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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

itik der Ni — —X 
1043)] Die Handelspolitik der Niederlande 1880 1800. 5 
niedriger, besonders für die Rohstoffe der Industrie; rohe Wolle und Fischnetze war 
verboten auszuführen. Da Sir Walter Raleigh bemerkte, die Tariffätze seien niedriger 
als in England und Frankreich, so kam er zum Schluß, die angebliche Handelsfreiheit 
sei die Ursache der holländischen Handelsblüte, und die Ursache der niedrigen Zölle sei, 
daß die Kaufleute an der Regierung beteiligt wären. 
Die teilweise alte Industrie der Städte war durch Zunftstatuten und gewerbliche 
Reglements geordnet; letztere galten für die Grundlage ihrer Blüte; die Einwanderung 
aus dem spanisch gebliebenen Belgien hatte viele Gewerbe, hauptsächlich die Woll⸗ 
industrie, sehr gehoben. Doch hatten auch erhebliche Schutzzölle gegen England 1620 
nachgeholfen (524 fl. pro Stück Tuch: Leser). Immer blieb der industrielle Schutz 
ein mäßiger. Das Verbot der Einfuhr englischer Ware, 1652 und 1667 beim Kriegs⸗ 
ausbruch verhängt, wurde mit dem Frieden jedesmal wieder beseitigt. Auf den harten 
Schlag des französischen Tarifs von 1667 verlangte die populäre Stimmung in Holland 
Retorsionen; trotz alles Widerstrebens der Admiralitäten und De Witts kam es zum 
Zollkrieg 1671 (Verbot des französischen Branntweins, hohe Belegung bis 500/0 von 
Salz, Battisten, Leinwand Porzellanwaren) und zum wirklichen Krieg 1672; noch vor 
dem Frieden hob man die Kampfzölle aber als zu schädlich wieder auf (der holländische 
Zwischenhandel mit den französischen Waren nach Nordeuropa drohte vernichtet zu 
werden), Frankreich allerdings auch seinen Tarif gegen Holland im Jahre 1678. Und 
zu einem eigentlich industriellen Schutzsystem kam es erst im 18. Jahrhundert, als die 
holländische Volkswirtschaft zurückzugehen begann. Der Höhepunkt der Macht der 
stiederlande liegt in der Zeit bis 1648, höchstens bis 1672. Von da an stieg wohl 
noch die Bevölkerung und der Kapitalreichtum; aber schon 1655 hatte Cromwell über 
Holland gesiegt; der Krieg von 1672 war ein schwerer Schlag; in den großen Kriegen 
von 16885251718 kämpften die Niederlande im Gefolge Englands gegen Frankreich; 
die Siegesbeute fiel England allein zu. Nun wurde man bis 1800 ängstlich und 
friedfertig um jeden Preis. Holland war 1750 — 1800 nicht mehr das bewunderte Vor—⸗ 
bild für die anderen Staaten. 
Die Gunst der Lage und des historischen Schicksals, die wirtschaftlichen und 
politischen Fähigkeiten seiner Kaufmannsaristokratie, der Heldenmut und die Fähigkeiten 
des führenden Fürstenhauses der Oranier haben die Republik der Niederlande zu ihrer 
Höhe uͤnd zu ihrem Reichtum geführt; das Wesentlichste aber war, daß die centralistische 
Staatsgewalt während des Kampfes mit Spanien alle Mittel staatlicher Macht mit 
seltener Energie, Klugheit und Weitsicht zugleich für Unabhängigkeit und Glauben wie 
Ar die materiellen Interessen des Handels, der Kolonieerwerbung, der Fischerei u. s. w. 
einsetzte. Es ging so lange glänzend aufwärts, als die Kaufherren die Führung der 
Oraunier ertrugen; als sie aber in falschem Tyrannenhaß Cromwell 1655 versprachen, 
dieses Haus für ewig von der Statthalterwürde auszuschließen, begann auch der Sieg 
der Kraͤmer- und Monopolpolitik über staatsmännische Leitung, begann die zu starke 
Mißhandlung der unteren Klassen (des verachteten Jan Hagels), der Kolonien, die 
allzu kurzsichtige Mißhandlung der europäischen Konkurrenten und wirtschaftlich aus— 
zgebeuteten Rachbarn. England und Frankreich, an Macht überlegen, führten die ersten 
Revanchestreiche; Deutschland fing an, seine Waren aus den Kolonien direkt über 
Hamburg zu beziehen; Frankreich, die österreichischen Niederlande, Preußen und andere 
industrielle Konkurrenten emancipierten sich; aus Portugal wurden die Holländer 1708 
durch England verdrängt, aus Rußland ebenso im Laufe des 18. Jahrhunderts. In 
den großen Compagnien und städtischen Verwaltungen wuchs Korruption, Nepotismus, 
Fugherzigkeit. Gegen 1780-1800 ist die Republik innerlich verfault und trotz ihrer 
noch reichen Kolonien zu klein und zu ohnmächtig, fich in einer großen Katastrophe 
zu erhalten. Das Hauptland ist stets ein schmaler Küstenstrich mit 2583 Mill. Seelen 
geblieben; es ist stets ein zu loser Staatenbund geblieben; das napoleonische Zeitalter 
beseitligte den Staat: nur die Rivalität der Großmächte stellt ihn 1815, resp. 1830 
wieder her.
	        

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