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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

739) Vertrags- und Kündigungstermine. Arbeitslöhne, Kontraktbruch. 281 
also 8 tägige Lohnzahlung passend sein. Höher stehende Arbeiter vertragen 14tägige, 
ja monatliche Lohnzahlungen, weil sie mit dem Geld umzugehen wissen; solche langen 
Termine sparen zugleich dem Unternehmer Geschäftskoften. Die Auszahlung am 
Sonnabend, wie sie bisher überwiegend üblich ist, entspricht dem Wochenende, giebt 
die Möglichkeit, wenigstens am Sonntag besser zu leben, verführt aber zu unnötigen 
Ausgaben, zu Trunk, ja zur Verschwendung. Deshalb zahlen manche Arbeitgeber in 
der Mitte der Woche, ost auch je einzelnen Teilen der Arbeiter an verschiedenen Wochen- 
tagen, was auch günstig auf die Sparsamkeit wirkt. 
b) Form des Vertragsabschlusses, Kontraktbruch. Gewohnheits— 
rechtliche, ceremonibse Formen des Vertragsschlusses sowie der Kündigung und Endigung 
des Arbeitsvertrages gab es, je weiter wir zurückblicken desto mehr. In jenen Zeiten 
stürkerer Leidenschaften, geringen Verkehrs, formalistischen Rechtes überhaupt glaubte 
der Meister nur so sich die Arbeitskräfte sichern zu können, der Geselle nur so sich ge— 
bunden. Der Handwerksgeselle erhielt seine Stelle durch Umschau des Altgefellen, er trat 
mit feierlich abgemessenen Worten seine Pflicht an; später wurde üblich, Geburtsbrief 
und Lehrlingsbrief dabei zu übergeben, auch schriftliche Kundschaft, wo er zuletzt 
gearbeitet, und daß er in Ordnung geschieden. So wurde es üblich, daß in manchen 
Bewerben, auch im Bergwerksbetrieb, jede Entlassung durch einen Schein obrigkeitlich 
bestätigt wurde, und kein Arbeitgeber Leute ohne solchen annahm. Durch Zusammen— 
heften dieser Entlaßscheine entstanden im Polizeistaat von 1780 — 1800 die Arbeits- 
und Wanderbücher, die, beim Arbeitgeber niedergelegt, diesen gegen Kontraktbruch 
schützen sollten, und auch sonst polizeiliche Zwecke verfolgien, die Arbeiler in Zucht und 
Ordnung, aber auch in Abhingigkeit erhalten sollten. Der Selbständigkeitstrieb der 
heutigen Arbeiter hat gegen die Ärbeitsbücher sich erhoben, ihre Abschaffung nicht 
überall, aber überwiegend erreicht. Sie bestehen in Deutschland noch für das Gesinde, 
für minderjährige Arbeiter; die sogenannten Abkehrscheine bestehen noch für die Berg— 
arbeiter. Soweit die Formlosigkeit des mündlichen Vertrags abschlusses sowie der 
Kündigung und Vertragsendigung gefiegt hat, ist sie der Beweglichkeit der Arbeiter 
und der Geltendmachung ihrer Ausprüche zu gute gekommen; sie hat aber auch den 
Kontraktbruch vermehrt wie die Neigung, nur Rechte ohne Pflichten anzuerkennen. 
Sie hat ausschließlich gunstige Folgen nur da gehabt, wo ꝛin höher stehender Arbeiter— 
stand durch andere moralische Potenzen, etwa auch durch die Gewerkvereine selbst, zur 
regelmäßigen und pflichttreuen Erfüllung der Verträge veranlaßt wird, wo es sich um 
jeste Sitten und klaren Inhalt der Verträge handelt. 
Daher heute so mannigfach der Ruf nach polizeilicher Erzwingung vertrags— 
mäßiger Arbeitsleistung und nach krimineller oder polizeilicher Bestrafung'des Ver— 
tragsbruches der Ärbeiter von seiten der Unternehmer. Solche Strafen bestanden 
früher ziemlich allgemein; sie waren ein Ausdruck des Herrschaftsverhältnisses, sie 
waren ein Bedürsnis, um die rohen, ungebildeten Massen in Zucht und Ordnung zu 
halten. Die neuere Zeit hat sie zum größeren Teil beseitigt. Die Humanität, die 
Rechtsgleichheit, der demokratische Zug der Zeit hatte daran ebenso Anteil wie das 
geringere praktische Bedürfnis und die steigende Gesittung der unteren Klassen. Es ist 
natürlich, daß sich diese Aufhebung in Zeiten starker Nachfrage nach Arbeit und trotzig 
wachsenden Selbstgefühls der Arbeiter nicht ohne weiteres bewährte, daß oftmals indivi— 
dueller und Massenkontraktbruch die Unternehmer schädigte. Trotzdem ist eine Rückkehr 
zu solchen Strafen, wo sie beseitigt sind, nicht zu empfehlen. Sie bestehen aber noch in 
Deutschland für ländliches Gesinde und Matrosen, in England für vorsätzlich böswillige 
Kontraktbrüche, welche Menschenleben gefährden, fremdes Eigentum der Gefahr der 
Zerstörung oder ernstlichen Schadens aussetzen. UÜber die Grenzen, innerhalb welcher 
o ausnahmsweife eine Bestrafung des Kontraktbruches beizubehalten sei, wird einerseits 
die Gefittung und der Rechtssinn der Arbeiter, andererseits die besondere Bedeutung 
der zu schützenden Interessen entscheiden. 
„.. Eine neue Schriftlichkeit nicht des Vertragsabschlusses, aber der wichtigsten Be⸗ 
dingungen des Arbeilsbertrages liegt in den stets schriftlich fixierten Tarifverträgen, in
	        

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