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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

642 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. /1100 
in der ersten Freude über die Möglichkeit solch' staatlicher Aktion weit überschätzt; es 
war ein Versuch vielfach mit untauglichen, vielfach mit zu groben, zu ungerechten 
Mitteln, mit einer viel zu unvollkommenen Verwaltungsmaschinerie. Daher der Rück— 
ichlag zur harmonistischen Naturlehre der Volkswirtschaft, die alle staatliche Handels— 
politik verurteilte, alle Beziehungen der Volkswirtschaften untereinander dem ganz 
reien Spiel der natürlichen Kräfte überlassen wollte. Daraus ging die Episode des 
fiegenden Freihandels in der Friedenszeit des 19. Jahrhunderts, hauptsächlich 1840 
bis 1875, hervor. Der Freihandel hat das Völkerrecht, soweit es den Handel beherrscht, 
unendlich verbessert; er hat die natürliche und gesunde Arbeitsteilung der Nationen 
befördert; er hat den elementaren Wirtschaftskräften, die in gewissen Grundzügen durch 
deine Politik zu ändern sind, ihr Recht zurückgegeben. Aber er mußte wieder einer 
elbstbewußten aktiven Handelspolitik der Staaten Platz machen, als die Friedenszeit einer 
neuen Kampfzeit gewichen war, als eine neue Epoche der Staaten- und Weltreichs— 
zildung, als die Zeit der Aufteilung Afrikas, Asiens, des spanischen Westindiens ge— 
'ommen war, als eine ganz andere, die schwächeren und zurückgebliebenen Staaten be— 
drohende Konkurrenz und Verkehrsentwickelung einsetzte, als eine Reihe neuer Macht— 
nittel, wie Eisenbahnpolitik, Kartelle, Trusts, Schiffahrtsorganisationen und Prämien 
ür den internationalen Wirtschaftskampf entstanden. Da trieb das unvertilgbare Gefühl 
des staatlichen Egoismus zu neuer Machtbenutzung, zur solidarischen Anwendung der 
zeeinigten nationalen Wirtschaftskräfte. Die neuen größten Staatsbildungen (Rußland 
und Amerika) stürzten sich naiv und brutal fast ganz wieder in die Bahnen des alten 
Merkantilismus, schon ihre Finanzen nötigten sie dazu, nicht minder ihr überquellendes 
Kraftgefühl. Alte Kulturstaaten, wie Spanien und Frankreich, suchten, vom Stoß der 
Weltkonkurrenz bedroht, Schutz hinter erhöhten Zollmauern. Die anderen Staaten 
zuchen die Mitte zu halten; die jungen Agrarstaaten wollen durch Schutzzoll sich In— 
dustrie schaffen. England will sich halb zum Schutzzoll und halb zur merkantilistischen 
Kolonialbegünstigung zurückwenden, weil es seine Welthandelsstellung bedroht fühlt, diese 
um jeden Preis verteidigen will. 
Der Unterschied der Handelspolitik der einzelnen Staaten seit dem letzten Menschen— 
alter beruht 1. auf den verschiedenen geographisch-natürlichen Grundlagen, auf Größe, 
Boden, Klima und Meereslage, 2. auf der wirtschaftshistorischen Stufe der Entwickelung, 
3. auf der Handelspolitik ihrer Nachbarn und auf den bestehenden Handelsbeziehungen 
zu denselben, 4. auf dem Maß, in dem die neumerkantilistische Ideenströmung das 
einzelne Volk erfaßt, 5. auf den Verfassungszuständen, der Geschicklichkeit der Partei— 
sührer und Staatsmänner, 6. auf der Macht, über die der einzelne Staat verfügt, und 
der nationalen Neigung, sie maßvoll oder übertrieben zu gebrauchen. 
Die heutige handelspolitische Strbömung im ganzen ist so natürlich und 
innerhalb gewisser Grenzen so heilsam wie einst die merkantilistische und dann die 
freihändlerische. Sie ruht auf den neuesten großen Machtverschiebungen und den neuen 
Ldebensinterefsen der heutigen Staaten. Man muß nur hoffen, die Kulturnationen 
zätten, nachdem sie die Übertreibungen, Mißgriffe und Kehrseiten sowie die Schranken 
der beiden älteren Systeme erlebt haben, heute aus der Vergangenheit so viel gelernt, 
daß fie die früheren Fehler meiden. Bis auf einen gewissen Grad ist dies auch ohne 
Zweisel der Fall. Sperrungen, Ein- und Ausfuhrverbote, Kolonialmißhandlung und 
Handelskriege wie 16001815 werden heute nicht mehr leicht vorkommen. Das Handels— 
vertragssystem, das 1860 — 1900 entstand, kann keine heutige UÜberspannung der Autonomie 
vieder beseitigen. Der heutige Welthandel kann nicht wieder tot gemacht werden, durch 
ein Sperrsystem der Welt. Die englischen Kolonien mit Schutzzöllen beginnen schon 
wieder etwas, ihre Zollmauern zu ermäßigen. Deutschland hat 18891 —1894 den extremen 
Zollleidenschaften ein gewisses Maß geboten und wird es hoffentlich durch seine neuen 
Verträge wieder thun. In den Vereinigten Staaten regen sich mit den wachsenden 
Erportinteressen die Neigungen zu billigen Verträgen mit dem Ausland. Rußland hat 
pum 8* Mal 1894 zu Handelsverträgen mit Tarifermäßigung und Bindung sich 
emnf.
	        

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