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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

342 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —(1800 
versicherung hat ihre Beiträge nach der Absterbeordnung des Volkes und der socialen 
Klaffe, nach der individuellen Gesundheit der einzelnen, sowie nach dem wahrscheinlichen 
Zinsfuß, zu dem sie das eingezahlte Kapital in 10—60 Jahren anlegen kann, zu be— 
messen. Alle diese Faktoren sind unsicher, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wechselnd. Erst 
sehr langsam konnte man die nötige Statistik beschaffen, die Absterbeordnungen ver— 
bessern, die Erfahrungen von 142 Generationen verwerten. Ebenso schwierig wie für 
die Todfallversicherung ist die mathematisch brauchbare Grundlage für Allers- und 
Witwenrenten, für Krankheitsgelder und Ahnliches zu beschaffen. Alle diese Geschäste 
haben etwas Gewagtes. Ist man sehr vorsichtig, so stellt man teure Bedingungen, 
die abschrecken; lockt man durch billige Prämien und große Versprechungen, so ist die 
Gefahr des späteren Deficits vorhanden. Und sie verbirgt sich doch so leicht durch 
10—30 Jahre hindurch, nämlich so lange viele junge Leute eintreten, die zahlen und 
nichts erhalten; werden sie alt und gelingt es dann nicht mehr, stets junge Versicherte 
in steigender Zahl zu gewinnen, so ist die Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft vor— 
handen. Sucht man durch Agenten rasch möglichst viele Leute ohne zu ängstliche Rück— 
sicht auf ihre Gesundheit zur Versicherung zu bringen, so werden sie rascher sterben, 
als die angenommene Absterbeordnung besagt, d. h. sie werden viel mehr kosten, als 
fie geleistet haben. Sucht man die werbenden Agenten durch hohe Abschlußproviftonen 
zur kritiklosen raschen Anwerbung anzufeuern, so erhält man leicht viele Versicherte, 
die nur ein oder einige Jahre zahlen, dann die Versicherung verfallen lassen; die 
Gesellschaft kann so große Gewinne machen, ja Defiecite decken, aber sie betrügt damit 
die Tausende, die in dieser Weise eine zeitlang umsonst bezahlt haben. 
Aus diesen wenigen Bemerkungen erhellt schon die geschäftlich-technische Schwierig— 
keit der Lebensversicherung und die leichte Möglichkeit großer Mißoräuche. Sie haben 
fich wie beim Feuerversicherungswesen hauptsächlich in den Ländern der weitgehenden 
wirtschaftlichen Freiheit 18830—1870 gezeigt. Viele Tausende, vielleicht der größere 
Teil aller Versicherten, haben in dieser älteren Zeit nichts, trotz längerer oder kuürzerer 
Finzahlung, erhalten; sie stellten ihre Zahlungen ein, es wurden die Verträge von den 
Anstalten beanstandet, oder die Gesellschaften machten bankerott. Die in Überzahl mit 
wenig Kapital und viel Leichtsinn gegründeten Gesellschaften haben sich den berechtigten 
Vorwurf gefallen lassen müssen, daß sie darauf spekulieren, ihre Verbindlichkeiten los 
zu werden. Erst in neuerer Zeit hat teils die anständige Praxis, teils die Gesetzgebung 
darauf hingewirkt, daß jeder, der über 228 Jahre Prämien gezahlt hat und nuͤn nicht 
imstande ist, weiterzuzahlen, entweder in Form des Rückkaufs seiner Police den größeren 
Teil seiner Einzahlungen (z. B. 75040) zurückerhält, oder daß die bisherigen Zahlungen 
ihm als eine Gesamtzahlung angerechnet werden, die ihm nun ein natürlich viel kleineres 
Todfallkapital sichern. 
Die Art des ökonomisch-technischen Geschäfts hier im einzelnen vorzuführen, 
würde zu weit führen. Das Angeführte muß genügen, zu zeigen, um welche kompli— 
zierte Berechnungen es sich handelt. Die einzelnen Versicherten können fast nie sich 
einen Einblick über die Solidität des Geschäfts, über die Frage einer richtigen Absterbe— 
ordnung, einer genügenden Prämienreserve (Kapitalansammlung), über die Höhe der Ver— 
waltungskosten verschaffen. Sie haben gegenüber den Organen der Aktiengesellschaft meist 
leine auskömmlichen Rechte; und auch in der Gegenseitigkeitsgesellschaft gelingt es nur 
schwer, die Masse der Versicherten, die ja eigentlich die Unternehmer sind, zu richtiger 
Aktion gegenüber der Direktion zu bringen. Äber die Gegenseitigkeitsgesellsch aften führen 
wenigstens den Hauptgewinn, den sie erzielen, in Form von Dividenden au die Ver— 
sicherten jederzeit ab; die Akliengesellschasten sahen fich neuerdings freilich auch genötigt, 
in beschränktem Maße das nachzuahmen, einen Teil ihres Gewinnes siatt den Aktio— 
nären den Versicherten zukommen zu lassen. 
Wo, wie in den Vereinigten Staaten und England, eine übermäßige Konkurrenz 
fich erhielt und ein skrupelloses Beamten und Agententum waltet, da Kagt man vis 
in die neuere Zeit über eine kostspielige reklamehafte Verwaltung, maßlose Agenten— 
drovisionen (bis 63 0/0 der ersten Jahresprämie, 7,509/0 der folgenden), über allzu großen
	        

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