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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

334 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverkeilung. 792 
dieser Organe hat nur günstig gewirkt. Der Staat kann wie in Belgien gewisse 
Armenanstalten direkt in die Hand nehmen, so die Anstalten für Arbeitsscheue, für 
Alte und Gebrechliche, für die Zwangserziehung verwahrloster Jugend (letztere in Däne— 
mark). Er wird überall, wo die Gemeindemittel und die der anderen groͤßeren Selbst⸗ 
verwaltungskörper nicht ausreichen, mit Zuschüssen eingreifen müssen. 
Diese letzteren übernahm am besten die Pflege der Geisteskranken, wie in Frankreich 
das Departement, in Preußen teilweise die Landarmenverbände; oft so, daß die Ge⸗ 
meinden für ihre Untergebrachten gewisse Zuschüsse geben; in Frankreich tritt das 
Departement auch für die verlassenen Kinder ein. Auch für Blinde, Taubstumme, 
Idioten, Sieche forgen teilweise besser größere Bezirke. Die ganze Tendenz, größeren 
Verbänden und dem' Staate eine intensivere Rolle im Armenwesen zuzuweisen, ist in 
England, Frankreich, Belgien, Dänemark, der Schweiz, selbst in den Vereinigten Staaten 
bereits weiter entwickelt als in Deutschland. 
Die Vereins- und kirchliche Armenpflege muß, wo die öffentliche Armenpflege 
normal entwickelt ist, sich darauf beschränken, die Lücken dieser auszufüllen; wenn die 
oöffentliche Pflege die äußerste Not nach festen Regeln unterstützt und beseitigt, so muß die 
private nach Prüfung der Personen, mit noch größerer Individualisierung, nach Lage der 
Verhältnisse und stets in Kenntnis der öffentlichen Unterstützungen das thun, was nun 
noch fehlt, um den Armen zu helfen und sie wieder emporzurichten. Sie muß den 
noch nicht ganz Verarmten, welche keine öffentliche Unterstützung erhalten können, bei⸗ 
springen, die verschämten Armen über Wasser halten. Wo die verschiedenen Organe 
nicht zusammenwirken, entsteht Unheil, wird die Bettelei groß gezogen. Aus den 
Niederlanden wird geklagt, daß in jeder Stadt 426 verschiedene Organe, Stiftungen, 
Vereine u. s. w. bestehen, die ganz unabhängig von einander vorgehen. Je größer die 
Mittel der Privaten, Vereine, Stiftungen sind, desto schlimmer wirkt solche Zersplitterung. 
In England und Deutschland hat man neuerdings vielfach geholfen, 1. indem man 
dieselben Personen an die Spitze der öffentlichen und der übrigen Armenpflege brachte, 
2. indem man alle Organe zu einer Centralarmenbehörde örtlich vereinigte oder 
3. wenigstens durch Meinungsaustausch, gemeinsame Auskunftsstellen für gegenseitige 
Kenntnisnahme des Geschehenden sorgte. — 
Mit all' dem ist man auch heute noch weit entfernt von einer guten, vollendeten, 
in ganzen Staaten gleichmäßigen Armenpflege, so große Fortschritte auch gemacht 
wurden. In Italien herrschen noch mittelalterliche Zustände; in Frankreich ist man 
die Bettlerplage nie los geworden; die englische Armenpflege ist in manchem muster⸗ 
haft, aber sie ist bureaukratisch, wirkt nicht erziehlich. Eine falsche Verwendung über— 
reicher Stiftungsmittel findet noch vielfach statt. Das ganze Problem bleibt ein 
unsagbar schwieriges, was in der Natur der Armenunterstützung und ihrer gesellschaitlich— 
staatlichen Organisation liegt. Die Armenunterstützung soll nur in der äußersten Not 
zegeben werden; sonst vernichtet sie die Selbstverantwortlichkeit, das Ehrgefühl, die 
Energie. Sie soll stets so gegeben werden, es sollen ihr solche Nachteile (Verlust des 
Wahl- und anderer Ehrenrechte, Entbehrungen, wie sie das Armenhaus auferlegt) 
anhaäften, daß der Tüchtige strebt, sie wieder los zu werden, daß der freie gesunde 
Arbeiter nie auf den Gedanken kommt, er könnte auch Armenhülfe nachsuchen, könnte 
seine Kinder einer Armenanstalt übergeben. Es soll gegenüber den Hunderten und 
Tausenden, welche um Unterstützung bitten, gerecht, gleichmäßig streng, sparsam ver—⸗ 
jahren werden. Es handelt fich also um eine große Summe schwieriger, diskretionärer 
Entscheidungen von Hunderten von Beamten, Behörden, Organen, welche in möglichster 
Übereinstimmung erfolgen sollen. Geben die Organe der Armenpflege zu leicht, so 
wächst, die Last ins ungemessene und unerträgliche, und man zerstört zugleich die 
noralischen Eigenschaften der Unterstützten, zieht ein Proletariat von Bettlern heran. 
Ist man zu strenge, haftet zu drückende Disciplin, Ehrverlust u. s. w. an der erhaltenen 
Unterstützung, so erhalten nur die schamlosen Querulanten, nicht die besseren Armen, 
was sie brauchen. Zwischen diesen zwei Klippen wird nur eine besonders tüchtige
	        

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