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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

336 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. —(1094 
ichiedener mitteleuropäischer Staaten damals zuerst ernstlicher erwogen wurde, sich dann 
aber zunächst als unrealisierbar zeigte, schon weil alle Staaten von 1877—1890 sich 
durch gegenseitige Zollsteigerungen verfeindet und erbittert hatten. Die einzelnen Staaten 
waren im Augenblick zu egoistisch-schutzzöllnerifsch, um sich mehr zu konzedieren als 
für zwölf Jahre die Bindung der wichtigsten Zölle und einige gegenseitige mäßige Zoll— 
herabsetzungen. Das war aber immer schon viel: die Hochflut handelspolitischer Feind— 
jeligkeit kam zum Stillstand, die begonnenen oder drohenden Zollkriege wurden beseitigt 
(für Deutschland hauptsfächlich der schlimme russische von 1893 —1894), die internationale 
Teilung der Arbeit, die große Kapitalauswanderung der reichen Staaten konnte wieder 
in Ruhe ans Werk gehen. Verträge über gerechte gegenseitige Eisenbahn-, Fluß-, 
Schiffahrts-, Veterinärpolitik schlossen sich den Handelsverträgen an. 
Das Werk war auch in dieser Beschränkung kein leichtes. Die extremen Schutz⸗ 
zöllner und Zollautonomisten griffen es in jedem Lande erbittert an; die Freihändler 
begrüßten es als neue Ara, waren aber allerwärts in der Minorität. Kaum waren 
die Verträge geschlossen, so erklärten die Deutschen sich von den Hsterreichern, diese von 
den Deutschen übervorteilt. Die Hauptkonzession Deutschlands gegenüber seinen 
agrarischen Konkurrenten war die Herabsetzung der Getreidezölle von 5 auf 3,50 Mk. 
In Osterreich überschätzt, war sie im Deutschen Reichstag nur möglich geworden, weil 
wir 1891 eine Teuerung hatten, die durch hohe Preise alle Agrarzölle überhaupt be— 
drohte. Sie wäre auch in der Folgezeit nicht so heftig von den Landwirten angegriffen 
worden, wenn nicht durch zufällige Ernte- und Welthandelskonjunkturen der Roggenpreis 
pro 100 kg 1891-1894 von 20,4 auf 11,8 Mk. gefallen wäre. Dadurch entstand 
in Deutschland der Bund der Landwirte und die heftigste agrarische Opposition gegen die 
Staatsmänner, die die Verträge von 1891 -1894 geschlofssen hatten. Wie einstens 
barbarische Völker ihre Könige wegen Ernteungunst oder Regenmangel totschlugen, so 
wissen heute noch europäische Oppositionsparteien Minister aus gleichem Grunde zu 
türzen. Wie Tirard in Frankreich fiel, so mußte Caprivi, v. Marschall, v. Bötticher 
der parlamentarischen Mißgunst der Konservativen und Schutzzöllner weichen; ihre Nach— 
'olger führten sich mit unfreundlichen Worten gegen die Handelsverträge von 1891 
bdis 1894 ein, um dann nach wenigen Jahren selbst doch wieder in eine ähnliche 
Handelsvertragspolitik einzumünden; sie sahen bald, daß bei aller Neigung, die agrarischen 
Zollwünsche zu befriedigen, ein ähnlicher Weg wie 1891 -1894 in den Jahren 1901 
bis 1905 zu beschreiten sei. 
Mögen die Handelsverträge von 1891 —1894 nicht in jeder Beziehung voll— 
ommen gewesen sein, hätte man vielleicht besser den Tarif vorher revidiert, hätte man 
für die Verhandlungen besser vorbereitet gewesen sein können, im ganzen waren sie doch 
eine „rettende That“. Und die Epoche der Vorbereitung der neuen Verträge von 1897 
an, die unter dem Hochdruck schutzzöllnerischer Interessenagitation stattfand, dieser 
zast allein im „wirtschaftlichen Ausschuß“ das Wort gab, ließ lange eine sichere 
lare politische Leitung vermissen. Daß man an eine mäßige Erhöhung der Getreide— 
zölle auf 5—6 Mk. dachte, war richtig; aber daß man eine Menge Rohstoffe im Ent— 
wurf hoch belegte, zahlreiche Erhöhungen ohne Not vornahm, zuerst in falscher Nach— 
ahmung des spanisch-französischen Vorbildes einen Maximal- und Minimaltarif aus— 
arbeitete, war falsch. Man steigerte so die extremen Schutzzollhoffnungen; es schien, 
als ob nicht die Regierungen, sondern die großen Wirtschaftsverbände den Tarif ent— 
worfen hätten. Die Bindung der Regierung an einen Doppeltarif bei den Verhandlungen 
mit anderen Staaten wäre ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung gewesen, hätte 
den Schwerpunkt statt in die Regierung ins Parlament verlegt. Einige der schlimmsten 
Fehler des Tarifentwurfes haben dann schon der Reichskanzler und die Bundesstaaten 
korrigiert. Die Verhandlungen des Reichstages über den Tarif, der fast ein Jahr lang 
in der „Schwätzerkommission“, welche Bezeichnung sogar Paasche wiederholte, hin und her— 
gezogen und verschlechtert wurde, war ein trauriges Schauspiel. Der Entwurf war zuletzt 
gegen die maßlose Obstruktion nur in der verschlechterten und gesteigerten Form der Kom— 
mission, nicht in der der Regierung (Dezember 1902) zu retten. Die Beratung im Reichstag
	        

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