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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

278 Drittes Buch. Der gefellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [736 
Man hat nun oft gesagt, Arbeitgeber und Arbeiter müßten heute als Gleiche 
oder Gleichberechtigte einander gegenüber stehen oder treten. Es fragt 
fich, was man unter diesen Worten versteht. Beide Teile ganz gleich machen wollen, 
heißt Entwickelungsreihen von Jahrhunderten auslöschen. Wie sollten beide Gruppen 
der Gesellschaft ploͤtzlich gleich in Fähigkeiten, Bildung, Besitz, körperlichen und geistigen 
Eigenschaften, Beruf und Thätigkeit gemacht werden? Und wenn sie also materiell 
ungleich bleiben, wenn ihre Funktion und Thätigkeit, ihr Einkommen und ihr Besitz 
ein verschiedener bleibt, so kann auch die Gleichberechtigung nur einen beschränkten 
Sinn haben; sie kann nicht bedeuten, daß Unternehmer und Arbeiter sich in die Leitung 
teilen, daß etwa beide Teile abwechselnd befehlen und gehorchen sollen. Das Arbeits- 
verhältnis ist ein Dienst und wird ein solcher mit Disciplin und Gehorsam für die 
ausführenden Kräfte bleiben; der Unternehmer muß als letztes Mittel der Disciplin die 
Entlassung behalten. Das wird auch dadurch nicht wesentlich anders, daß er verspricht, 
die einzelnen nicht wegen ihrer Teilnahme an Gewerkvereinen zu entlassen; auch— 
dadurch nicht, daß in Industrien mit hochentwickelter beiderseitiger Organisation der 
Arbeitgeber und ⸗nehmer, die Spitzen dieser Organisationen, die sachverständigen und 
marktkundigen Beamten heider Teile über Größe der Produktion, über Neueinführung 
technischer Methoden und Ahnliches verhandeln und sich einigen. Nicht die Arbeiter des— 
einzelnen Betriebes erhalten damit eine Nebenregierung, die überwiegend unfähig bliebe, 
sondern eine fähige Gesamtvertretung der Arbeiterschaft erhält einen gewissen beschränkten 
Einfluß auf einige Fragen, von denen die Lohnhöhe mit abhängt. 
Im übrigen ist unter der oft besprochenen Gleichberechtigung beider Teile im 
ganzen nichts anderes zu verstehen, als daß die Unternehmer die Arbeiterorganisationen 
dulden, anerkennen, mit ihnen verhandeln, und daß sie dabei die Arbeitervertreter so⸗ 
göflich behandeln, wie sich Käufer und Verkäufer auf dem Markte zu begegnen pflegen. 
Die Unternehmer müssen aufhören, die Forderung einer Lohnerhöhung oder der Kürzung, 
der Arbeitszeit als Insubordination zu behandeln. Sie müssen den Arbeitern mit den 
Formen der Achtung, der Rückfichtnahme, der Menschlichkeit gegenübertreten, wie sie 
heute überhaupt zwischen den verschiedenen Klassen, die auf einander angewiesen sind, 
die Vorausfetzung des Geschäfts- und des Verfafsungslebens, des gefellschaftlichen 
Friedens sind. Wo Vertreter der Arbeiter und Unternehmer über Lohn- und Arbeits- 
bedingungen verhandeln, gemeinsam in Gewerbegerichten und Einigungsämtern sitzen, 
gleichberechtigt bei Enqueten vernommen werden, wo Arbeiter bei der Kontrolle der 
Arbeiterschutzgesetze, in der örtlichen Selbstverwaltung mit den höheren Klafsen zusammen— 
wirken, wo vollends beide Teile sich zu gleitenden Lohnskalen, zu Gewinnbeleiligungs— 
verträgen zusammenfinden, wo Minister, wie Rosebery, sie zu gemeinsamen Frühftücken 
einladen, da tritt die mit Recht geforderte Gleichberechtigung am deutlichften in die 
Augen. Sie schließt nicht aus, daß die Arbeiter das Maß von Unterordnung, Dis— 
riplin, Gehorsam, Treue und Hingebung behalten und immer wieder erlernen, ohne 
das große Organisationen nicht möglich sind. Sie werden diese Eigenschaften in dem 
Maße leichter erwerben, als sie richtig behandelt werden, einen legitimen Einfluß auf 
die Arbeitsbedingungen erhalten, als sie den Druck und die Disciplin als notwendigen 
Bestandteil der heutigen großen Geschäftsorganisationen überhaupt erkennen, und als 
sie durch die richtige Freiheit in ihrer dienstfreien Zeit, durch die Freiheit, die sie als 
Staatsbürger, als Konsumenten genießen, für den Druck im Geschäft entschädigt werden. 
Ein gewisses Vorbild, wie Derartiges möglich sei, sehen wir an den heutigen 
öffenthichen Berufsbeamten, deren Rechtsstellung und wirtschaftliche Sicherung die 
letzten vier Jahrhunderte ausgebildet haben, und an den höheren Beamten der großen 
Unternehmungen, deren Entstehen und Wachstum wir sebst erlebt haben; ihre Arbeits— 
verträge bilden trotz aller Unvollkommenheit, trotz ihrer berechtigien Klagen doch ein 
Mttuding zwischen dem öffentlichen Beamtenrecht und dem Arbeitsrecht der Lohn— 
arbeiter. 
Der öffentliche Beamte steht unter einem Arbeitszwang und einer Arbeitspflicht, 
einer Kontrolle und strengen Disciplin wie jeder Arbeiter; sein Vorzug vor dem
	        

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