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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

389)] Geld, Kredit, Spekulation in ihrer Wirkung auf Schwankungen. 475 
Die Thatsache, daß heute ein steigender Teil alles Vermögens in Effekten, die 
auf den Inhaber lautend jeden Tag verkauft oder beliehen werden können, angelegt ist, 
hat dazu geführt, daß diese Effeklen in ihrem wechseluden Wert ein Hauptgegenstand 
der Kapitalanlage und der Spekulation würden. Der Handel auf den Börsen, zumal 
der Terminhandel benutzt sie in erster Linie; die großen Banken beleihen sie; der 
interlokale Zahlungsverkehr benutzt sie in weitem Umfang. Zumal die täglichen Kurse 
der Aktien der führenden Gründungsbanken, der großen Industrieaktiengesellschaften, der 
Bergwerke, der Baubanken wurden zum Spielball der Spekulation, der Differenzgeschäfte. 
Viel künstliche Mittel werden in der Zeit hoffnungsvollen Geschäftsaufschwunges an— 
gewandt, um sie in die Höhe zu treiben. Das Publikum fragt nicht mehr, werden 
diese Effekten künftig wirklich sich so hoch verzinsen, sondern nur noch, werden sie weiter 
einige Wochen und Monate steigen, so daß man beim Wiederverkaäuf große Gewinne 
machen kann. Kurssteigerungen von 100 und mehr Prozent werden erreicht, denen 
ede reale Grundlage fehlt. Tausende von gänzlich üͤrteilslosen nehmen an der Speku⸗ 
lation teil, und fie können es nur, weil die Banken ihnen Kredit hauptsächlich in Report—⸗ 
form zuletzt oft zu 20 — 40 0/0 geben, an diesem Kreditgeschäft große Gewinne machen 
und meist sicher sind, im entscheidenden Falle des Kursrückganges alle diese Börsenlaien 
mit dem Verlust hereinfallen zu lassen, sich selbst aber durch rechtzeitige Kreditkündigung 
oder -verweigerung zu decken. 
In dieser überspannung der Effektenspekulation durch den Bankkredit liegt einer 
der dunkelsten Punkte unserer neueren Kreditentwickelung; die so geschaffenen falschen 
Kurfe versetzen die ganze Volkswirtschaft in ungesunde Fieberhitze, erze ugen falsche Vor⸗ 
stellungen uüͤber alle Preisbewegung, über alle Gewinnchancen und Absatzmöglichkeiten. 
Hier liegt der berechtigte Punkt einer Reform des Börsenwesens, der Terminspekulation. 
Außerdem sei nun aber noch auf drei Punkte aufmerksam gemacht, durch welche 
die steigende Kreditausbildung den gleichmäßigen Gang des Wirtschaftslebens gefährden 
kann; es handelt sich um den Zusammenhang des Kredites mit dem Zahlungswesen und 
mit den Staatsfinanzen und um den Wechsel der angesammelten unbeschäftigten Leih— 
kapitale in den Banken. 
Je weiter der Kredit sich ausbildete, desto mehr traten Krediturkunden an die 
Stelle des Geldes. Je mehr die Geschäfte und zumal die mit Kredit gemachten sich 
häuften, desto mehr wurden alle Zahlungsverbindlichkeiten auf Tag und Stunde, auf 
Wochen und Monate im voraus festgelegt. Der einzelne Geschäftsmann hält keine 
oder nur ganz unbedeutende Kasse. Er hat ein Depositum, ein Konto bei der Baut, 
er zahlt durch fie; das gleiche Verhältnis besteht zwischen den einzelnen Banken und 
der Centralbank. Alle diese Einrichtungen verbilligen und vereinfachen das Geschäfts— 
leben; sie funktionieren glatt und gut, so lange von den Tausenden aufeinander Rech— 
nenden jeder pünktlich zahlt, und so lange für etwaige Ausfälle die Barvorräte der 
Banken ausreichen. Je gespannter aber die Kreditkette ist, desto leichter kann eine kleine 
Zahlungseinstellung selbst große und jedenfalls kleine Häufser in Verlegenheit bringen. Je 
leichtsinniger die Banken vorher aus Gewinnsucht Kredit gaben, desto weniger können sie 
zweifelhaften, oft nicht mal den größten und besten Firmen im Moment das nötige 
Veld zu Zahlungen schaffen. Und wenige Zahlungsunfähige ziehen dann Dutzende und 
Hunderte, die alle nur fallen, weil ihre Eingaͤnge ausblieben, mit ins Verderben. 
Je befser die großen Centralnotenbanken und ihre Diskontopolitik fungieren, desto 
weniger ist Derartiges zu fürchten. Ganz läßt sich aber diese Gefahr nie beseitigen. 
Am wenigsten, wenn die großen Banken in enger Fühlung mit den Staatsfinangen 
stehen. Diese verfügen zeitweise über sehr große Kapital, und Geldmengen, die sie 
gern zinsbar anlegen; sie haben andererseits oft auch schnell große Summen nötig, die 
sie in bankmäßiger Form aufnehmen und so die Bankreservoire leeren. Dadurch 
können unerwartete Eingriffe in den Kapitalmarkt entstehen; dadurch kann der Zinsfuß 
plötzlich sehr verteuert oder sehr verbilligt werden, ohne daß im Markt, in der Pro⸗ 
duktion, in dem Absatz liegende Gründe vorhanden wären. Vollends ein Stanuts 
bankerott, ein Kriegsausbruch mit sehr starken Kapitalansprüchen werden die ganze
	        

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