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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

948) Die älteren Krisentheorien. 
485 
zwischen Angebot und Nachfrage kann kein absolutes sein; die kleinen Schwankungen 
stören aber nicht viel, solche Vibrationen gehören zur wirtschaftlichen Entwickelung. In 
die großen Störungen aber (Erhöhung der Produktionskosten, Stockung des Absatzes) 
muß der „leitende Staatsmann“ regelnd, helfend, Absatz und Luxus ermunternd, Aus— 
und Einfuhr beherrschend eingreifen. 
Die Krisen und Stockungen von 1780 — 1815 hatten eine lebendige öffentliche 
Meinung und eine theoretische Spekulation über das Problem geschaffen. Die erstere 
führte das, was man als Überproduktion empfand, auf die Maschinen zurück, klagte 
über die zeitweise Arbeiterentlassung. Dieser Auffassung trat die abstrakte Naturlehre 
der Volkswirtschaft gegenüber. J. B. Say, James Mill und Ricardo waren 
ihre Wortführer. Im einzelnen abweichend, in den Hauptpunkten übereinstimmend 
lehrten sie im Anschluß an Tucker und die Physiokraten, daß man in letzter Instanz 
ja doch Produkte stets mit Produkten kaufe, daß, wenn allerwärts gleichmäßig mehr 
produziert werde, keine Uberproduktion entstehen könne, da das Plus an einer Ware 
stets einen Gegenwert in einer anderen finde, daß wenn irgendwo partielle Überproduktion 
stattfände, das in einer partiellen Unterproduktion an anderer Stelle oder in zufälligen 
äußeren Ereignissen, wie Mißernte und Krieg, seine Ursache habe, daß der als Kapital 
verwandte Teil des Einkommens stets den Reichtum des Landes hebe, daß wenn kleine 
Absatzstörungen vorkämen, die natürliche Ordnung der Dinge rasch das Gleichgewicht 
herstelle. Die Lehre von den „Absatzwegen“ erschien bei Say und seinen Nachsolgern 
gleichsam als der Mittelpunkt ihrer ganzen harmonistischen Theorien; sie wollten zu— 
gleich mit ihrer Lehre alle Staatseingriffe abhalten, alle Schutzzölle bekämpfen, jener 
Forderung entgegentreten, welche die Maschinen im Interesse der Arbeitsgelegenheit 
verbiete. Say und Ricardo haben freilich dann bei näherer Untersuchung der Dinge 
ihren Gegnern in den späteren Auflagen ihrer Schriften große Konzessionen gemacht, die 
ihre optimistische Lehre stark einschränkten. Aber ihre liberalen Nachtreter blieben doch bis 
heute in ihren Wegen. Das Richtige an ihrer Theorie war, daß auf die Dauer, nach Jahren 
und Jahrzehnten betrachtet, natuürlich Produktion und Konfumtion sich immer wieder 
zuletzt die Wage halten; der Streit war nur, ob das Gleichgewicht so leicht, so rasch 
sich herstelle, wie groß die Störungen, und was ihre Ursachen seien. Es sei noch bei— 
gefügt, daß der Streit sich natürlich nicht darum drehte, ob eine abstrakt-objektive 
ÜÄberproduktion möglich sei, d. h. eine folche, welche auch bei billigsten Preisen, günftigster 
Einkommensverteilung und normalstem Verkehrsmechanismus nicht Absatz finde. Eine 
jolche hat nie irgend jemand angenommen, auch kaum eine solche, die in allen 
Zweigen der Produktion ganz gleichmäßig stattfinde; man sah stets, daß die Erscheinung 
von einzelnen Zweigen ausgeht; man nannte sie nur eine allgemeine, wenn sie den 
größeren Teil der Volkswirtschaft mehr oder weniger in Mitleidenschaft zog. 
Die ersten Gegner der Say-Ricardoschen Theorie waren der von R. Owen an— 
geregte Malthus und der socialpolitisch fühlende Sismondi, beide nicht so opti— 
mistisch, nicht so doktrinär wie Say und Ricardo, beide realistische Beobachter des Lebens. 
Der erstere sagt, wie es Übervölkerung giebt, so stellt sich leicht Überproduktion ein, 
und zwar durch zu starke Kapitalansammlung in den Händen der Reichen; überall in 
der Volkswirtschaft müssen die rechten Proportionen der untereinander verbundenen 
Elemente herrschen, und daran fehlt es oft heute. Sismondi klagt die Plan- und 
Regellosigkeit der modernen Produftion an, welche partielle Überproduktion erzeugen. 
Dem Satze Ricardos, daß wenn Land⸗- und Tucharbeiter beide gleichmäßig ihre Pro— 
duktion vermehrten, sie beide untereinander auch das Plus tauschten, wirft er die be— 
rechtigte Frage entgegen, ob denn ländliche Arbeiter, wenn es ihnen gut gehe, plötzlich 
entsprechend mehr Röcke, Tucharbeiter plötzlich ebensoviel mehr Brote begehrten? 
Aber nicht bloß eine partielle, sondern eine allgemeine Nichtübereinstimmung von Pro— 
duktion und Nachfrage gebe es; sie folge aus der Ungleichheit der Einkommensverteilung, 
dem Lohndruck, dem heutigen System der freien Konkurrenz; das rücksichtslose privat- 
wirtschaftliche Gewinnstreben erzeuge leicht eine falsche Produktion, da fie nicht durch den 
Bedari, sondern nur durch den augenblicklichen Preisstand und die Gewinnmöglichkeit
	        

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