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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

514 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. 972 
treibende Ursache der neuen Klassenbildung, der große Grundbesitz ist die Folge, große 
Leistungen politischer, kirchlicher, wirtschaftlicher Art sind die Mittel des Emporsteigens 
im einzelnen. 
Das ältere germanische Königtum von den Goten bis zu den sächsischen Kaisern 
ist durch die vorhin (S. 511) erwähnten Ursachen emporgekommen, hat gleichsam vom Sattel 
aus kriegerisch und heroisch regiert, hat in kühnen heldenhaften Familien seinen Aus— 
druck gefunden. Es ist rasch dürch Eroberung und Guͤterkonfiskation, durch das Boden⸗ 
regal, durch die Ubernahme der Markenleitung zu einem ungeheuren Bodenbesitz gekommen. 
Dieser gesiattete ihm, als die Wehrpflicht der kleinen Ackerbauern unmöglich wurde, 
seinen Hof- und Bezirksbeamten (den Grafen), seinen Gefolgschaften und Reitersleuten, 
bebenslänglichen Grundbesitz als Benefizium zuzuweisen, was zuerst eine ungeheure 
Stärkung des Königtums bedeutete; alle diese Beamten, Diener, Reiter schwuren als 
vassi dem König den Treueid. Der große Grundbesitz wurde vom König und seiner 
Amtsaristokratie zur Ausbildung der großen Grundherrschaften benutzt (vergl. I8 104); 
diese bedeuteten technischen, wirischaftlichen, organisatorischen, arbeitsteiligen Fortschritt. 
Als aber die Benefizien erblich wurden, Benefizialwesen und Vasallität 
zum Lehnswesen verschmolzen, Ämter und Grundbesitz sich unlbslich, wie ein Privatrecht 
der Beliehenen, miteinander verbanden, da wurde aus den Senioren, Herzögen, Grafen, 
Bischöfen und Äbten ein hoher Adel, der bald dem Königtum Widerstand leistete. Für 
Jahrhunderte löste sich die Regierung in Fehden zwischen König und hohem Adel auf; 
der hohe Adel führte in engerem Gebiete Fortschritte aller Art durch, er wurde in Deutsch— 
land von 12001500 zum Fürstentum; die Auflösung des Reiches in Territorien war 
damit gegeben. Im mittleren Frankreich wurde der König schon im 18., in ganz 
Frankreich 1300 —1650 Herr über den hohen Adel. In England hat der normannische 
Lehnskönig einen hohen selbständigen Adel gar nicht aufko mmen lassen, indem er nur 
zerstreute Lehen überirug, die unteren Lehensleute direkt an sich band. Im übrigen ist 
die ganze Entwickelung des hohen Adels in den verschiedenen Ländern fast mehr eine 
politisch.administrative als eine sociale Thatsache. Sein großer Besitz ist aus politi— 
schen Ursachen entstanden, hat wesentlich den volitischen Zwecken der Kleinstaatsbildung 
gedient. 
Ähnliches läßt sich von der katholischen Kirche und ihrem ungeheuren 
Grundbesitz sagen, der wie der königliche zu Grundherrschaften, Vasallen⸗ und 
Lehnsbenefizien führte, im übrigen kirchlichen, Erziehungs-, humanen Zwecken diente. 
Schon im 8. Jahrhundert war er so riesenhaft, daß. die Karolinger einen großen Teil 
für Staats- und Militärzwecke säkularisierten. Ähnliches hat sich später bis ins 
19. Jahrhundert da und dort wiederholt. Unter den Ottonen wurden die Bischöfe in 
Italien und Deutschland mit Grafenrechten ausgestattet, willfährige und geschäftskundige 
Diener des Kaisers. Nirgends sieht man deutlicher als hier, daß nicht der große Besitz 
den Stand, sondern die Leistungen des Standes den großen Besitz schufsen. In den 
kirchlichen Gebieten waren die geistlichen Herren lange Vertreter des technischen Fort— 
schrittes und gütige Herren ihrer Bauern, förderten zuerst auch die Städte. Erst als 
Kaiser und Papst um die Herrschaft stritten, erst als die katholische Kirche ein poli⸗ 
tisches Herrschaftsmittel des Papstes, die Domkapitel fette Pfründen des Adels wurden, 
verior der große kirchliche Grundbesitz zu einem großen Teil seine innere Rechtfertigung, 
zumal als im 15. Jahrhundert auch die Kloster-und die Pfarrgeistlichkeit tief sank, das 
Pontifikat unter den Borgias und Medicis zu einem kunsiliebenden, aller Sittlichkeit 
und Religiofität baren oligarchischen Tyrannenhof wurde. 
Unler dem weltlichen und geistlichen hohen Adel entwickelten sich in ganz Europa 
aus den Gefolgschaften der älteren Könige die Reitersleute, die vom 8. — 14. Jahrhundert 
deren Kriege und Fehden führten. Freie und Hörige traten in diesen ehrenvollen Beruf 
ein. Ein sester Lebensgang, mit bestimmten Stufen, die Ritterwürde als Ziel, entwickelte 
fich; genossenschaftliche Organisationen der Ritter bildeten sich. Ursprünglich beim Herrn, 
auf seinen Burgen lebend, erhalten die Reiter einige Hufen zu Lehen; selten in älterer 
Zeit (bis ins 18. Jahrhundert) mehr als 8—8, wopon sie außer sich selbst 2—3 berittene
	        

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