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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

512 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. —1970 
die Tyrannenhäuser, viel dauernder als einst in Griechenland, an die Stelle. In Eng— 
land und Frankreich erhebt sich das Königtum schon im 11. —13. Jahrhundert wieder 
zu neuer Macht. Vom 15.—19. Jahrhundert vollends findet die neue große nationale 
Staatenbildung unter Leitung großer erblicher Fürstenhäuser statt. Die republikanische 
Zeit mit ihren furchtbaren Klafsenkämpfen blieb hierdurch den neuen Völkern im ganzen 
und großen ebenso erspart wie die Rettung aus ihr durch eine brutale Militärs und 
Soldatendiktatur. Die Kämpfe zwischen Adel und Königtum führen meist zur ständischen 
Verfassung, später zur konstitutionellen. Beide Formen traten gewiß überwiegend in 
unvollkommener Ausbildung auf, beide schlossen zeitweise übermächtige Klasseneinflüsse 
nicht aus. Beide aber stellen einen Verfassungsfortschritt ohne gleichen gegenüber den 
antiken Zuständen dar. Das Extrem von Klassenmißbrauch und Klassenherrschaft in der 
antiken Geschichte entspringt doch aus dem unmöglichen Versuch, mit der in dem Stadt— 
staat ausgebildeten souveränen Volksversammlung neue große Staaten zu regieren. 
Leidenschaft, Zufall, Terrorismus, Käuflichkeit, Pöbelherrschaft wurden in diesen späteren 
Volksversammlungen bestimmend. Nichts Derartiges zeigt das neuere Verfassungsleben; 
jedes Parlament steht turmhoch über jeder Volksversammlung. 
Dazu kommt, daß die sociale Differenzierung, der Fortschritt der Geld- und Kredit⸗ 
wirtschaft sich in den neueren Staaten, auf ihren größeren agrarischen Flächen, viel 
langfamer als in Griechenland und Rom durchsetzte. Die Umbildung der wirtschaftlichen 
Motive, des ganzen Seelenlebens, der Institutionen war damit ebenfalls langsamer, 
von weniger Gefahren begleitet. Auch der ruhigere germanisch-nordische Volkscharakter, 
sowie der Einfluß des Christentums, die lange und einheitliche Beherrschung aller Klassen 
bis ins 18. und 19. Jahrhundert durch die christlichen Ideale und Lehren, ermäßigte 
die Spannungen, hielt die Leidenschaften, die Gehässigkeiten, die Korruption mehr zurück. 
Der harte wucherische Egoismus bildete sich nicht mehr so aus, das Mitleid, das sociale 
Verantwortlichkeitsgefühl wurden im ganzen doch stärker. Alle socialen Institutionen 
blieben menschlicher als in den antiken Staaten. 
Die unteren Klassen entarteten nie so wie im Altertum zu einem auf Staats— 
kosten gefütterten, amüsierten, arbeitsscheuen Pöbel, sondern blieben fleißige Arbeiter, 
Tagelöhner, Hausindustrielle und Kleinbauern. Die antike Sklaverei, erst durch die 
habsüchtigen Kapitalisten und Unternehmer des sinkenden geldwirtschaftlichen Griechen— 
lands und Roms zu einer gänzlich barbarischen, ausbeuterischen Institution gemacht, 
war von etwa 300 n. Chr. an durch Sitte und Recht, Christentum und veränderte 
Wirtschaftsbedingungen gemildert worden, wie wir bereits gesehen. Das Institut an 
fich dauerte formell und vereinzelt zwar bis 1200, ja bis 1500 n. Chr. fort, verschwand 
aber dann vollständig. Und als sie von 1700 an in den europäischen Kolonien 
unter ähnlichen Bedingungen wie im Altertum sich wieder einstellte und verbreitete, 
wagte man sie doch in Europa nicht wieder herzustellen, und trat ihr im 19. Jahrhundert 
das Rechtsbewußtsein der Kulturvölker und die starke Staatsgewalt in den Kolonien 
so entgegen, daß fie auch da, wo eine gewisse Unfreiheit vielleicht noch am Platze gewesen 
wäre, wo ihr Verbot den wirtschaftlichen Rückgang erzeugten, wieder verschwand. Das 
sociale Rechtsbewußtsein war stärker als das Wirtschaftsinteresse der Besitzenden. 
Weder hundertjährige Bürger- und Klassenkriege mit ihren immer neuen Massen⸗ 
morden und Massenkonfiskationen des Vermögens der Reichen, wie in Griechenland und 
Rom, sind in der neueren Geschichte je vorgekommen, noch Arbeiter- und Sklavenkriege, 
gegen die man ganze Heere jahrelang vergeblich aufbot. Der Haß zwischen Reich und 
Arm hat nie mehr die Höhe wie im Altertum vom 4. Jahrhunderte v. Chr. an erreicht. 
n der extremste sociale Radikalismus steht heute auf viel höherer Stufe als der 
antike. 
Doch kommen wir zum einzelnen, zunächst zur älteren Zeit bis gegen 1400. 
„ Die germanischen Völker haben bereits erhebliche Standesunterschiede bei ihrer 
Seßhaftwerdung, wenn auch der freie Mann mit kleiner Habe überwiegt. Wir treffen 
Königs- und Häuptlingsgeschlechter, einen Adel und neben den Freien Unfreie ver— 
schiedenen Grades; die Stände unterscheiden sich in den leges der ältesten Zeit durch
	        

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Verkehr, Handel Und Geldwesen. Wert Und Preis. Kapital Und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung. Duncker & Humblot, 1904.
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