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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

813) Witwenverficherung. Die treibenden Kräfte. 355 
ihrer Ausgestaltung, ihre Organisationsformen. In ersterer Beziehung kommen 
in Betracht die Arbeiter selbst, die Arbeitgeber, die Versicherungsgesellschaften, die Regie— 
rungen und parlamentarischen Kreise, die Versicherungs- und socialpolitische Wissenschaft. 
In der Arbeiterwelt bestanden im 19. Jahrhundert zwei starke Strömungen, 
die dem Hülfskassen- und Versicherungswesen günstig waren; im übrigen aber waren her— 
gebrachte wirtschaftliche Gewohnheiten, Mangel an geschäftlicher Bildung als schwere Hemm— 
aisse zu überwinden. In breiten Schichten der Arbeiter und Kleinleute lebte zunächst noch der 
alte Gilde- und Genossenschaftsgeist mit seiner Neigung zu brüderlicher Hülfe, mit seinen 
sympathischen Gefühlen; in den oberen und mittleren Klassen viel mehr durch Erwerbs— 
krieb, Genußsucht erstickt, begünstigte er in diesen socialen Schichten die Erwerbsgenossen— 
schaften, die Gewerkvereine, den politischen Zusammenschluß und gesellige Vereine aller 
Art, aber auch die Hülfskassenverbände. Im Anfang des neueren Hüuͤlfskassenwesens, 
teilweise auch später, rief dieser Genossenschaftsgeist Gebilde ins Leben, die alle diese 
Vereinszwecke zugleich umspannen wollten; später schieden sie sich mehr. Der Gildegeist 
mußte fich nun aber im Arbeiterversicherungswesen mit der mehr privatrechtlich in— 
dividualistischen Tendenz des Versicherungsgeschäftes auseinander setzen, was ihm nicht 
leicht wurde. Es fehlte in den eigentlichen Arbeiterkreisen an den kaufmännischen Kennt— 
nissen und Sitten, um Kassen mit komplizierten Rechnungen zu führen; die sich selbst 
überlassenen Vereine, zumal wenn sie zugleich Geselligkeit pflegten, unterlagen immer 
wieder der Versuchung, zu viel für Feste auszugeben, die Gelder zu verteilen. Mißbräuche 
aller Art, schlechte Verwaltung, Unfähigkeit, mit der fernen Zukunft zu rechnen, hörten 
lange nicht auf. Erst sehr langsam wich der alte, für den Moment hüljsbereite, aber 
leichtsinnig in den Tag hinein wirtschaftende Sinn den festen Formen und versicherungs— 
technisch geprüften Rechtsansprüchen einer modernen Hülfskasse. 
„Das erwachende sociale Selbstbewußtsein des Arbeiterstandes erzeugte, wie auf 
auderen, so auf diesem Gebiete den Wunsch nach Selbsthülfe, die Freude an selbst— 
gegründeten oder selbstverwalteten Hülfskassen, den Sinn für eine Versicherungsthätig— 
keit, wie sie im Mittelstand schon vorhanden war. Die Agitation für Hülfskassen aller 
Art wurde ein wichtiger Bestandteil der ganzen neueren focialen Bewegung. Aber die 
Führer derselben haulen doch mehr an der politischen, gewerkschaftlichen oder sonstigen 
Bewegung Interesse als an der Arbeiterversicherung; manche Formen derselben schienen 
ihnen für diese eher hinderlich als förderlich, und wir sehen daher die Arbeiterführer 
oft Gesetze, Organisationen, Kaffen bekämpfen, die an sich der Arbeiterversicherung 
dienten, sie praktisch förderten. 
Die Arbeitgeber haben nicht überall und nicht jeder Zeit Verständnis für die 
Arbeiterversicherung gehabt. Aber da und dort waren sie hergebrachtermaßen mit Hülfs— 
kassen vertraut und fahen deren Nutzen. In manchen Ländern und Gegenden beseelte 
ein humaner Geist der Fürsorge besonders die größeren Unternehmer; baid wuchs auch 
die Einsicht, daß die Errichtung und Unterstüßung dieser Kassen ein Machtmittel, ja 
eine gute Kapitalanlage sei. Je größer die Unternehmungen wurden, desto mehr ge— 
schah; die durch die Patrone geführte Verwaltung war meist billig, kostete oft gar 
nichts, stellte sich leichter auf richtigen versicherungstechnischen Boden als die von den 
Arbeitern allein verwalteten Kassen. Meist aber verstanden diese patronisierten Ein— 
richtungen nicht, in den Arbeitern das eigene Interesse entsprechend zu wecken. 
Das Lebensversicherungsgeschäft machte schon im Interesse seiner Geschäfts— 
ausdehnung seit 60 —60 Jahren Versuͤche, auch für die kleinen Leute thätig zu sein; wir 
xwähnten schon, wie gänzlich ihm die Krankenversicherung mißlang, wie es nuͤr in 
England und den Vereinigten Staaten die sogenannte Volksversicherung in weite Kreise 
zu tragen verstand. Aber schon diese Versuche wirkten; die Techniker der Versicherung 
dingen aus dieser Schule hervor. Die seit 18860 — 1880 beginnende Unfallversicherung der 
Aktlengesellschaften war die Vorbereitung für die spateren großen Unfallkorporationen. 
Die ganzen Mißbräuche des kapitalistischen Versicherungswesens wiesen auf die öffentlich— 
cechtliche Ordnung des Arbeiterversicherunaswesens hin
	        

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