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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

626 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. [1084 
hundert. Rußland mußte im Zeitalter des Eisenbahnbaues außerordentlich an Macht 
und Wohlstand zunehmen; eine industrielle Schutzzollpolitik war nicht falsch in solcher 
Zeit. Aber sie hätte, maßvoller und langsamer durchgeführt, besser und gesunder 
gewirkt, sie hätte dann nicht den Bauernstand zu ruinieren, die Unterthanen durch 
Steuern auszupressen, das Gefüge der Volkswirtschaft nicht so heillos kapitalistisch zu 
korrumpieren, den Staat nicht so zu verschulden brauchen. Es war zu sehr eine Politik, 
die auf Kosten der 830/0 landwirtschaftlicher Bevölkerung, zu Gunsten einer kleinen 
Minorität von Industriellen, Kaufleuten und des Teils der Beamten, die sich mit ihnen 
verbündeten und bereicherten. Es ist eine Politik, wie sie nur ein bureaukratischer 
Despotismus treiben kann, der noch nicht genügend über reine Hände verfügt, der noch 
keine aufgeklärte öffentliche Meinung, keine genügend starken Organe einer gesunden 
Selbstverwaltung besitzt. 
b. Eine Parallele zur Handelspolitik des östlichen, über ganz Nordasien sich aus— 
dehnenden Riesenreiches bildet die der Vereinigten Staaten von 1860 bis heute. 
Hier wie dort eine großartige agrarische Ausdehnung mit der Zeit der Eisenbahnen 
und im Anschluß daran das Verlangen nach einer durch die Handelspolitik herbei— 
zuführenden ebenso glänzenden gewerblichen Entwickelung, die zuletzt in eine imperia— 
sistische Eroberungspolitik einmündet. Die 18 Neuenglandstaaten nebst den von England 
abgetretenen Gebieten bis an den Mississippi, die 1783 —1803 die Union bildeten, um⸗ 
faßten 1800 etwas über 2 Mill. Geviertkilometer und etwas über 5 Mill. Seelen; 
dazu kam 18083 der Ankauf des französischen Louisiana zwischen Mississippi und Mexiko 
von ähnlicher Größe; dann von 1845 —1890 der große Erwerb bis zum Stillen Ozean; 
1890 zählte man 7,2, 1900 9,88 Millionen qkm; die Bevölkerung zählte 1850 28, 
1880 50, 1900 76,3 Millionen Seelen (darunter 8,2 der rasch sich vermehrenden Neger). 
Auf einem reichen Boden mit den größten Naturschätzen und den besten natürlichen 
Verkehrsmitteln hatte eine auserlesene Mischung europäischer Einwanderer mit den sitt⸗ 
lich-politischen, den geistigen und technischen Traditionen der höchsten Kultur ein ein— 
heitliches Kultur- und Staatensystem geschaffen, so großartig, wie es kein zweites giebt. 
Wir haben oben (S. 610) auf die Anfänge der Handelspolitik der Union hin— 
gewiesen. Sie war stets beherrscht von der Thatsache, daß die Zölle die Haupt— 
einnahme der Union waren, daß die Landwirtschaft bis in die Gegenwart die Grund— 
lage des wirtschaftlichen Lebens und die Rohproduktenausfuhr der Hauptfaktor im 
auswärtigen Handel blieb, daß aber niemals daneben die gewerbefördernden Schutzzölle 
sehlten. Die Begründer der Union schon, Washington, Hamilton, Jefferson, Madison 
vareu Schutzzöllner gewesen; auch in der sogenannten Freihandelsepoche 1832 —1860 blieben 
die Zölle auf 20 —25 0/0 des Wertes der zollpflichtigen Waren stehen, obwohl die süd— 
taatliche Pflanzeraristokratie damals herrschte und möglichsten Freihandel nach Europa 
vünschte. Der ungeheure Aufschwung von 1340 — 1860 — eine Folge der Ausdehnung 
nach dem Westen, der Eisenbahnen, des kalifornischen Goldes, der zunehmenden Menschen⸗ 
und Kapital-Einwanderung — ließ keinen erheblichen Druck der englischen Konkurrenz 
aufkommen. Die Krisen von 1837—1839 hatten, wie die von 18357, freilich kurze 
mäßige Zollerhöhungen gebracht. 
Man hat behauptet, ohne den Bürgerkrieg um die Einheit der Union und um 
die Sklaverei 18601865 und die damit gegebene Finanznot wären die Vereinigten 
Staaten freihändlerisch geblieben. Es ist nicht wahrscheinlich; aber später und maß— 
voller wäre die Veränderung erfolgt. Die Verlegung der politischen Macht in den 
Nordosten, in das Bevölkerungscentrum der Union, die stärkeren Krisen, der stärkere 
Konkurrenzkampf mit Europa, der Großbetrieb, die Trusts, die kapitalistische Organi— 
jation der führenden Kreise, all' das drängte auf eine Erhöhung der Zölle ebenso hin, 
wie das Finanzbedürfnis. 
Der Morilltarif von 1860 hatte schon vor dem Bürgerkrieg die Woll- und Eisen— 
industrie etwas besser geschützt. Die Durchschnittshöhe des Zolles erreichte 1862 37,2, 
1864 47,06 0. Und wenn man dann 1872 die Zölle um 10/0 ermäßigte, 1875 that 
man diesen Schritt zurück. Einzelne Herabsetzungen bis 1882 waren unerheblich; 1888
	        

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