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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

985) Die deutsche und russische neuere Agrarentwickelung. 527 
gebiete, und um das zu hindern griff man mehr und mehr dazu, den Bauern an die 
Scholle zu fesseln (ihn leibeigen oder erbunterthänig zu machen), seine Heirat, feine 
Zuwendung zu einem Gewerbe von gutsherrlicher Erlaubnis abhängig zu machen. 
Nicht oͤhne viele Unruhen und Erhebungen war diese Entrechtung des ostdeutschen 
Bauernstandes verlaufen: so 1573 in Krain, Steiermark, Kärnten, 1394-1597 in Ober— 
und Niederösterreich, 1619 — 1680 in Böhmen, 1790 —1800 in manchen östlichen Gegenden 
wie in Kursachsen und Schlesien. Es waren Verzweiflungsausbrüche ohne große Ideen, 
wie sie die bäuerlichen Führer 1825 gehabt. Immer träger, stumpfer, fauler war die 
ganze bäuerliche Bevölkerung dabei geworden. Nur langsam brach die Überzeugung 
von der Notwendigkeit, sie zu schützen bei den Regierungen sich Bahn; das Steuer- und 
militärische Interesse legte es den Fürsten nahe. Den älleren bauernfreundlichen Fürsten 
des 16. Jahrhunderts folgten die des 18.: Friedrich Wilhelm J. und Friedrich d. G. 
Friedrich Wilhelm III. Naria Theresia und Joseph DV., Friedrich VI. von Dänemark 
und Schleswig-Holstein. Sie verboten erst jede Legung von Bauern, jede Ein— 
schränkung des Bauernlandes (Preußen 174041807, sterreich 17698—-1848), sie 
schränkten die Frondienste zuerst auf den Domänen ein, machten die Domäuenbauern 
erblich (Preußen 1779, sserreich 1777), vererbpachteten die Domänengüter (Osterreich 
1776 78, Schleswig-⸗Holstein 1766 —87), hoben die Leibeigenschaft, den Gesindezwang 
und Schollenpflichtigkeit auf (Preußen 1807, Sachsen 1832—85), suchten endlich die 
Privatbauern zu freien Eigentümern gegen Entschädigung zu machen (1811 - 50). 
Gerade vei der Einführung der tiefgreifenden bauernrettenden Reform gegen 1800 
und bis 18850 gelang es natürlich dem widerstrebenden Adel noch vielfach, seine ent— 
gegengefetzten Interessen geltend zu machen, noch viel Land zu erwerben, viele, besonders 
kleine Bauern zu legen. Immer bleibt diese Bauernrettung und -vbefreiung die größte 
sociale Reform der neueren deutschen Geschichte vor den in der zweiten Hälfte des 
19. Jahrhunderts für die Industriearbeiter ergriffenen Maßregeln. Und sie war im 
ganzen eine That des Fürsten- und Beamtentums, fast ebenso dem trägen, widerstrebenden 
Bauern als der Majorität des egoistischen Adels abgerungen. Die revolutionären Be— 
wegungen von 1789, 1830, 1848 haben wohl da und dort die Reform in Fluß gebracht 
und gefördert; aber im ganzen ist sie nicht das Resultat von eigentlichen Klassenkämpfen, 
ist nicht etwa da am günstigsien für den Bauern verlaufen, wo der Bauer sich revolutionär 
erhob. Die Kehrseite der Reform ist, daß man bei ihr ausschließlich an den Bauern 
dachte, nur ihm zu freiem Eigentum, zu einer besseren Wirtschaft verhelfen wollte. Die 
große Masse der Kossäten, der Häusler, der Tagelöhner auf dem Lande, die gerade 
1750 1850 so sehr wuchs, ging dabei nicht nur leer aus, sondern verlor in Zusammen- 
hang mit der Agrarreform Allmendeanteile, Weiderechte, auch manche Besitzrechte; sie 
stand nach der großen Umbildung schlechter da als vor ihr, wenn sie auch nicht so 
ungünstig behandelt wurde und so tief sank wie in England. 
Nur noch wenige Worte seien über die ähnliche Umbildung in Polen und 
Rußzland gesagt; die letztere liegt wesentlich im 19. Jahrhundert, gehört aber auch 
in diesen Zusammenhang. F 
Von Polen sei nur ausgesprochen, daß der Niedergang der koniglichen Gewalt, 
die Ausbildung einer habsfüchtigen Adelsherrschaft und die tiefe Herabdrückung des 
Bauernftandes die drei wichtigsten inneren Veränderungen des 16.-18. Jahrhunderts 
sind; fie haben wesentlich den Untergang des Staates von 1700 - 1815 herbeigeführt. 
Der Adel zerfiel in einen kleinen Kreis sehr reicher Magnaten, die alle Genüsse 
und Laster Westeuropas bei sich heimisch gemacht, unfähig waren, ein gesundes 
republikanisches Aristokratenregiment zu begründen. Die Mehrzahl des kriegerischen 
Kleinadels war bettelarm, käuflich, ohne Bildung, ohne iede politische und wirtschaitliche 
Fähigkeit. 
ch in Rußland (vergl. 1 S. 876 u. 378) sank der noch fast barbarische 
aber freie, sehr lose gesiedelte, erst langsam zur Dreifelderwirtschaft übergehende Bauern⸗ 
stand des 14.—16. Jahrhunderts in der Folgezeit tief herab. Der Zar hatte ihn noch 
im 14. Jahrhundert geschützt; im 15. und 16. kam er unter den Adel, die Bojaren
	        

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