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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

576 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. [1034 
Schleswigs und Wisbys Handel bekämpft, diese Städte zu Grunde gerichtet; es hatte 
m, 12. und 18. Jahrhundert verstanden, es dahin zu bringen, daß alle Ostseewaren 
auf seinen Markt kamen, daß alle Weststädte dieselben in Lübeck aus der Hand der 
Lübecker kaufen mußten. Bis 1370 hatten auch die Holländer dies gethan; die Fläminge 
und Friesen, die nie zum Bunde gehört, hatte man ohnedies nie nach der Ostsee gelaffen. 
Als die Holländer von 1370 -1425 in die Ostsee drangen, suchte Lübeck das zu hindern, 
verteidigte bis tief ins 16. Jahrhundert den Satz, die Holländer dürften nicht durch 
den Sund fahren. Die holländischen Städte mußten also aus dem Bunde scheiden, sie 
wurden in Kopenhagen und Stockholm die Todfeinde der Hansen. Auch die preußischen 
und livländischen Städte wollte Lübeck an seinen Stapel binden, sie nicht durch den 
Sund fahren, keinen direkten Handel nach Westen treiben lassen. Je mehr ihr Handel 
iich entwickelte, desto weniger paßten sie in einen von Lübeck in seinem Stadi- und Stapel— 
nteresse geleiteten Bund. Auch Kölns Interefsen wurden mehr und mehr denen Luübecks 
und des Bundes entgegengesetzt; die kleinen Siädte und die Landstädte mußten ohnedies 
vielfach nun andere Wirtschaftspolitik wünschen; sie wurden stets auf den Tagfahrten 
shlecht behandelt. Rur eine feste Staatsgewalt mit Zwangsrechten hätte aus diesem 
Wirrwarr entgegengefetzter lokaler Wirtschaftsinteressen heraus eine mittlere Diagonale 
herstellen und durchfetzen können. 
Alles drängte auf eine territoriale und staatliche Handelspolitik vom 15. Jahr— 
hundert an hin. Sie allein konnte über die entgegengesetzten Lokal-, Klassen⸗, Pro— 
duktions- und Handelsinteressen, über die handelspolitische Interessenanarchie Herr werden. 
257. Die Handelspolitik der Territorien und Kleinstaaten vom 
18. ÿ14. Jahrhundert an. Die großen, rein agrarischen Reiche des älteren Mittel— 
alters hatten sich so ziemlich überall in kleine feudale Herrschaften aufgelöst. Nachdem 
die Städte sich umgebildet, ein Teil des hohen Adels aus Beamten zu Fürsten geworden, 
ein Teil der Könige wenigstens in engerem Gebiet wieder zu festerer Gewalt gekommen 
war, entstanden vom 18.-17. Jahrhundert in den meisten europäischen Ländern 
Territorialgebilde und Kleinstaaten von einer halben bis 1,2 und 8 Millionen Seelen, 
von 20000 bis über 150 000 qkm, die mit einem Streben nach politischer Einheit 
nun notwendig auch das nach einheitlicher wirtschaftlicher und Handelspolitik verbanden. 
Die Verwaltung Siziliens unter Friedrich II., dann die italienischen Tyrannenstaaten 
des 14—6. Jahrhunderts, die Herrschaft Karls IV. in Böhmen, das bis Flandern 
iich ausbreitende burgundische Herzogtum, das französische Königtum in den Central— 
landschaften Frankreichs vom 12. -515. Jahrhundert, die englische, hauptsächlich die 
Mittel-, Süd- und Westgrafschaften centralisterende Normannenkönigsherrschaft, der 
deutsche Ordensstaat und die schon vom 13.—-18. Jahrhundert entstehenden, vom 
16.-19. Jahrhundert sich konsolidierenden größeren deutschen Territorialstaaten — das 
iind die politisch-wirtschaftlichen Gebilde, die wir im Auge haben. Es kann nicht davon 
die Rede sein, sie alle in ihrer Handelspolitik nacheinander vorzuführen; aber auch von 
ihrem Durchschnitt läßt sich kein klares Bild geben. So seien hier nur zwei Typen 
herausgegriffen: die deutschen Territorien und das England bis zum Tode Elisabeths. 
a. Deutschland war von 1400 -1550 trotz seiner politischen Zerrissenheit dank 
seiner damaligen günstigen Handelslage zwischen Oft und West, dank der Ausbildung 
einer stadtwirtschaftlichen Institution ein reiches, im Südwesten ein dichtbevölkertes 
Land geworden; Technik, Kunst, Lebensgenüsse, Silberproduktion, allerlei Gewerbe 
hatten große Fortschritte gemacht, der Zinsfuß war von 8—10 auf 4-800 gefunken; 
Augsburg war neben Antwerpen der Mittelpunkt des europäischen Geld- und Kredit— 
handels gegen 1500 geworden. Aber die bestehende wirtschastspolitische Verfassung des 
Reiches hatte sich seit 1800 überlebt: die Städte und Stadtbezirke waren zu klein, ihre 
dandelspolitik nicht mehr im Einklang mit dem neuen gewachsenen Verkehr und feinen 
Formen. Die Selbständigkeit der Reichsstädte hinderte jede große wirtschaftlich-einheitliche 
Politik, wie z. B. den Versuch einer Reichsaußenzollinie und eines einheitlichen Zoli— 
ystems (15281523). Die Städte haderten untereinander, alle Slädte mit dem platten 
Lande. Die socialen Gegensähe nahmen zu; die Geldwertsrevolution steigerte alle
	        

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