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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

871) * Art und Voraussetzungen der Einigungsthätigkete. 4413 
sind, die Einigungen und Schiedssprüche ihrerseits mit aller Kraft durchzuführen, schwebt 
alle Vermittelung in der Lust. Wo man jede Entscheidung ad hoc einberufenen, zu— 
jälligen, von Stimmung und Leidenschaft bewegten großen Versammlungen vorlegen 
muß, da baut man stets auf Sand. Zu einer beiderseitigen, genügenden Organisation 
und gegenseitiger Anerkennung ist man in England nach und nach in der Hauptsache 
durch die Kämpfe gelangt; ähnlich neuestens auch in den Vereinigten Staaten, wo 
endlich 1900 der epochemachende Fortschritt gelang, die großen Unternehmerverbände 
des Maschinenbaues, der Zeitungsgewerbe und des Bergbaues zur Anerkennung der 
Arbeiterverbände und zu gemeinsamen Schiedsgerichten zu bringen. Man kann Der—⸗ 
artiges auch durch Gesetz begünstigen, wie in Neuseeland, wo das Gesetz vom 31. August 
1894 nur den staatlich registrierten Gewerkvereinen den Zugang zu den staatlich an— 
geordneten Distriktseinigungskammern und dem Centralschiedsgerichtshof öffnet, dafür aber 
auch die Unternehmer zwingt, mit ihnen vor den genannten Organen zu verhandeln. 
Die ganze gegenwärtige und künftige Gesetzgebung über die beiderseitigen Verbände, über 
ihre rechtlichen Normativbedingungen, über ihre eventuelle Haftung für Bruch kollektiver 
Verträge, wie fsie z. B. Brentano vorgeschlagen, hat natürlich großen Einfluß auf diese 
erste Vorbedingung des Gelingens der Verhandlungen. 
—An 
Parteien, so ist stets das Wichtigste, nicht daß ein Schiedsspruch, und sei es der weiseste, 
ihnen octroyiert wird, sondern daß die Parteien sich verständigen. Dazu gehört, 
daß man sich gegenseitig mit Ruhe und in parlamentarischer Form anhört, und daß die 
Thatsachen des Streites und die gesamten wirtschaftlichen Vorausfsetzungen der Einigung 
ganz klar gestellt werden. Solange Haß und Bitterkeit vorwaltet, solange die Unter— 
nehmer glauben, sich etwas durch die Verhandlung zu vergeben, ist daher ein an⸗ 
gesehener, unparteiischer Vorsitzender meist notwendig; je größer der Streit ist, eine um 
so höher stehende, um so klügere, juristisch und geschäftlich virtuosere Persönlichkeit mit 
liebenswürdigen Formen ist erwünscht. Nicht, daß er dem Gewerbe angehöre, ist das 
erste Erfordernis, jeder begabte Vorsitzende arbeitet sich rasch in die Thatsachen ein, 
sondern daß er eine überragende Verstandesschärfe mit der Gabe der Überredung besitze, 
daß er findig sei im Aufsuchen des Einigenden, im Wegräumen des Trennenden, in der 
Betonung des Gerechten und des wirtschaftlich Möglichen. Wo man durch Schieds— 
gerichtsgesetze eingreist, ist ihre Hauptaufgabe 1. den rechten Mann hiefür zu designieren, 
2. die Geschäftssormen zu fixieren, durch die er am besten eine Einigung zu stande 
bringen kann. Das deutsche Gesetz von 1890 hat für die großen Städte und mäßige 
Streitigkeiten im Gewerberichter und in seinen Beisitzern die passenden Perfönlichkeiten für 
Einigung und Schiedssprüche gefunden; für ganz große Streitigkeiten, wie der Ham— 
burger Hafenstreik, reichen sie nicht aus; da müßtle das Reichsamt des Innern Minister, 
Handelskammerpräsidenten, große Parteiführer zur Vermittelung ernennen können. Der 
englische Conciliation Act von 1896 hat in freier Weise dem Handelsamte die Möglich— 
keit gegeben, Arbeitsstreitigkeiten zu untersuchen und für ihre Lösung Einigungs— und 
Schiedstammern nebst den richtigen Leitern derselben zu bilden. Mit gutem Erfolg. 
Die üͤbliche Scheidung des Verfahrens, wie sie in der englischen Prarxis sich 
ausbildete und in den meisten Gesetzen vorgesehen ist, in ein Einigungs- und in ein 
Schiedsverfahren, wobei der Schiedsspruch nur gefällt wird, wenn die Einigung 
mißlingt, liegt in der Natur der Sache. Aber die Trennung ist mehr formeller, als 
malerieller Art: denn auch der Schiedsspruch behält dauernde Kraft und Wirksamkeit 
nur, wenn er auf einer mittleren Linie sich bewegt, der sich die Parteien sehr weit ge⸗ 
nähert haben, den fie aber freiwillig zu ergreifen doch noch nicht im stande sind. 
In den englischen Industrien, wo das Verfahren schon eine Vergangenheit besitzt, die 
Parteien dazu erzogen sind, da glaubt man neuerdings Schiedssprüche und Schieds— 
richter ganz entbehren zu können. Die Parole lautet: nicht arbitration mehr, sondern 
negotiation and conciliation. 
Meist ist das Einigungsverfahren einem mehr lokalen oder Bezirksorgane, das 
Schiedsgerichtsverfahren einem nationalen oder Centralorgane anvertraut; und zwar
	        

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