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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

572 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. [(1030 
Deutschland zum Verkauf bringe, sie höchstens durchführe und dann erst in Köln aufbinde; 
daß aber der Deutsche seine Waren selbst (aber keine unterwegs in Italien gekauften) 
nach Venedig bringe, daß er dort im deutschen Kaufhaus am Rialto (Fondaco) unter 
strenger Aussicht wohne, nur an Venetianer im Fondaco verkaufe, nur von ihnen einkaufe, 
kein Schiff betrete, mit keinem Gast handle, für alle mitgebrachten deutschen Waren wieder 
venetianische, kein Geld mitnehme. Eine harte Schranke und doch auch für die Deutschen 
von Gewinn; sie wurden damit die schwere italienische Konkurrenz in Deutschland los, 
während in Frankreich der Geld- und Großwarenhandel bis ins 16. und 17. Jahr— 
hundert in italienischen Händen blieb. 
Dalmatien und die Städte der terra ferma, die Venedig unterthan wurden, 
durften keinen erheblichen Außenhandel treiben; in Venedig sollten sie ein- und ver— 
kaufen; ein Kastell an der Pomündung wachte darüber, daß die venetianischen Land— 
städte nicht in die See führen; der enorme Salzhandel Dalmatiens zu Lande wurde 
durch hohe Ausfuhrzölle erschwert; das dalmatinische Salz follte von Venedig aus die 
jämtlichen Levantehäfen versorgen. Die Industrie wurde hauptsfächlich in Venedig und 
den umliegenden Inseln mit allen möglichen staatlichen Mitteln gepflegt; die Glas-, 
die Seidenindustrie, die Brokat- und Samtweberei, die Waffen- und Goldschmiedekunst 
erreichten damit hohe Blüte. Konkurrierende Waren wurden zur Einfuhr verboten; die 
Ausfuhr von gutem Rohstoff (z. B. dem Sande für das Glas) wurde unlersagt, wie 
die Auswanderung der Arbeiter. 
Es war ein städtischer Merkantilismus mit einer klugen, vorsichtigen Staats— 
lenkung der ganzen städtisch-territorialen Wirtschaft, wie nur eine große kaufmännische 
Aristokratie ihn so geschickt durchsführen konnte; es war ein Geist des Monopoles und 
Handelsneides, wie nur eine Welthandelsstadt mit 200 000 Seelen sie gegenüber anderen 
schwächeren Staaten und Ländern und gegenüber dem eigenen, ganz abhängigen Land— 
und Inselgebiet ausdenken konnte. Daß die Wurzel der venelianischen Handelsgröße 
in seiner Lage, in seinen Bürgern, seiner politischen aristokratisch-centralisierten Ver— 
fassung lag, wird kein Kundiger leugnen; aber ebenso wenig, daß nur dieses Monopol— 
system den Wohlstand und die Macht zu solch' seltener Höhe führen konnte. Daß 
dieses System dann in seiner harten Überspannung auch viel Schaden anrichtete, ist 
nicht zweifelhaft, wohl aber, ob ein Umschwung zu anderer, liberalerer Handelspolitik 
pfychologisch und politisch möglich und wirtschaftlich segensreich in dem geographisch 
so gestalteten Küstenstaat gewesen wäre. 
Seinem Umfang nach war Venedig schon ein erheblicher Territorial- und Kolonial— 
staat; seine Bevölkerung erreichte im 15. —16. Jahrhundert 1,3—1,6 Mill. Menschen, 
sein Gebiet über 100 000 4km, sein jährlicher Handelsumsatz 100 Mill. heutige Mark; 
aber seine Handelspolitik blieb eine städtische, so modern, so centralistisch sie war, so 
sehr sie die staatliche merkantilistische Politik vorbereitete, die moderne Verwaltung und 
Statistik begründete. — Auf die liberalere Handelspolitik Genuas, sowie die der anderen 
italienischen Städte einzugehen, verbietet der Raum. Die Handelspolitik Toskanas 
(16. Jahrhundert 22149 4km, 0,8 Mill. Seelen), des Kirchenstaates (41828 qkm, 
1,8 Mill. Seelen), Mailands (Stadt 135 000, Gebiet 1 Mill. Seelen), Neapels und 
anderer ähnlicher Gebiete vom 15. —18. Jahrhundert gehört schon ganz der territorialen 
Epoche an. — 
b. Die mittelalterliche Stadtwirtschaft haben wir wesentlich im An— 
schluß an deutsche Zustände J1 8 105 S. 298—2898 geschildert; wie die Unter— 
»rdnung unter die Staatsgewalt und die socialen Kämpfe in den einzelnen Ländern 
beschaffen waren, sahen wir oben II 8S 248 S. 516—-518. In Deutschland erreichte 
ceine Stadt die Selbständigkeit und Handelsgröße wie Pisa, Genua, Venedig. Aber 
eine große Zahl der Reichs- und Landesstädte erblühte doch vom 12. —15. Jahrhundert 
so, daß fie eine selbständige Handels- und Wirtschaftspolitik, wenn auch in viel engerem 
Rahmen als die italienischen Kommunen, treiben konnten. 
Das Hauptziel der städtischen deutschen Handelspolitik im Mittelalter 
ist, der beherrichende Mittelpunkt und Markt ihrer agrarischen Umgebung zu werden,
	        

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