. Noch eine weitere mögliche 
Kehrseite des sinkenden Zinssußes ist zu erwähnen. Wo er zeitweise eintritt und inen 
unbeschäftigten Kapitalüberfluß anzeigt, da kann er zu leichtsinnigem Kreditgeben, zu 
falschen Neugründungen, zu Schwindel und Spekulation führen. Wo er dauernd in 
einem wohlhabenden Staale sich zeigt, kann er ein Zeichen sein, daß die ganze Volks— 
wirtschaft zu einem behäbigen, ja indolenten Stillstand gekommen ist, wie in den Ver— 
einigten Niederlanden des 18. Jahrhunderts. Aber auch ein längeres Sinken des 
Zinses erzeugt keineswegs notwendig die Stagnation, wie wir daran jehen, daß es von 
1820-1845 in England, Frankreich und Deutschland der Ausgangspunkt für den 
zrößten volkswirtschaftlichen Aufschwung wurde. 
Was wir oben (II S. 109 ff.) über die Wirkung der meßbaren Größenverhältnisse 
von Angebot und Nachfrage sagten, gilt auch für den Kapitalmarkt und den Zinssatz; 
fie wirken, aber nicht mechanisch; die Menschen, die Stimmungen derselben, ihre Macht— 
verhältnisfse und Kenntnisse, die jeweilige Kreditorganisation und ⸗gesetzgebung wirken 
auf die Bethätigung von Angebot und' Nachfrage 'und damit auf die Zinshöhe ein. 
Wie die gesetzlichen Zinsmaxima Jahrhunderte lang von Einfluß waren, so ist es heute 
die Zinspolitik der Staaten; ihre Zinsreduktionen haben ties in die Bewegung des 
Zinsfußes eingegriffen, ähnlich wie die Diskontopolitik in die des kaufmännischen Zins⸗ 
fußes; natürlich nie so, daß sie die Größenverhältnisse wesentlich ändern, aber stets so, 
daß sie an sich vorhandene Bewegungen verlangsamen oder beichleunigen, in ihrem 
Umfang modifizieren konnten. 
.1893. Der kaufmännische oder Bankzinsfuß ist neben dem landes— 
üblichen selbständig zu betrachten, weil er wohl eine mit ihm zusammenhängende und 
don denfselben allgemeinen Ursachen beherrschte Bewegung hat, aber doch im einzelnen 
fich als etwas Selbständiges darstellt, häufig in entgegengefetzier Richtung sich bewegt. 
Die Ursache dieser Selbständigkeit ist einfach: die große Masse des Kapitals ist 
mehr oder weniger dauernd der Materie nach in Grundstücken, Fabriken, Geschäften 
aller Art, der Form nach in Effekten, Hypothekenbriefen oder sonstwie angelegt. Nur 
ein Teil des nalionalen Kapitals befindet sich in Geldform in den Händen der Kauf— 
lente und Banken, welche die Kreditgeschäfte besorgen, die kurzen Zahlungs- und Be— 
triebskredite (Wechsel Lombarde, Buchkredit u. s. w.) geben. Je mehr der Kredit sich 
ausgebildet hat, ein desto größerer Teil alles neugebildeten Kapitals sammelt sich zuersi 
in den Banken, in die so stets neue Zuflüsse kommen, die daneben immer wieder von 
ihrem Kapital erhebliche Teile zu festen Anlagen abgeben, aber einen Grundstock be— 
weglichen Kapitals fur ihre Geschäfte behalten müssen. So bildet das Bankkapital 
— ein Reservoir für sich, in das siets das neue und das wieder frei werdende 
Kapital strömt, aus dem einerseits die kurzen Kredite gegeben, wovon andererseits das 
u neuen festen Anlagen gebrauchte Kapital abfließt; das Bankkapital ist so mit dem 
viel größeren Reservoir des allgemeinen Kapitalmarktes der festen Anlagen auf das 
Atnnigiachste verbunden; aber die Verbindung ist doch keine solche, daß die Zu— und 
nahme beider Kapitalgruppen eine übereinstimmende sein müßie. In Zeiten der 
5
	        

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