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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

795) Die Entstehung des Versicherungswesens. 
337 
den Vorteil einer sicheren Endigung ihrer Verpflichtung; die Käufer der Lebensrenten 
varen für ihr Leben gesichert, ob sie lang oder kurz noch lebten. 
In den Mittelmeerländern entstand vom 14. Jahrhundert an die Seeversicherung 
zuerst in Anlehnung und in Verbindung mit einem gewährten Darlehen, so daß der Dar— 
lehen Gebende zugleich gegen höhere Entschädigung die Gefahr, welche Schiff und Ladung 
liefen, ganz oder zum Teil trug. Verschiedene Versicherungsformen kamen vor, das Sec— 
darlehen, die commenda, die colonna u. s. w., welche den Gedanken einer Versicherung 
von Schiff oder beförderten Waren nebenbei enthielten. Von 1330—-1500 begannen 
Kaufleute zuerst als Neben⸗-, dann als Hauptgeschäft durch zahlreiche selbständige Ver— 
träge die Versicherung der Schiffe und ihrer Ladung gegen eine bestimmte Praͤmie zu 
ibernehmen, d. h. sie zahlten im Falle des Verlustes die Versicherungssumme und er— 
hielten dafür die Prämien von so und so viel Prozenten des versficherten Wertes. Auch 
hier war das Versicherungsgeschäft nur dem möglich, der als Geschäftsmann zahlreiche 
ähnliche Verträge schloß, die untereinander den Zufall ausglichen, ihm die Mittel 
lieferten, die Verträge zu erfüllen und dabei noch einen Gewinn zu machen. An der 
Hand einer systematischen Gesetzgebung bildete sich die Seeversicherung vom 15. bis 
17. Jahrhundert schon sehr genau und fein aus. Die Praxis kannte bereits die ver— 
schiedenen Größen der Gefahr je nach dem Meere, je nach Art der Schiffe, stufte danach 
die Höhe der Beiträge, der Prämien, gegenüber den Versicherungssummen ab. Aber es 
zeigte sich doch im Laufe des 17. Jahrhunderts, daß der Umfang der Versicherungs— 
geschäfte des einzelnen Kaufmanns, der Versicherungsverträge abschloß, viel zu gering 
sei, um ihn nicht häufig bankerott werden zu lassen und die Versicherten um ihre 
Entschädigung zu bringen. Und daher bildeten sich neben den privaten Versicherern 
mehr und mehr von 1690— 1800 große Compagnien für das Geschäft, teilweise bereits 
mit ausschließender Berechtigung. 
Diese mit Gewinnabsicht gebildeten, kaufmännisch verwalteten Compagnien für 
Seeversicherung, hauptsächlich in England und den Nordseehäfen im 18. Jahrhundert 
zu Hause, wurden hier auch das Vorbild für ähnliche Compagnien, die nun die Ver— 
sicherung von Häusern, spaͤter auch von Hauseinrichtungen gegen Brandgefahr über—⸗ 
nahmen, und für solche, welche auf Grund von Absterbetafeln die Auszahlung von 
Witwengehalten, Waisengeldern, Alterspensionen und Kapitalbeträgen für den Todesfall 
gegen einmalige oder sich wiederholende Einzahlungen gewährleisteten (Lebensversicherungs 
anstalten). Auf dem Kontinent sind ähnliche Anstalten hauptsächlich erst von Anfang 
des 19. Jahrhunderts an entstanden, zumeist mehr in der Form sogenannter Gegen— 
seitigkeitsgesellschaften, wobei die Versicherten als Träger des Geschäfts fungieren, auf 
die Spitze der Verwaltung einen gewissen Einfluß haben, bei Verluft nachzahlen müssen, 
bei Gewinn einen Teil der gezahlten Beiträge zurückerhalten; später mehr in der Form 
der Altiengesellschaft, die feste Prämien erhebt, den Gewinn als Dividende an die 
Aktionäre verteilt. Fur die Gegenseitigkeitsgesellschaften fehlte in Deutschland und 
anderwärts lange eine ihre Verfassung regelnde Gesetzgebung. Sie konnte in der älteren 
Zeit entbehrt werden, da ihre Gründer, von humanitären Absichten und socialen Idealen 
ausgehend, die Geschaͤfte sehr solid führten. Später bemächtigten sich aber Spekulanten, 
ja teilweise auch Schwindler dieser Geschäftsform, wodurch große Mißbräuche entstanden, 
eine sie bekämpfende, ihre Verfassung ordnende Specialgeseßgebung nötig wurde. 
Die See-, Feuer- und Lebensversicherung hatte sich von 1700 - 1840 in 
England langsam entwickelt, auf dem Kontinent waren bis 1840 erst die bescheidensten 
Ansänge vorhanden. Von 1840 - 1880 nahm das ganze Versicherungswesen einen großen 
Aufschwung, von da bis zur Gegenwart erreichte es erst seine volle wirtschaftliche Bedeutung, 
sunächst in den genannten Zweigen und dann auch darüber hinaus. Es bildeten sich im 
aufe des 19. Jahrhunderts die Verficherung gegen Hagelschaden, gegen Viehsterben und 
Viehkrankheiten; es wurden Versuche gemacht, die Schäden zu versichern, welche durch 
Zerbrechen von Spiegelscheiben, durch Gas und Wasferleitungsschüben, durch Einbruch 
zurch Unfälle aller Art, durch falsche Kreditierung und Hypothekengeschäfte enistehen: 
Das Wichügste aber war, daß die bestehenden Kranken- und Sterbegelderkassen der 
Schmoller, Grundrik der Volkswirtschaftslehre. II. 1.—6. Aufs.
	        

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