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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

644 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. —(11102 
daß neuerdings ein so energischer Freihändler wie Alfred Weber meint, daß das Gesetz in 
Deutschland im 19. Jahrhundert durch die agrarisch-technischen Fortschritte verbilligender 
Art ganz außer Kraft gesetzt gewesen sei. Auch ich glaube, daß unsere deutschen Ernten 
durch bloße Rationalisierung des Betriebes heute noch ohne Verteuerung um 25—30, 
vielleicht gar mehr Prozent zu steigern sind, freilich nur durch Bildungsfortschritte 
unserer Landwirte, deren Herbeiführung nicht ganz leicht ist. Vollends die größere Billig— 
keit der Fabrikate alter Kulturländer trifft nicht zu. Man denke an die niedrigen 
Produktionskosten der amerikanischen gegenüber denen der europäischen Länder. Die ab— 
strakte Formel dieser zwei sogenannten Gesetze überzeugt daher niemand, der die Dinge 
— nicht bloß abstrakt — sondern in ihrem Detail verfolgt. 
é. Viele der neueren Schutzzollargumente sind freilich ebenso schwach. So die 
bloße Verherrlichung der Autonomie und Autarkie, der absoluten wirtschaftlichen Selb— 
ständigkeit; kein Kulturstaat, und je kleiner er ist desto weniger, kann heute des Ver— 
kehres mit anderen Staaten entbehren. Nur so weit es sich um unentbehrliche wirt— 
schaftliche Machtmittel, um solche Produktionszweige und Produkte handelt, deren kürzere 
oder längere Entziehung den Staat tödlich treffen könnte, hat der Gedanke, sich unab— 
hängig vom Auslande zu machen, Sinn. Die Verteidigung der Schutzzölle mit der 
Formel, daß alle gewerblichen, landwirtschaftlichen und sonstigen wirtschaftlichen Intereffen 
zleichberechtigt seien, gerechter Weise gleichen Schutz genichen müßten, enthält die Auf⸗ 
debung des Zweckes selbst: wenn jeder seine Arbeit oder Ware durch den Zoll gleich viel 
leurer verkauft, so gewinnt schließlich keiner. Die praktisch angewandte sogenannte Soli— 
darität (in England seit 1890, dann wieder 1816—-1846, in Frankreich 1816 -1856 
und seit 1887, in Deutschland von 1879 an) war stets ein Bündnis gewisser Groß— 
zrundbesitzer und Großindustrieller, die im Parlament die Mehrheit der Stimmen für 
sich zu gewinnen wußten. Untergehende Gewerbszweige dürfen nicht so geschützt werden 
vie aufsteigende, zukunftsreiche. Kein Land schützt heute die Rohstoffe der Industrie 
ebenso wie die Fabrikate, Deutschland schützt die Fertigindustrie nicht so wie die der 
Halbzeuge. Der Rechtstitel für heutige agrarische Schutzzölle liegt nicht darin, daß 
heute oder früher bestimmte Industrien solche hatten, sondern darin, daß es eine Lebens— 
frage der Gefamtheit ist, unserer Landwirtschaft über den Stoß der internationalen, 
iicher einmal vorübergehenden Konkurrenz hinweg zu helfen. 
Das zumal in Nordamerika viel gebrauchte Argument, daß Schutzzölle im Arbeiter⸗ 
interesse seien, die Löhnne steigerten oder in ihrer Höhe gegen die niedrigen europäischen 
Löhne hielten, ist zunächst häufig pharisäisch gebraucht worden, am meisten, um 1890 
die Mac Kinleybill durchzusetzen, der bald ein starker Lohnsturz solgte. In Europa 
hat das Freihandelsland England den höchsten, das Hochschutzzollland Rußland die 
aiedrigsten Löhne. Dilke berichtet über seine Studien in Kanada und Australien, daß 
er die Schutzzölle weder als lohnerhöhend, noch als lohnerniedrigend gesunden habe. 
Jedenfalls sind meist andere Urfachen für die Lohnhöhe ebenso wichtig wie die Handels— 
holitik, und innerhalb der Handelspolitik wird die richtige Anwendung von Freiheit 
ind Schutz im einzelnen das Wesentliche sein. Aber das wird sich sagen lassen, daß 
die intelligenten Arbeiter und ihre aufgeklärtesten Führer (in Deutschland z. B. Calwer, 
David, Schippel) mit Recht nicht mehr auf dem bloßen Konsumentenstandpunkt stehen, 
nicht mehr jeden Schutzzoll als verteüernd angreifen, sondern das Produktionsinteresse 
mit abwägen; eine schutzzöllnerische Handelspolitik wird in den australischen Parlamenten 
gerade durch die Arbeiter gefordert, weil sie sehen, daß sie zunächst auf die Förderung 
der Produklion zielt, die Ärbeitsgelegenheit, die Nachfrage nach Arbeit vermehrt. Eine 
solche Politik, sofern sie ihr Ziel erreicht, kann auch eine Brot- und Fleischverteuerung 
mäßigen Umfanges erträglich, ja wünschenswert machen. 
Was die amerikanischen Schutzzöllner Careh, Gaunton, Patten (der letztere lehrt 
an einer für den Schutzzoll gegründeten Universität) anführen, ist teilweise nicht neu, geht 
auf Hamilton, List und andere zurück, teilweise ist es dilettantisch, subjektiv, widerspruchs— 
voll, enthält schiefe Generalisationen amerikanischer Verhältnisse. Patten behauptet, der 
Freihandel sei für alternde Staaten, der Schützzoll für dynamische, d. h. vorwärts⸗
	        

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