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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

222 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. 680 
politische und wirtschaftliche Liberalismus forderte und erreichte da und dort die mög— 
lichst weitgehende Bank- und Notenfreiheit; die öffentliche Meinung trat ihm nicht bloß 
aus allgemeinen Gründen, sondern auch deshalb bei, weil sie nur so glaubte, zu einem 
ausgebildeten kaufmännischen Kreditsystem zu kommen; die privaten Bankierkreise forderten 
dasselbe, weil sie die privilegierten Notenbanken um die großen Gewinne des Zettel— 
geschäfts beneideten; sie wiesen immer wieder auf die Vorzüge eines decentralisterten 
Bankwesens, auf die Fehlgriffe und Bankbrüche vieler älterer großer Banken hin, be— 
tonten, daß diese nur dem Staatskredit, der Hauptstadt, den großen Geschäften, nicht 
der gesfamten Geschäftswelt dienten. 
Und doch trat bald wieder, in England seit 1840, in den meisten anderen Ländern 
seit 1830—-1870 ein Umschwung in Bezug auf diese Theorie der Notenfreiheit und der 
Begünstigung zahlreicher kleiner Notenbanken ein. Frankreich und Preußen, Osterreich 
und Rußland haben durch die Sirenengesänge der Bankiers und Gründer über die 
Notenfreiheit nie sich verführen lassen. Fast überall, wo man durch Zettelfreiheit die 
Zahl der Privatbankiers und kleinen Aktienbanken rasch künstlich vermehrt hatte, waren 
nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten große Mißstände eingetreten. Von 1790 bis 
1800 und später brachten immer wieder alle paar Jahre Hunderte von Bankerotten 
Aeiner Zettelbanken Tausende um Hab und Gut. In England hatten 1792 etwa 100, 
1816 240, 1825 70 Landbanken ihre Zahlungen eingestellt, allerdings ebenso durch 
reichtsinnige Verwaltung ihrer Depositen wie durch die große Notenausgabe. In den 
Vereinigten Staaten zählten 1814, 1818, 1821, 1837, 1889 und 18857 die Bankbrüche 
je nach Hunderten. Auch auf dem Kontinent Europas war es zeitweise mit der Thätig— 
keit der kleinen Notenbanken schlimm genug, während sie sich freilich daneben in 
Schottland und Schweden bewährt hatten. Und so war es kein Wunder, daß man 
allerwärts auf Grund dieser handgreiflichen Erfahrungen mehr und mehr den größeren 
und speciell den centralisierten Notenbanken sich zuwandte, welche mit Staats- oder 
Aktienkapital arbeitend einer weitsichtigen nicht allein auf Gewinn bedachten, im Ge— 
samtinteresse erfolgenden Leitung mehr und mehr unterstellt wurden. 
Um den Sieg dieser Tendenz zu erklären, ist ein Wort über das Wesen der 
Notenbank und über die nach und nach sich im 19. Jahrhundert ausbildende Noten-— 
bankgesetzgebung nötig. 
Die Notenbank ist eine Anstalt, die als Staatsinstitut, Korporation, Aktien- oder 
andere Gesellschaft ein eigenes Kapital besitzt, das ihren Gläubigern haftet; sie sucht 
daneben durch Notenausgabe, durch Depositen und Giroeinlagen im Kontokorrent oder 
auch in Form von Obligationen weiteres Kapital, oft das mehrfache ihres eigenen, 
kreditmäßig heranzuziehen; sie leiht nun den größeren Teil dieses ganzen Kapitals auf 
bestimmte Termine aus, während nur ihr eigenes ihr gar nicht, das fremde meist in 
kürzeren Terminen entzogen werden kann. Je mehr sie sich ihr disponibles Kapital 
aur durch Noten und käglich kündbare Depositen schafft, desto mehr darf sie felbst auch 
nur ganz kurzen Kredit geben. Sie thut es hauptsächlich in der Form der Wechsel— 
diskontierung und des Lombardgeschäftes, womit sie Kredit auf wenige Tage, Wochen 
oder Monate giebt; kauft sie fremde gute Wechsel aus Ländern mit geordneter Valuta, 
so stehen sie fast dem baren Gelde gleich. Schon das Lombardgeschäft darf sie nicht 
so ausdehnen wie das Wechselgeschäft, weil selbst die besten verpfändeten Effekten nicht 
'o leicht und so sicher zu verkaufen sind wie gute Wechsel. Giebt sie aber gar längeren 
Kredit an Staat, Korporationen, Fabriken und andere Geschäfte, legt sie einen erheblichen 
Teil des ihr anvertrauten fremden Kapitals in nicht leicht verkäuflichen, im Kurs 
schwankenden Effekten, in Aktien oder gar in Hypotheken, Grundstücken, Industrie— 
geschäften an, so kann sie durch Rückströmen ihrer Noten und Kündigung ihrer Depositen 
dei jeder kleinen Geschäftsstockung in große Verlegenheit kommen. Stets muß sie einen 
größeren Barvorrat halten, um den augenblicklichen Rückforderungen gegenüber gedeckt 
zu sein. Die Zu- oder Abnahme des Barvorrats an sich und im Verhältnis zu den 
kurzfälligen Verbindlichkeiten ist der wichtigste Punkt in der Bankleitung. In Zeiten 
der Geschäftsstille, wenn keine ftarke Nachfrage nach Kredit ist, füllt sich die Bankkasse,
	        

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